Politik | Ausland
27.11.2018

Fall Khashoggi: "Wurde innerhalb von sieben Minuten getötet"

Die Türkei bestätigte grausame Details aus Tonaufnahmen. Außenminister Cavusgolu: "Es ist ekelhaft".

Der türkische Außenminister hat den Inhalt von Tonaufnahmen aus dem saudischen Konsulat in Istanbul teilweise bestätigt, auf denen grausame Details zum Mord an dem Journalisten Jamal Khashoggi zu hören sein sollen.

Mevlüt Cavusgolu sagte in einem Interview der Süddeutschen Zeitung: "Es ist zu hören, wie der Gerichtsmediziner die anderen instruiert: Sie sollten Musik hören, während er den Körper zerteilt. Man merkt, dass er es genießt." Weiter sagte Cavusoglu: "Er zerteilt gerne Menschen. Es ist ekelhaft."

"Es war vorsätzlicher Mord"

In türkischen Medien waren bereits zuvor Details aus den Tonaufnahmen - wie etwa über die Zerteilung der Leiche - veröffentlicht worden. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte Mitte November bestätigt, dass seine Regierung im Besitz von Aufnahmen aus dem Konsulat zum Mord an Khashoggi sei. Details hatte Erdogan jedoch nicht genannt.

Auf die Frage, wie die türkischen Behörden an die Aufzeichnungen aus dem saudischen Konsulat gekommen seien, sagte Cavusoglu: "Die Geheimdienste geben ihre Quellen nicht preis." Er selbst habe sich die Aufnahmen jedoch angehört. "Er wurde innerhalb von sieben Minuten getötet. Es war vorsätzlicher Mord."

Eine von der türkischen Polizei nach sterblichen Überresten des Journalisten Jamal Khashoggi durchsuchte Villa gehört Medienberichten zufolge einem engen Freund des saudi-arabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman. Das Anwesen war am Montag stundenlang durchsucht worden.

Spürhunde und Drohnen

Die Zeitung Hürriyet berichtete am Dienstag, türkische Ermittler hätten sich am Montag zehn Stunden lang mit Spürhunden und Drohnen die Residenz und angrenzende Villa des saudiarabischen Geschäftsmanns in der nordwestlichen Provinz Yalova vorgenommen. Die Nachrichtenagentur DHA meldete, die Villa gehöre Mohammed Ahmed al-Fawsan, der das Grundstück 2014 erworben habe. In einem Hürriyet-Video sind große Porträts des saudi-arabischen Königs Salman und des Thronfolgers an einer Wand der Villa zu sehen. Die zweite Villa befindet sich DHA zufolge im Besitz eines Unternehmens namens Omary Tourism Gida. Die beiden Gebäude wurden demnach illegal errichtet. Laut "Hürriyet" inspizierte die Polizei drei Brunnen auf dem Grundstück.

Der im US-Exil lebende Khashoggi war Anfang Oktober ins saudische Konsulat in Istanbul gegangen, um Papiere für seine Hochzeit abzuholen und kam nicht mehr heraus. Erst unter immensem internationalen Druck gab Saudi-Arabien die Tötung des Journalisten zu. Die Leiche Khashoggis wurde noch nicht gefunden.