Politik | Ausland
24.10.2018

Bizarres Kondolieren: Saudi-Prinz lädt Khashoggi-Sohn vor

Der Druck auf das saudische Königshaus wächst nach der Ermordung von Jamal Khashoggi, USA kündigen erste Sanktionen an.

Nach der Ermordung des Journalisten Jamal  Khashoggi im saudiarabischen Konsulat in Istanbul steht das Königshaus in Riad unter großem Druck. In einer bizarren Medienaktion wurden am Dienstag Khashoggis Bruder Sahl und sein Sohn Salah vom Kronprinzen Mohammed bin Salman in den Palast zitiert. Dort mussten sie sich für die Kameras und Filmteams von der königlichen Familie kondolieren lassen. Ein auch für arabische Gebräuche einzigartiger Vorgang. Viele kommentierten: Einen solchen "Kniefall" hat das stolze saudische Königshaus noch nie nötig gehabt. 

Der saudi-arabische Kronprinz hat die Tötung heute als "abscheuliches Verbrechen" verurteilt. Beim Wirtschaftsforum in Riad sagte bin Salman am Mittwoch zu, den Fall aufzuklären: "Die Gerechtigkeit wird siegen." Es waren die ersten öffentlichen Äußerungen des Thronfolgers seit Khashoggis Tod.

Die US-Regierung - für die Saudi-Arabien ein wichtiger Handelspartner ist - belegten als Reaktion auf die Tötung von Khashoggi 21 Vertreter des Königreichs mit Einreisesperren. Die mutmaßlich in die Tat verwickelten Verdächtigen sollen nach Angaben des US-Außenministeriums vom Dienstag kein Visum erhalten, bereits erteilte Visa werden entzogen.

"Diese Strafen werden nicht das letzte Wort der Vereinigten Staaten in dieser Angelegenheit sein", kündigte US-Außenminister Mike Pompeo an.

Denkbar seien auch Finanzsanktionen gegen Einzelpersonen. Für die US-Regierung sei es nicht hinnehmbar, dass ein Journalist durch Gewalt zum Schweigen gebracht werde, sagte Pompeo. Die Verdächtigen entstammen demnach den "Geheimdiensten, dem Königshof, dem Außenministerium und weiteren saudischen Ministerien".

Video: Saudi-Arabiens Rolle am Rüstungsmarkt

Ein Sprecher des saudischen Königshauses hatte am Samstag erklärt, Khashoggi sei am 2. Oktober im Istanbuler Konsulat seines Landes bei einer "Schlägerei" getötet worden. Diese Darstellung stieß allerdings weltweit auf Skepsis.

US-Präsident Donald Trump sprach am Dienstag von einer dilettantisch verschleierten Tötung. "Es war ein totales Fiasko". Schon der Tatplan sei "sehr schlecht" gewesen, sagte Trump im Weißen Haus. "Er wurde schlecht ausgeführt und die Vertuschungsaktion war eine der schlechtesten Vertuschungsaktionen in der Geschichte."

Trump sprach nach eigenen Angaben am Montag mit dem saudiarabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman und mit dem König. Der Kronprinz habe dabei bekräftigt, dass "er nichts damit zu tun hat" und dass eine "untere Ebene" verantwortlich sei, sagte der US-Präsident.

Die Außenminister der G-7-Staaten forderten Saudi-Arabien am Dienstag gemeinsam zu weiterer Aufklärung im Fall Khashoggi auf. Die bisher von Riad gebotenen Erklärungen ließen "noch viele Fragen unbeantwortet", hieß es in der Erklärung des deutschen Außenministers Heiko Maas (SPD) und seinen Kollegen aus Frankreich, Italien, Japan, Kanada, Großbritannien und den USA.

Saudi-Arabien müsse eine "glaubwürdige, transparente und zügige Untersuchung" ermöglichen und zulassen, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würden, forderten die Minister.

US-Vizepräsident Mike Pence kündigte an, seine Regierung werde weitere Antworten von Riad verlangen. Für die US-Regierung ist der Fall wegen der engen wirtschaftlichen Beziehungen zu Saudi-Arabien und dem gemeinsamen Vorgehen gegen den Iran überaus delikat.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete die Tötung Khashoggis als "politischen Mord", der von einem aus Saudi-Arabien entsandten Kommando Tage im Voraus "geplant" worden sei. Er vermied es aber, Saudi-Arabiens Führung dafür die Verantwortung zu geben. Von Riad verlangte er am Dienstag lediglich Aufklärung darüber, "wer den Befehl für das Verbrechen" gegeben habe und wo sich die Leiche Khashoggis befinde.