Ihr Kampf gegen die rigiden Integrationsgesetze des Landes haben vor allem in Norditalien viele Kritiker auf den Plan gerufen.

© APA/GIUSEPPE LAMI

Italien
08/14/2013

Facebook-Aufruf zum Mord an Integrationsministerin

Beleidigungen und Attacken gehören zu ihrem Alltag. Doch jetzt ist Ministerin Cecile Kyenge mit einer Morddrohung konfrontiert.

von Ulrike Botzenhart

Vittorio Milani, ein ehemaliger Aktivist der extrem rechten separatistischen Liste „Veneto Stato“ im norditalienischen Städtchen Treviso, rief auf Facebook zum Mord an Cecile Kyenge auf. Grund: Italiens Integrationsministerin habe behauptet, dass auch Ordensschwestern auf den Schleier verzichten müssen, wenn man auf die Abschaffung der Burka dränge. „Das ist absurd, jemand ermorde diese nutzlose Idiotin“, schrieb Milani auf seiner Facebook-Seite.

Er wurde von einer Lokalpolitikerin der Demokratischen Partei (PD), der auch Kyenge angehört, angezeigt. Die Polizei schaltete die Staatsanwaltschaft in Treviso ein. Entsprechend nervös rudert Milani zurück: „Ich habe mich übertrieben stark ausgedrückt, ich würde niemals einen Minister töten. Meine Worte sind Ausdruck der verbreiteten Wut wegen der politischen Linie der Ministerin.“

Vergleichsweise harmlos, wenngleich beleidigend, verlief kürzlich im Adria-Badeort Cervia eine Aktion: Kyenge wurde bei einem PD-Sommerfest mit Bananen beworfen.

Vor allem in Norditalien ist die 49-Jährige, die seit 30 Jahren in Italien lebt und als Augenärztin gearbeitet hat, ein gern attackiertes Feindbild. Das Ziel der zweifachen Mutter, allen in Italien geborenen Kinder die italienische Staatsbürgerschaft zu erteilen, sorgt für einen Aufstand. Wortführer auf der politischen Bühne ist die rechtspopulistische Lega Nord. Der für rassistische Äußerungen bekannte Senator Roberto Calderoli, Vizepräsident des Senats, verstieg sich gar dazu, die aus dem Kongo stammende Ministerin mit einem Orang-Utan zu vergleichen. Die Justiz ermittelte, Staatspräsident Napolitano schäumte vor Wut, Premier Letta forderte Calderolis Rücktritt. Der Senator entschuldigte sich – und blieb.

Das hat auch Kyenge vor: „Keine Sekunde“ habe sie an einen Rücktritt gedacht. Sie wusste um die Herausforderung schon bei ihrer Bestellung, die sie mit dem Satz kommentierte: „Das ist ein Entscheid, der Italien verändern wird.“ Zumindest können rassistische Angriffe nicht mehr leicht unter den Teppich gekehrt werden.

Den medienwirksamen Auftakt dazu lieferte heuer ein anderer: der deutsch-ghanaische AC-Milan-Spieler Kevin Prince Boateng. Als er in einem Testspiel mit Affengeräuschen von Fußballfans genervt wurde, knallte er den Ball ins Publikum und ging wütend vom Spielfeld ab.

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