Experten warnen vor Folgen des Iran-Kriegs: "Steuern auf globale Rezession zu"

Experten warnen vor einer globalen Rezession und Lebensmittelkrise infolge von Öllieferengpässen durch den US-israelischen Angriff auf den Iran.
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Der US-israelische Angriff auf den Iran könnte eine weltweite Rezession auslösen. Davor warnte die Expertin für internationale politische Ökonomie Gülsüm Akbulut am Montag bei einer Diskussion in der Diplomatischen Akademie in Wien.

Zeit sei nun von größter Bedeutung, so Akbulut, und warnte: "Die Straße von Hormus darf nicht länger als ein bis zwei Monate geschlossen bleiben." Die Ölpreise seien seit Jahresbeginn bereits um 40 Prozent gestiegen und hätten zuletzt rund 100 Dollar pro Fass erreicht. Länder, die auf Energieimporte angewiesen sind, müssten nun auf ihre strategischen Reserven zurückgreifen. China verfüge über Vorräte für etwa drei Monate, sagte die Expertin. Schwellenländer hingegen könnten einen Preisanstieg von 40 Prozent kaum verkraften.

Expertin: Könnte globale Lebensmittelkrise auslösen

Gewinner der Situation seien vor allem große Produzenten wie die USA und Russland, sagte Akbulut. Die Golfstaaten hingegen könnten ihre Energie aufgrund der blockierten Straße von Hormus nicht exportieren. Länder wie Irak oder Katar hätten ihre Produktion einstellen müssen, da ihnen Lagerkapazitäten fehlten.

Neben Energie sei die Golfregion auch ein wichtiger Produzent von Düngemitteln. Lieferengpässe könnten daher auch eine globale Lebensmittelkrise auslösen, warnte Akbulut.

Sohn Khameneis soll Kontinuität signalisieren

Auch der Journalist Arian Mehdi Hamidi-Faal sieht eine gefährliche Eskalation. Der Konflikt sei näher an Europa gerückt als viele glaubten. Gleichzeitig warnte er vor Falschmeldungen und Desinformation sowohl in staatlichen als auch sozialen Medien. Mit der Ernennung von Mojtaba Khamenei, dem Sohn des getöteten Obersten Führers Ayatollah Ali Khamenei, zu dessen Nachfolger wolle das Regime Kontinuität demonstrieren, sagte Faal: "Sie möchten zeigen, dass der renommierte Name Khamenei weitergeführt wird und die Islamische Revolution am Leben ist", so der Journalist.

Der ehemalige österreichische Botschafter Klaus Wölfer sieht die Welt angesichts der Iran-Krise an einer Weggabelung: "Wir befinden uns in einer Kriegssituation, in der die alten Regeln nicht mehr gelten." Trump würde einen "unverstellten und transparenten, aber nicht sonderlich ermutigenden Plan" verfolgen. Statt der alten, regelbasierten Weltordnung brauche es eine Neue.

Abnützungskrieg könnte bevorstehen

Moderator des Panels und Vorsitzender der österreichisch-iranischen parlamentarischen Freundschaftsgruppe, Werner Fasslabend, sagte, die USA und Israel hätten die Situation möglicherweise unterschätzt. Die Angriffe seien zwar militärisch erfolgreich gewesen, der erwartete politische Wandel sei jedoch ausgeblieben. "Eine Art Abnützungskrieg könnte die Folge sein", sagte der ehemalige Verteidigungsminister. In einem solchen Konflikt könnten nicht nur Iran, sondern sogar die USA an die Grenzen ihrer Raketenbestände stoßen.

Auch Hüseyin Bağcı, Professor für internationale Beziehungen an der Middle East Technical University in Ankara, rechnet mit einem lang anhaltenden Konflikt. Die USA hätten einen strategischen Fehler gemacht: Um den Iran zu dominieren, brauche es Bodentruppen, so der Experte. "Wir stehen an der Schwelle zu einer neuen internationalen Politik", sagte Bağcı. "Ich wünsche uns allen alles Gute für die Zukunft."

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