Politik | Ausland
20.05.2018

Erdogan: Eine Autobahn als Wahlzuckerl

Der türkische Präsident kommt zum Wahlkampf nach Bosnien. Im Vorfeld wurden Meldungen von einem Attentatsplan kolportiert.

Recep Tayyip Erdogan habe keine Angst, versichert der türkische Vizepremier Bekir Bozdag seinen Followern in einem langen Statement auf Twitter sehr nachdrücklich. Und deshalb komme der "Führer der Nation, Hüter der Gerechtigkeit" und - kurz gesagt - türkische Präsident trotz der angeblichen Gefahr zu seinem eigenen Wahlkampf-Auftritt nach Bosnien-Herzegowina.

Im Vorfeld dieses umstrittenen Besuchs, zu dem 10.000 Auslandstürken erwartet werden (bis zu 2.000 aus Österreich, wie der Kurier berichtet), kamen nämlich Gerüchte auf: Ein Attentat auf Erdogan sei geplant. Das berichteten türkische und russische Medien unter Berufung auf türkische Nachrichtendienste.

Die Warnung soll angeblich von der türkischen Community in Mazedonien gekommen sein, die die türkischen Behörden damit kontaktiert haben. Angeblich hätten auch westliche Geheimdienste Erdogan gewarnt, berichten diese Medien. Details wie ein Datum, ein Ort oder eine Methode bleiben ungenannt.

Bosnien weiß nichts davon

"Wir wissen, dass es manche stört, dass wir so einen starken Anführer haben und dass sie ihn loswerden wollen", sagte Bozdag. Erdogan sei schließlich ein Mann mit einer Mission, überhaupt ständig in Gefahr und werde dauernd bedroht. Doch ganz sicher sei er "kein Mann, der sich von Todesdrohungen von seinem Pfad abbringen lässt", lobpreiste Bozdag seinen Präsidenten. "Wer das noch nicht verstanden hat, ist ein Narr!"

Die bosnische Regierung weist die Spekulationen über angebliche Attentatspläne in Sarajevo zurück. Die Sicherheitslage sei normal. "Das Sicherheitsministerium hat keine entsprechenden Informationen", sagte Sicherheitsminister Dragan Mektic am Samstagabend.

Auftritt auch in Bosnien umstritten

Erdogan will sich nach der Umkrempelung des politischen Systems der Türkei zu seinen Gunsten im Juni in eine zweite Amtszeit als Präsident wählen lassen. Kritiker werfen ihm eine zunehmend autoritäre Staatsführung vor. Diverse westeuropäische Staaten hatten ihm nach diversen Konflikten in den vergangenen Jahren Wahlkampfauftritte für diese Zwecke untersagt.

Der Wahlkampfauftritt in Sarajevo hat zu heftigem Streit in Bosnien-Herzegowina geführt. Er habe von der einzigen Wahlveranstaltung Erdogans im europäischen Ausland nur aus den Medien erfahren, sagte das kroatische Mitglied im dreiköpfigen Staatspräsidium, Dragan Covic. Der Besuch füge dem in die EU strebenden kleinen Balkanland großen strategischen Schaden zu.

Erdogan baut Autobahn

Die Türkei organisierte den geplanten Auftritt Erdogans über das muslimische Mitglied im bosnischen Staatspräsidium, Bakir Izetbegovic, der sich als enger Freund des türkischen Präsidenten bezeichnet. Eine Freundschaft, die sich auszahlen kann: Am Sonntag wurde bekannt, dass Erdogan eine Autobahn zwischen Sarajevo und Belgrad durch die Türkei finanzieren lassen will. Für diese Verbindung zwischen Bosnien-Herzegowina und Serbien, der schon seit längerem geplant ist, sei am Sonntag eine Absichtserklärung unterschrieben worden, sagte Izetbegovic.

Der zweitwichtigste bosnische Muslimführer Fahrudin Radoncic kritisierte den Auftritt im TV-Sender N1. Erdogan gehe es um "eine Demonstration für Westeuropa". Denn "Herr Erdogan hat nicht so viele Wähler in Sarajevo, dass das für ihn interessant wäre", sagte Radoncic.