Politik | Ausland
08.05.2018

Erdogan kritisiert französischen Aufruf zur Änderung des Koran

Der türkische Präsident sprach sich entschieden gegen einen Appell zur Änderung des Koran aus.

"Wer seid ihr, unsere heiligen Schriften anzugreifen?", rief Erdogan am Dienstag bei einer Rede vor seiner Parlamentsfraktion in Ankara mit Blick auf die 300 Unterzeichner des Manifests.

Der Text, der am 22. April in der französischen Zeitung "Le Parisien" veröffentlicht worden war, ruft zur Streichung von Koran-Versen auf. In dem Manifest, das seit seiner Veröffentlichung in Frankreich für eine heftige Kontroverse sorgt, kritisieren die Unterzeichner "einen neuen Antisemitismus" in Frankreich und fordern, dass "die Verse des Koran, die zum Mord und zur Bestrafung von Juden, Christen und Ungläubigen aufrufen, von den theologischen Autoritäten für ungültig erklärt werden". Die Muslime betrachten den Koran in seiner Gesamtheit als Wort Gottes.

Sarkozy gehört zu Unterzeichnern

"Haben sie jemals ihre eigenen Schriften gelesen? Die Bibel oder die Torah?", fragte Erdogan nun. "Wenn sie sie gelesen hätten, würden sie wahrscheinlich das Neue Testament verbieten wollen." In einer zweiten Rede warf Erdogan den Unterzeichnern vor, "nicht anders" als die Anhänger der Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) zu sein. Regierungssprecher Bekir Bozdag hatte die Unterzeichner zuvor als "Barbaren" bezeichnet.

Auch Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu sagte, "nicht der Heilige Koran, sondern ihr seid es, die zurückgeblieben seid". Zu den Unterzeichnern gehören der frühere Staatspräsident Nicolas Sarkozy, drei ehemalige Ministerpräsidenten und zahlreiche Künstler, Intellektuelle und Geistliche. Während der Text in vielen muslimischen Ländern kritisiert wurde, war er in der Türkei bis zum Wochenende weitgehend unbemerkt geblieben.