Politik | Ausland
28.03.2017

Erdogan-Gefährte trat in Vorarlberg auf

Politiker Şevki Yılmaz sprach als Gastredner bei einer Gedenkveranstaltung für die Weltkriegs-Schlacht von Gallipoli. Werbung für Erdogans Abstimmung inklusive.

Die Schlacht von Gallipoli im Jahr 1915 spielt im nationalen Gedächtnis der Türken noch heute eine bedeutente Rolle. In Meiningen im Bezirk Feldkirch lud die "Anatolische Kultur- und Freitplattform" (AK-Plattform) daher am vergangenen Sonntagabend zu einer Gedenkveranstaltung.

Erster Weltkrieg: Schlacht von Gallipoli

Zur Erklärung: Die Entente-Mächte hatten am 25. April 1915 eine Offensive begonnen, um die Gallipoli-Halbinsel an der Meerenge der Dardanellen zu erobern, um von dort nach Istanbul vorzustoßen. Die osmanischen Truppen schlugen den Vorstoß aber nach erbitterten Kämpfen mithilfe ihrer deutschen Verbündeten zurück. Auf beiden Seiten starben in dem neunmonatigen Konflikt mehrere hunderttausend Soldaten, darunter rund 8700 Australier und 2800 Neuseeländer. Für die Türken war es die einzige siegreiche Schlacht im Ersten Weltkrieg.

In Australien, Neuseeland und vor allem in der Türkei spielt die Schlacht bis heute eine wichtige Rolle für die nationale Identität.

Gastredner mit Islamismus-Bezug

Doch nicht nur der Geschichte wurde gedacht, auch die gegenwärtige Politik war Thema. Als Gastredner war Şevki Yılmaz geladen, berichtet vol.at. Yilmaz ist Islamgelehrter, früherer türkischer Parlamentsabgeordneter und Weggefährte des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Die beiden waren gemeinsam bei der Wohlfahrtspartei, die 1997 wegen anti-laizistischer und faschistischer Ziele verboten wurde. Die heutige AKP gilt als eine Art Nachfolgepartei der Wohlfahrtspartei.

Laut vol.at sprach Yılmaz auch das Verfassungsreferendum über das Präsidialsystem in der Türkei an, für das er wirbt. Yılmaz habe auch starke Verbindungen nach Österreich, da er in den 1980er Jahren Österreich-Verantwortlicher der Millî Görüş war, heißt es weiter.

Die Bewegung Millî Görüş ("Nationale Sicht") geht auf den 2011 verstorbenen türkischen Politiker Necmettin Erbakan zurück und ist eine aktive islamistische Bewegung in mehreren Ländern. Sie setzt sich aus mehreren selbstständigen Vereinigungen zusammen, die unabhängig voneinander agieren, aber durch die gemeinsame Ideologie verbunden sind. Sie wird etwa in Deutschland vom Verfassungsschutz beobachtet und setzt sich für die Errichtung einer "gerechten Ordnung" ein, die sich ausschließlich an islamischen Grundsätzen orientiert.

Die weltweite türkisch-nationalistische Bewegung hatte sich im Mitte März etwa in der österreichischen Kopftuchdebatte zu Wort gemeldet. "Muslime sind darin frei, selbst festlegen zu dürfen, was sie für ihre Glaubensausübung als verpflichtend erachten und was nicht", meinte Vorsitzender Kemal Ergün in einer Aussendung am 10. März. Er forderte von österreichischen Politikern, sich aus der Debatte herauszuhalten. In Österreich soll der ehemalige IGGiÖ-Präsident, Fuat Sanac, dem Verein nahe stehen.

Polizei war nicht informiert

Laut vol.at war die Polizei nicht über den Auftritt informiert worden. Es habe sich aber um eine private Veranstaltung gehandelt und falle nicht in die Verantwortung der Exekutive.

Über Wahlwerbung türkischer Politiker im Zuge des türkischen Verfassungsreferendums im April wird in Österreich, Deutschland und anderen europäischen Ländern heftig diskutiert. Hierzulande ist solche allerdings nicht verboten.