"Bist herzlich willkommen": Auch Eva Dichand schrieb mit Epstein
"If y want to join us yr also very welcome" – "wenn du dazustoßen möchtest, bist du auch herzlich willkommen."
So steht es in einer E-Mail der mehr als drei Millionen veröffentlichten Akten um den verurteilten US-Sexualstraftäter und 2019 im Gefängnis verstorbenen Jeffrey Epstein. Geschickt wurde die Nachricht an Epstein, Absender ist "Dr. Eva Dichand, Herausgeberin". Die E-Mail-Adresse ist geschwärzt, doch die Signatur eindeutig erkennbar: "Heute - Kein Morgen ohne Heute. AHVV Verlags GmbH Heiligenstädter Lände 29/Top 6, 1190 Wien".
16 Ergebnisse liefert der Name Dichand in der Suchmaschine der Akten auf der Seite des US-Justizministeriums.
Screenshot aus den veröffentlichten Epstein-Akten.
Besagte Einladung von Eva Dichand, Heute-Herausgeberin und ehemalige Miteigentümerin des Gratisblattes, soll im Oktober 2012 per E-Mail verschickt worden sein. Jahre, nachdem Epstein 2008 als Sexualstraftäter verurteilt worden war.
Urlaub in der Karibik
In der E-Mail schreibt Dichand von einem Urlaub auf Mustique, einer Insel der Grenadinen im Karibischen Meer: "Wir haben Brian Adams' Haus (Aussichtspunkt) Wunderschön!" Laut E-Mail-Korrespondenz hat zuvor Epstein zu einem Kurzbesuch auf seiner Insel, "Little Saint James", in der Karibik eingeladen.
Dichand ist einer von unzähligen Namen hochrangiger Persönlichkeiten, die in den Akten aufscheinen – Andrew Mountbatten-Windsor, Bill Clinton, Bill Gates, Donald Trump, Steve Bannon. Epstein besaß bekanntermaßen einen gefälschten österreichischen Pass, überlegte, eine Immobilie in Österreich zu kaufen, zeigte Interesse an Ex-Kanzler Sebastian Kurz und dem ehemaligen FPÖ-Chef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache. Kurz' Name fällt in E-Mail-Verkehr zwischen Epstein und dem einstigen Trump-Berater Bannon, Strache kommt in einem geteilten Medienbreifing vor. Laut Kurz hat es weder ein Treffen mit Bannon noch Kontakt zu Epstein gegeben.
Epstein verkehrte laut Akten mit dem früheren Präsidenten des auch in Wien ansässigen International Peace Institute (IPI), Terje Rød-Larsen, und zwei österreichischen Mathematikern. Und hatte offenbar eben auch Kontakt mit der Verlegerin Dichand.
Dokumentiert ist auch eine E-Mail ein dreiviertel Jahr später, vom Juli 2013, die von Dichand an Boris Nikolić gesendet wurde. Nikolić war Chefberater der Gates-Stiftung und wurde von Epstein zum Testamentsvollstrecker seines Nachlasses ernannt. In der Mail fragt Dichand nach "Larry epsteins mail". Daraufhin schreibt Nikolić an Epstein und an Dichand: "Ich glaube, ihr habt in der Vergangenheit E-Mails ausgetauscht – kurz nachdem Jeffrey und ich dich in Paris besucht haben – aber nur, um wieder in Kontakt zu treten. Ihr beide seid oft in Paris – und es wäre sicher ein Spaß sich wiederzusehen."
Von Nikolić gibt es noch eine E-Mail an "Eva und Jeffrey", auch vom Oktober 2012: "Something is telling me that you would enjoy a company" – "etwas sagt mir, dass ihr euch verstehen würdet".
Das besagte Treffen in Paris ist Inhalt einer E-Mail von Dezember 2012: "Hi! Will y be in Paris before christmas again? XX eva" – "Hi! Wirst du nochmal in Paris sein vor Weihnachten?" XX, eine Abkürzung für "Küsse". Epstein antwortet: "Unlikely, will be in the caribean for the rest of year, you are welcome to come visit" – "unwahrscheinlich, ich werde in der Karibik sein für den Rest des Jahres, du kannst mich gerne besuchen".
Screenshot aus den veröffentlichten Epstein-Akten.
Einladung zum Lifeball
Bereits im November 2025 war der Name Dichand in den vom US-Justizministerium veröffentlichten E-Mails vorgekommen: Im Mai 2012 ist vom 20. Lifeball die Rede, an dem auch der frühere US-Präsident Bill Clinton, der ebenfalls in den Epstein-Akten vorkommt, teilnahm. Von Dichands E-Mail-Account ging damals eine Einladung an Nikolić: "Wir möchten euch alle zum Abendessen einladen und werden einen schönen Ort mit einer coolen Bar organisieren. Bitte lasst mich wissen, wer mitmachen möchte!!" Für den nächsten Tag verspricht Dichand: "Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir tot sein werden :-) ABER wir möchten Sie zu uns nach Hause/in unseren Garten/an unseren Pool (Badekleidung) zum Brunch ab 11 Uhr einladen."
Nikolić leitete die Nachricht weiter an Epstein: "Eva ist meine Freundin dort, die uns beherbergen wird. Sie ist auch eine sehr enge Freundin von Mette. Eva und ich versuchen immer noch, Mette in letzter Minute dazu zu bewegen, mitzukommen. Ihr und ihrer Familie gehören etwa 80 % der österreichischen Medien (Heute usw.)." Die Angabe war leicht übertrieben. Mit Mette dürfte Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit gemeint sein.
Der Standard zitierte Dichand im November 2025: Sie habe nichts von der Weiterleitung ihres "privaten Mails" wusste. Nikolić kenne sie vom World Economic Forum. Er habe sie damals kontaktiert, aber seit mehr als zehn Jahren habe sie nichts mehr von ihm gehört. Von Epstein habe erst nach dem "Skandal" etwas gehört, ein Treffen in Wien habe es jedenfalls nicht gegeben. Der Standard zitiert auch das Profil, dem zufolge die Veranstalter des Lifeballs sagten, dass Epstein nicht daran teilgenommen habe.
Zu den neuen E-Mails heißt es von Dichands Anwalt: "Meine Mandantin kann sich an diese Korrespondenz beim besten Willen nicht erinnern. Ihre Erklärung dafür ist, dass sie offenbar Herrn Epstein vor etwa 15 Jahren anlässlich einer Kunstmesse oberflächlich kennengelernt und daraus die Ihnen vorliegende, ohnehin nur flüchtige E-Mail-Korrespondenz resultierte. Mehr hat sich daraus nicht ergeben; insbesondere war meine Mandantin niemals auf Besuch bei Herrn Epstein oder umgekehrt. Die Vorwürfe gegen Herrn Epstein und dessen Verteilung hat meine Mandantin erst Jahre später durch Medienberichte erfahren. Im Übrigen hat sie diesbzgl. lediglich Zeitungswissen."
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