Kurz, Strache und Co.: Welche Rolle Österreich in den Epstein-Akten spielt
Eine enge Freundschaft gab es auch mit Steve Bannon, einst Wahlkampfstratege von Trump.
Von Timo Buchhaus
1011 Ergebnisse bekommt man, wenn man in den Epstein-Akten das Wort „Austria“ in die Suchleiste eingibt; 1700 sind es für „Vienna“. Auch Österreich spielt in der Affäre rund um den verurteilten Sexualstraftäter, Investmentbanker und bis in die höchsten Kreise der Politik verwickelten Jeffrey Epstein eine Rolle.
Besonders die Involvierung Epsteins beim International Peace Institute (IPI), das auch in Wien eine Niederlassung hat, erhielt viel Aufmerksamkeit. Die am Freitag vom US-Justizministerium veröffentlichten Akten zeigen, dass Epstein im Austausch mit der Wiener Zweigstelle stand. Dies geschah hauptsächlich über die Korrespondenz mit dem ehemaligen IPI-Präsidenten Terje Rød-Larsen, der aufgrund seiner Nähe zu Epstein 2020 zurücktreten musste.
Epstein und der Wiener Think Tank
Die beiden Männer schrieben einerseits über Teilnehmerlisten auf hochrangigen IPI-Veranstaltungen, andererseits über Frauen. In den Akten befindet sich eine eMail eines IPI-Mitarbeiters an Terje Rød-Larsen, in der es um eine Gehaltserhöhung einer Mitarbeiterin geht, mit der Epstein offenbar in Kontakt stand. Die Mail endet mit den Worten: „Ich frage mich, ob es okay wäre, wenn ich mit ihr Sex habe – sie ist sooo sexy.“ Aus dem E-Mail-Verkehr mit Rød-Larsen geht auch hervor, dass dieser Epstein wohl dabei helfen wollte, eine Immobilie in Wien zu erwerben.
Auch die Central European University (CEU), die 1991 vom ungarisch-amerikanischen Philanthropen George Soros gegründet, aus Budapest gedrängt wurde und seit 2019 in Wien ansässig ist, ist Inhalt der Akten. Rød-Larsen schlägt in einer eMail an den damaligen Uni-Direktor eine Zusammenarbeit zwischen der CEU und dem IPI vor. Auch von Geldsummen in der Höhe von 150 Millionen Dollar ist in eMails zwischen Epstein und Rød-Larsen einem die Rede.
Interesse an Sebastian Kurz
Auch der Name Kurz fällt immer wieder, mitunter falsch geschrieben („Kurtz“). So scheint Epstein die österreichische Politik durchaus mit Interesse verfolgt zu haben. Besonders 2019, also dem Jahr der österreichischen Nationalratswahl, in dem Sebastian Kurz zum zweiten Mal ÖVP-Bundeskanzler wurde, findet sein Name immer wieder Erwähnung. Nicht zuletzt, weil Epstein versuchte, ein Treffen zwischen dem ehemaligen Trump-Berater Steve Bannon und Sebastian Kurz zu vermitteln. Laut Kurz hat es weder ein Treffen mit Bannon noch Kontakt zu Epstein gegeben.
Bannon, der damals europaweit rechte Parteien unterstützte, hatte Kurz zuvor offenbar noch eher kritisch betrachtet. Er und Epstein tauschten sich im Mai 2017 über den Ibiza-Skandal aus. Den Rücktritt von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache nennt Bannon im Chatverlauf mit Epstein ein „großes Problem“. Woraufhin Epstein über eine Involvierung der Russen in den Skandal mutmaßt: „Die Russen sind gut in dem, was sie seit Jahren tun.“ Bannon antwortet darauf: „Der Kerl war solide – das wird Kurz nur noch stärker machen.“
Kontakt zu Wissenschaftern
Abgesehen von gelegentlichen Erwähnungen in Nachrichten-Briefings, die Epstein sich regelmäßig per eMail zukommen ließ, fand Strache aber nur wenig Erwähnung.
Zuletzt wurde auch spekuliert, wen Epstein bei seinem Wien-Besuch im März 2019, also wenige Monate vor seinem Tod, getroffen haben könnte. Auch darüber gaben die Akten nun Aufschluss: Er traf sich wohl mit einem renommierten, österreichischen Mathematikprofessor im Café Landtmann. Epstein suchte gern den Austausch mit Wissenschaftern. Durch Großspenden sicherte er sich auch trotz seiner ersten Verurteilung 2007 wegen Prostitution Minderjähriger Zugang zu elitären Kreisen der Wissenschaft. Er besaß die Schlüsselkarte eines weiteren österreichischen Biomathematikers und Harvard-Institutsleiters, mit der er sich bis 2018 frei durch das amerikanische Institut, Berichten zufolge meistens in der Gesellschaft junger Frauen, bewegen konnte.
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