Politik | Ausland
20.11.2017

Ein Land auf dem Vormarsch

Teheran knüpft Bande nach Russland und zur EU – trotz harscher Töne aus den USA.

Der Iran macht zusehends seine im Zuge der Nahost-Turbulenzen gefestigte Rolle als Regionalmacht geltend. Während die USA das Atomabkommen mit dem Iran aussetzen wollen, ging es bei am Montag begonnenen, auf zwei Tage anberaumten Gesprächen zwischen Irans Vize-Außenminister Abbas Araqchi und der Generalsekretärin des Europäischen Auswärtigen Dienstes, Helga Schmid, um die Implementierung eben dieses Abkommens. Besprochen wurden Menschenrechte, bilateraler Handel, Umwelt, Energie.

Am Mittwoch dürfte der Iran daran arbeiten, seine Vormachtstellung in Syrien zu festigen – Russlands Präsident Wladimir Putin lädt seine Amtskollegen aus der Türkei und dem Iran zu einem Gipfeltreffen in Sotschi ein. Vor allem die von den drei Ländern geschaffenen "Sicherheitszonen" in der syrischen Provinz Idlib sollen besprochen werden, jedoch auch das weitere Vorgehen im Konflikt. Seit die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) alle strategisch wichtigen Gebiete verloren hat, widmen sich die Regierungstruppen des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad verstärkt dem Kampf gegen die Rebellen. Und das mit Teherans massiver Unterstützung.

Enttäuscht vom Westen

Auch im Irak hat der Iran sowohl eine militärische, als auch wirtschaftliche Führungsrolle eingenommen, im Libanon hat er sie schon lange inne. Hinzu kommt die Enttäuschung der Iraner durch den Westen nach dem Atom-Deal 2015: Die meisten westlichen Unternehmen sind nach wie vor zögerlich, verstärkt in den Iran zu investieren. Zu unberechenbar ist der künftige Kurs der USA – mit dem verschärften Ton des US-Präsidenten Donald Trump dürften die Bedenken der Wirtschaft zugenommen haben. Der von der Bevölkerung erhoffte wirtschaftliche Aufschwung blieb damit allerdings aus – und der Iran orientierte sich einmal mehr in Richtung Osten nach China. In den ersten drei Quartalen 2017 exportierte das Land um 27,5 Prozent mehr an Gütern ins Reich der Mitte, als im Vorjahr. Dies ist insofern bemerkenswert, als dass China seit jeher der größte Öl-Kunde des Iran ist.

Mit 9,3 Prozent an Erdölvorkommen besitzt der Iran die viertgrößten Reserven der Welt, in puncto Erdgas gar die größten.