U.S. President Barack Obama addresses reporters during a news conference at the White House in Washington, August 9, 2013. Obama sought on Friday to boost Americans' confidence in sweeping government spying programs revealed by a series of leaks, saying he would work with the U.S. Congress to reform key parts of the anti-terror Patriot Act. REUTERS/Jonathan Ernst (UNITED STATES - Tags: POLITICS)

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USA-Russland
08/10/2013

Ein Hauch vom Kalten Krieg

US-Präsident Obama beleidigt seinen russischen Amtskollegen Putin vor Journalistenschar.

von Ulrike Botzenhart

Damit ärgert er den russischen Präsidenten mehr als mit jeder politischen Attacke: US-Präsident Barack Obama verglich Wladimir Putin mit einem lümmelnden Schulbuben in der letzten Bank.

Wörtlich sagte Obama vor der versammelten internationalen Presse in Washington Freitagabend: „Ich habe persönlich kein schlechtes Verhältnis zu Putin. Unsere Gespräche sind offen und unverblümt, oft sind sie konstruktiv.“ Und dann streut er, als ob es ihm gerade eingefallen wäre, ein: „Ich weiß, dass die Presse sich gern auf die Körpersprache konzentriert – und er hat diese lässige Haltung, wie das gelangweilte Schulkind in der letzten Bank.“ Schallendes Gelächter der Reporter – die gezielte Demütigung des Gegners sitzt.

Obama konstatierte eine verstärkte amerikafeindliche Rhetorik seit Putins Rückkehr ins Präsidentenamt – was Moskau zurückwies – und zog den Schluss, das Verhältnis zu Russland zu überdenken: „Wo wir können, werden wir weiter mit ihnen zusammenarbeiten. Wo wir Differenzen haben, werden wir das klar sagen.“

Bereits Obamas Absage des geplanten Treffens mit Putin vor dem G-20-Gipfel in St. Petersburg im September war ein Schlag ins Gesicht Putins. Und in der Tonight Show beim beliebten US-Talkmaster Jay Leno schimpfte Obama über die gelegentliche „Denkweise und Mentalität des Kalten Krieges“ des Kreml.

Der US-Präsident reagierte damit nicht nur auf die Asylgewährung für den NSA-Geheimnisverräter Edward Snowden, dem die USA den Prozess machen wollen – nachdem klar ist, was er wem verraten hat. Auch in der Frage Syriens, des Iran sowie im Nahost-Konflikt gibt es zwischen Putin und Obama wohl kaum eine Chance auf eine gemeinsame Linie. Entsprechend langwierig und schwierig gestalten sich auch die Gespräche zwischen den Außen- und Verteidigungsministern, die doch noch eine Syrien-Konferenz zustande bringen wollen.