Politik | Ausland
15.01.2018

Doppel-Selbstmordanschlag in Bagdad: Mindestens 27 Tote

Zwei Explosionen in der irakischen Hauptstadt.

Bei einem Doppelanschlag im Zentrum der irakischen Hauptstadt Bagdad haben zwei Selbstmordattentäter mindestens 27 Menschen mit in den Tod gerissen. Die irakischen Gesundheitsbehörden meldeten am Montag zudem mindestens 80 Verletzte. Der Arzt Abdel Ghani al-Saadi sprach von 90 Verletzten. Da viele von ihnen schwer verletzt seien, könne die Zahl der Todesopfer noch weiter steigen, hieß es.

Ein Sprecher des Innenministeriums erklärte, die Selbstmordattentäter hätten sich in der Früh auf dem Al-Tajjaran im Zentrum von Bagdad in die Luft gesprengt. Dafür hätten sie Sprengstoffwesten benutzt. Augenzeugen berichteten, die Bomben seien in der Nähe einer Gruppe von Bauarbeitern gezündet worden.

Der Platz ist ein geschäftiger Ort in der Hauptstadt. Dort versammeln sich morgens Tagelöhner, die auf Arbeit warten. Bei den meisten Todesopfern soll es sich den Angaben zufolge um Tagelöhner handeln. Der Al-Tajjaran-Platz ist in der Vergangenheit schon wiederholt Ziel von Anschlägen gewesen.

Zunächst übernahm niemand die Verantwortung für den Doppelanschlag. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatte sich in der Vergangenheit vielfach zu Attentaten im Irak bekannt. Die meisten derartigen Anschläge im Irak gehen jedoch auf das Konto der Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS).

Vor allem in Bagdad kommt es immer wieder zu Anschlägen. Die sunnitischen Extremisten nehmen dabei vor allem Schiiten ins Visier. Sie wollen damit die Spannungen zwischen den beiden großen islamischen Konfessionen im Land weiter erhöhen.

Im Sommer 2016 waren in Bagdad beim bisher verheerendsten Anschlag der Jihadisten mehr als 280 Menschen getötet worden, als eine Autobombe vor einem Einkaufszentrum explodierte. Im November desselben Jahren riss ein Selbstmordattentäter südlich der Hauptstadt mehr als 70 Menschen mit in den Tod, als er an einer Tankstelle einen mit Sprengstoff beladenen Laster zur Explosion brachte.

Die Extremisten hatten im vergangenen Jahr ihr früheres Herrschaftsgebiet im Irak und auch im Nachbarland Syrien fast vollständig verloren. Die irakische Regierung hatte im Dezember das "Ende des Krieges" gegen den IS verkündet. Die irakische Armee konnte unter anderem die ehemalige IS-Hochburg Mosul (Mossul) im Norden des Landes einnehmen.

Trotz der militärischen Niederlage ist der IS noch nicht zerschlagen. Viele Extremisten sind in den großen Wüstengebieten im Westen des Iraks untergetaucht. Beobachter gehen davon aus, dass sie wie schon früher verstärkt auf Guerillaaktionen und Attentate setzen.