US-Ministerin wegen Epstein-Akten abgesetzt: Welche Frau feuert Trump als nächstes?
Pam Bondis Zeit als US-Justizministerin endete nicht völlig überraschend, aber doch abrupt. Nach nur 14 Monaten im Amt wurde sie von Präsident Donald Trump abberufen. Ihr Stellvertreter Todd Blanche übernimmt vorerst die Leitung des Ministeriums.
Öffentlich verabschiedete Trump sie mit wohlwollenden Worten: Bondi sei eine "wundervolle Person". Man schätze sie sehr, und sie werde bald eine "wichtige Rolle im Privatsektor" übernehmen.
Hinter diesen blumigen Formulierungen zeichnet sich allerdings ein deutlich nüchterneres Bild ab. Bereits seit Wochen kursierten Berichte, wonach Trump mit Bondis Arbeit zunehmend unzufrieden war. Die New York Times schrieb unter Berufung auf mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen, der Präsident habe zuletzt offen über ihre Ablösung gesprochen.
Die Epstein-Affäre als Wendepunkt
Im Zentrum der Kritik stand Bondis Umgang mit den Ermittlungsakten im Fall Jeffrey Epstein. Der Fall, der seit Jahren politische und gesellschaftliche Sprengkraft besitzt, gewann durch die Veröffentlichung neuer Dokumente erneut an Dynamik. Für deren Aufarbeitung war das Justizministerium zuständig - und damit unmittelbar Bondi.
Die Veröffentlichung entwickelte sich rasch zum politischen Problem. Kritiker warfen der Regierung vor, zentrale Informationen zurückzuhalten. Besonders die zahlreichen geschwärzten Passagen sorgten für Unmut. Zudem verstrickte sich Bondi in Widersprüche, etwa hinsichtlich der Existenz einer sogenannten Epstein-Kundenliste.
Als sie im Februar vor dem Kongress aussagte, verschärfte sich die Situation weiter. Auf die Aufforderung, sich bei den Opfern zu entschuldigen, reagierte sie abweisend.
"Ich steige nicht in die Gosse“, erklärte sie.
Den betroffenen Frauen, die im Saal hinter ihr aufgestanden waren, schenkte sie keine Beachtung.
Schon im August 2025 war im Umfeld des Präsidenten laut KURIER-Informationen häufig folgender Satz zu hören:
"Wenn Donald Trump Epstein hinter sich lassen will, muss er auch seine Justizministerin hinter sich lassen.“
Erwartungen aus dem Weißen Haus
Der Konflikt um Epstein war jedoch nur ein Teil eines weitreichenderen Problems.
Trump hatte wiederholt deutlich gemacht, welche Rolle er dem Justizministerium zuschreibt. Es solle nicht nur klassische Strafverfolgung betreiben, sondern auch aktiv gegen jene vorgehen, die er als politische Gegner betrachtet. Dazu forderte er Bondi unter anderem im September 2025 öffentlich auf.
Bondi folgte der politischen Linie des Präsidenten konsequent. Unter ihrer Führung wurden Ermittlungen gegen prominente Kritiker eingeleitet, darunter der frühere CIA-Direktor John Brennan, Ex-Sicherheitsberater John Bolton oder Senator Adam Schiff.
Gleichzeitig ging sie auch innerhalb des Justizministeriums gegen Mitarbeiter vor, die als Trump-kritisch galten - darunter Beamte, die an Verfahren gegen Beteiligte des Kapitolsturms mitgewirkt hatten.
Diese Maßnahmen entsprachen grundsätzlich den Erwartungen aus dem Weißen Haus. Dennoch reichte das offenbar nicht aus. Berichten zufolge blieb Bondi hinter den Anforderungen des Präsidenten zurück, vor allem wenn es darum ging, politische Konflikte rasch zu entschärfen und ihn selbst aus der Schusslinie zu halten.
2013: Die Trump-Stiftung spendet 25.000 Dollar für Bondis Wiederwahlkampf als Generalstaatsanwältin von Florida.
2016: Bondi unterstützt Trump im Präsidentschaftswahlkampf und tritt beim Parteitag der Republikaner als Rednerin auf.
2019/2020: Die aus Tampa stammende Juristin gehört zum Verteidigerteam Trumps im ersten Amtsenthebungsverfahren.
2025: Nach dem Rückzug von Matt Gaetz nominiert Trump Bondi als Justizministerin.
Ein Kabinett in Bewegung
Bondi ist bereits die zweite Ministerin, die innerhalb kurzer Zeit ihren Posten verliert. Zuvor musste Heimatschutzministerin Kristi Noem ihr Amt abgeben. In Washington wächst daher die Erwartung, dass weitere personelle Veränderungen folgen könnten.
Als mögliche Kandidaten werden unter anderem Geheimdienstchefin Tulsi Gabbard, Regierungssprecherin Karoline Leavitt oder Arbeitsministerin Lori Chavez-DeRemer genannt.
Der konservative Trump-Kritiker Bill Kristol bemerkte in diesem Zusammenhang, es sei auffällig, dass zuletzt vor allem Frauen ihre Positionen verloren hätten. Das Magazin Atlantic berichtet unter Berufung auf Insider, dass die personellen Umbrüche noch nicht abgeschlossen sein könnten. Auch hochrangige Männer wie FBI-Chef Kash Patel stehen wohl zur Disposition.
Wenn sich für die kolportierten Wackelkandidatinnen und -kandidaten aus Bondis Abgang eine Lehre ziehen lässt, dann wohl diese: Politische Loyalität bleibt im Trump-System eine zentrale Voraussetzung für den Aufstieg. Sie bietet jedoch keine Garantie für Stabilität.
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