Trumps Schwiegersohn und Chefverhandler: Die Milliardengeschäfte des Jared Kushner
Man hatte ihn ja schon fast vergessen, dabei ist er heute wieder allgegenwärtig. Aus Donald Trumps zweiter Amtszeit hatte sich dessen Schwiegersohn Jared Kushner zunächst bewusst herausgehalten – er wolle sich vollends auf seine unternehmerischen Tätigkeiten fokussieren, hieß es damals.
Neun Monate hatte er sich daran gehalten, dann entschied der Schwiegervater, sein Nahost-Beauftragter und Milliardärsfreund Steve Wittkoff brauche Unterstützung dabei, Israel und die Hamas von einem Geiseldeal zu überzeugen. Ob aus freien Stücken oder nicht: Kushner kehrte auf die internationale Bühne zurück – und vertritt Trump seither, ohne Regierungsposten, im Tandem mit Wittkoff bei fast jeder bedeutenden Verhandlung.
Iran-Gespräche in Genf
Auch am Dienstag stand das Duo einer US-Delegation vor. Am Genfer See fanden sowohl Verhandlungen mit russischen und ukrainischen Vertretern als auch direkte Gespräche mit der iranischen Regierung statt. Die USA fordern ein Ende des iranischen Atomprogramms, damit das Regime in Teheran niemals in den Besitz einer eigenen Atombombe kommt. Der Iran erklärte sich dazu vorab bereit – aber nur, wenn die USA im Gegenzug ihre harten Wirtschaftssanktionen aufheben.
Grundsätzlich sind die Voraussetzungen für eine Einigung schlecht, weil sich beide Regierungen verabscheuen. Erst im Vorjahr hatte das US-Militär Atomanlagen im Iran bombardiert. Der iranische Außenminister Abbas Araqchi formuliert das so: „Wir verhandeln unter Bedingungen völliger Skepsis und des Misstrauens“.
Allerdings steht der Iran gerade unter Druck wie selten zuvor. Anfang Jänner kam es zu landesweiten Massenprotesten gegen das Regime, Berichten zufolge sollen die staatlichen Sicherheitskräfte dabei bis zu 30.000 Zivilisten getötet haben. Als Reaktion darauf parkten die USA ihren Flugzeugträger „USS Abraham Lincoln“ vor der iranischen Küste. Ein zweiter, die „USS Gerald R. Ford“, ist seit Samstag auf dem Weg dorthin.
Und so schien bei den Gesprächen am Dienstag plötzlich doch eine Annäherung möglich zu sein. Araqchi sprach vorab von „gemeinsamen Interessen in den Bereichen Öl und Gas“, selbst über US-Investitionen in den iranischen Bergbau oder den Kauf von US-Flugzeugen könne man sprechen. Das wäre historisch.
Milliardengeschäfte mit Saudi-Arabien
Es riecht danach, als stünde Jared Kushner kurz davor, den nächsten großen Deal an Land zu ziehen. Der 45-Jährige verbrachte als Geschäftsmann zuletzt Jahre damit, über Kontakte zu einflussreichen Persönlichkeiten im Nahen Osten Geld zu verdienen. „Ich setzte Jared dort ein, weil er ein schlauer Kerl ist und die Region kennt“, lobte Schwiegervater Trump im Oktober. „Er kennt die wichtigen Player.“
Jared Kushner (rechts) traf im Jänner im Moskauer Kreml auf Wladimir Putin.
Dabei haben Kushners Geschäfte angesichts seiner vorangegangenen Tätigkeiten einen gewissen Beigeschmack. 2020, nur sechs Monate nach Trumps erster Präsidentschaft, erhielt er für die Gründung seiner Investmentfirma Affinity Partners zwei Milliarden Dollar vom Staatsfonds Saudi-Arabiens, um einen „Investment-Korridor“ nach Israel aufzubauen.
Wie die New York Times damals berichteten, soll der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman persönlich interveniert haben, damit Kushner das Geld erhält. Bis 2024 tätigte Affinity Partners keinerlei Investitionen in Israel, zahlte Kushner aber mindestens 160 Mio. Dollar an Managementprämien aus.
Das sind wohl Peanuts im Vergleich zu der Summe, die Kushner im Herbst von den Saudis erhalten haben dürfte: Im Oktober verhandelte er federführend die Übernahme des US-Videospielkonzerns Electronic Arts (EA) durch den saudischen Staatsfonds und den US-Investmentkonzern Silver Lake aus. Kostenpunkt: 55 Milliarden Dollar. Kushners Firma hält seither ein Prozent der EA-Anteile, Forbes schätzt sein Vermögen auf mehr als eine Milliarde.
Selbst James Comer, der republikanische Vorsitzende des Übersichtsausschusses im US-Kongress, meinte, Kushners Geschäfte mit den Saudis seien „ethisch fragwürdig“. Der antwortete im Financial-Times-Interview: „Solche Vorwürfe werden mich nicht stoppen.“
Solange sein Schwiegervater Präsident und der Kongress fest in republikanischer Hand ist, hat er wohl recht.
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