Machtspiele: Wie Donald Trump Sportereignisse als Bühne nutzt
Ein paar Sekunden stehen die beiden Riesen voreinander, dann geht alles blitzschnell. Eine Drehung, eine Ferse, die gezielt im Bereich der Leber einschlägt, und Stipe Miocic geht zu Boden. 112 Kilo, verteilt auf 1,93m, krümmen sich auf der Matte des Oktagons zusammen. Der Schiedsrichter beendet den Kampf.
Es ist der 16. November 2024, Jon Jones hat seinen Weltmeistertitel im Schwergewicht des größten Mixed-Martial-Arts-Kampfverbands UFC verteidigt. Der US-Amerikaner jubelt, er steigt auf den Zaun – und zeigt auf einen Mann im Publikum: Erste Reihe, Anzug, rote Krawatte. Beim anschließenden Interview sagt Jones: „Ein großes Dankeschön an Präsident Donald Trump, dass er heute hier ist.“
Donald Trump ist bei fast jedem UFC-Titelkampf in der Arena zu Gast.
Nun ist wahrlich nicht jeder UFC-Kämpfer so umstritten wie Jones – der Mann wurde zwei Mal wegen Dopings und einmal wegen Fahrerflucht suspendiert – und auch kaum jemand ein solch bekennender Trump-Fan. Dass sich diese Szene an jenem Abend genau so zutragen konnte, ist jedoch kein Zufall.
Ein UFC-Großevent zu Trumps 80. Geburtstag
Über Jahre hat der Republikaner die UFC zu seinem verlässlichen Heimspiel gemacht. Bei fast jedem Titelkampf sitzt er im Publikum und rührt auf Social Media kräftig die Werbetrommel. Im Gegenzug trat Verbandspräsident Dana White während des Wahlkampfs 2024 an Trumps Seite auf. UFC-Moderator Joe Rogan gab in seinem Podcast „The Joe Rogan Experience“ – dem meistgehörten der Welt – sogar eine Wahlempfehlung ab.
Am kommenden Sonntag gipfelt diese „Bromance“ aus Sport und Politik in einem Ereignis, das es so nie zuvor gab: Offiziell anlässlich des 250-jährigen Bestehens der USA, „zufällig“ aber genau an Trumps 80. Geburtstag, findet ein pompöses UFC-Event mit gleich drei Titelkämpfen statt. Im Garten des Weißen Hauses wurde dafür extra eine Tribüne für 4.000 VIPs errichtet. Die Trump-Familie wird gesammelt dabei sein.
Die UFC funktioniert für Trump, weil sie das richtige Publikum hat: junge, oft apolitische Männer, die sich von der politischen Mitte nicht angesprochen fühlen. Der Kampfsport vermarktet sich aktiv als Anti-Establishment-Veranstaltung, Trump vermarktet sich als Anti-Establishment-Politiker. Eine saubere Symbiose.
Beim Basketball wurde Trump ausgepfiffen
Mit anderen Sportarten ist es für ihn komplizierter. Am Montag besuchte Trump als erster amtierender US-Präsident ein Finalspiel der Basketball-Liga NBA. Als er beim Heimspiel der New York Knicks auf den Bildschirmen gezeigt wurde, erhielt er von den Fans im legendären Madison Square Garden Pfiffe und Buhrufe.
Auch Trumps Versuche, sich bei Fußballveranstaltungen in den Mittelpunkt zu drängen, brachten ihm international bereits viel Kritik ein. Unvergessen etwa der Sommer 2025, als er nach dem Finale der FIFA-Klubweltmeisterschaft in den USA die Trophäe an die Spieler des FC Chelsea überreichte – und einfach mit der Siegermannschaft auf dem Podest blieb. Chelsea-Star Cole Palmer sagte anschließend, der Moment sei „verwirrend“ gewesen.
Schräges Siegerbild: Trump wollte nicht gehen, Chelsea feierte mit dem Präsidenten
Wird es eine Trump-WM?
Für die aktuelle Fußball-WM dürfte das nur ein Vorgeschmack sein. Sie wurde am Donnerstag zwar in Mexiko eröffnet, doch die USA sind Hauptgastgeber und tragen den Großteil der Spiele aus. Trump wird mit Sicherheit versuchen, das größte Sportereignis der Welt für seine eigene Inszenierung zu nutzen. Schon beim ersten Spiel der US-Mannschaft am Samstag gegen Paraguay wird er im Stadion sein.
Dass die FIFA Trump die Möglichkeit bieten wird, sich in Szene zu setzen, gilt als sicher. FIFA-Präsident Gianni Infantino steht wegen seiner geradezu unterwürfigen Auftritte in Trumps Gegenwart stark in der Kritik. Deren Tiefpunkt bildete die Vergabe eines erfundenen „FIFA-Friedenspreises“ bei der WM-Auslosung im Dezember.
Bizarrer Moment: Im Dezember 2025 erhält Trump von FIFA-Präsident Gianni Infantino den "FIFA-Friedenspreis".
Die Zuneigung der Fans ist Trump dagegen alles andere als sicher. Fußball ist in den USA schließlich die größte Sportart unter Frauen und Latinos – beides keine republikanischen Kernwählergruppen. Und dann wären da noch die Gästefans – viele aus Nationen, die der US-Präsident mit seiner Außenpolitik vergrämt hat.
Nicht unwahrscheinlich also, dass auch bei der WM jeder Trump-Auftritt von einem Pfeifkonzert begleitet wird, die Versuche der Inszenierung also nach hinten losgehen. Doch auch dafür hat die FIFA vorgesorgt und Ticketpreise in Rekordhöhe ansetzen lassen.
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