"Praktisch keine Sicherheit": Angriff bei Trump-Dinner hat ein Nachspiel

Der Schütze checkte bereits Tage vor dem Event in dem Hotel ein. Donald Trump nutzt den Vorfall bereits für seine politische Agenda.
Donald Trump spricht in Anzug und Fliege vor der US-Flagge.

Zusammenfassung

  • Secret Service nach vereiteltem Angriff auf Gala-Dinner in Washington wegen Sicherheitslücken und chaotischer Evakuierung in der Kritik.
  • Schütze konnte sich Tage vor dem Event im Hotel einmieten und äußerte sich selbst über die laschen Kontrollen.
  • Trump nutzt den Vorfall für seine politische Agenda und fordert erneut den Bau eines gesicherten Ballsaals.

Der Secret Service steht nach dem vereitelten Angriff am Rande eines Gala-Dinners in Washington massiv in der Kritik. Der bewaffnete Schütze aus Kalifornien konnte die äußeren Sicherheitskontrollen offenbar umgehen, indem er sich in den Tagen vor der Veranstaltung als regulärer Gast in dem Hotel einmietete, wie am Sonntag aus US-Regierungskreisen verlautete. Zudem verlief die Evakuierung der anwesenden Regierungsmitglieder teilweise unkoordiniert.

Während Trump nach etwa 30 Sekunden von der Bühne gebracht wurde, dauerte es bei einigen Ministern rund 150 Sekunden, bis sie den Saal verlassen konnten. Selbst der Schütze wunderte sich in einem Manifest über die laxe Sicherheit. Ehemalige Sicherheitsbeamte erklärten, der Secret Service müsse künftig die Sperrzonen bei Großveranstaltungen deutlich ausweiten.

Auch der US-Kongress schaltet sich nun ein. Wie die Washington Post und Berufung auf ungenannte Quellen berichtete, stufte die Regierung das Event nicht mit der Sicherheitsstufe ein, die für ähnliche Versammlungen hochrangiger Amtsträger üblich ist. Damit seien nicht die vollen Ressourcen ausgeschöpft worden. Der einflussreiche republikanische Senator Chuck Grassley setzte eine Anhörung an, um sich vom Secret Service über das Sicherheitskonzept informieren zu lassen. 

Schüsse bei Gala-Dinner mit Trump

Neben Trump waren bei der Veranstaltung auch Vizepräsident James Vance, Außenminister Marco Rubio, Verteidigungsminister Peter Hegseth und viele weitere Regierungsvertreter im Raum. Auch Mike Johnson, der Vorsitzende des Repräsentantenhauses, der in der staatlichen Rangfolge hinter dem Präsidenten und dessen Vize steht, nahm teil.

Trump-Anhängerin Lake: Laxe Sicherheitsvorkehrungen

"Ich kann kaum glauben, wie lax die Sicherheitsvorkehrungen heute Abend beim White House Correspondents' Dinner waren", schrieb MAGA-Aktivistin Kari Lake auf der Plattform X. Es habe "praktisch keine Sicherheit" gegeben, legte sie später nach.

Der Täter, laut Medienberichten ein 31 Jahre alter Mann aus Kalifornien, stürmte bei dem Gala-Dinner mit der Hauptstadtpresse am Samstagabend (Ortszeit) schwer bewaffnet durch einen Sicherheitsposten des Secret Service, ehe er von Beamten gestoppt wurde. Der Verdächtige selbst soll sich laut Medienberichten in einem Manifest über die lockeren Standards gewundert haben.

Tatsächlich mussten Gäste erst unmittelbar vor dem Ballsaal, in dem das Dinner stattfand, durch eine Sicherheitsschleuse und nicht schon beim Eintritt in das Hilton Hotel. Der geschäftsführende Justizminister Todd Blanche verteidigte das Sicherheitskonzept. Er sagte dem Sender NBC News, das Konzept habe so funktioniert wie vorgesehen. Der Angreifer sei kaum über die Sicherheitsschleuse hinausgekommen.

Trump nutzte Vorfall für seine politische Agenda

Trump nutzte den Vorfall im Washington Hilton indes massiv für seine politische Agenda. Er stilisierte sich als Zielscheibe wegen seiner politischen Erfolge. "Wenn man viel bewegt, wird man angegriffen", hatte er bereits kurz nach der Tat am Samstagabend erklärt. Am Sonntag legte er in den sozialen Medien nach und verglich sich mit dem früheren Präsidenten Abraham Lincoln. Ohne seine Zölle auf Importe und die hohen Militärausgaben wäre er weniger gefährdet, so Trump.

Den Angriff führte der Präsident zudem als Argument für seinen geplanten, 400 Millionen Dollar teuren Ballsaal an. Dieser soll über einen Bunker, ein drohnensicheres Dach und kugelsicheres Glas verfügen. Republikanische Verbündete kündigten am Sonntag an, Gesetzesinitiativen einzubringen, um den gerichtlich gestoppten Bau des Saals durchzusetzen. Der amtierende Justizminister Todd Blanche teilte mit, sein Ministerium werde einen Richter bitten, das laufende Verfahren gegen das Bauprojekt abzuweisen. Ein Bundesrichter ordnete Ende März einen Baustopp für den Ballsaal an und erklärte, das Projekt sei ohne Zustimmung des Kongresses rechtswidrig, obwohl ein Bundesberufungsgericht diese einstweilige Verfügung später aussetzte.

Angreifer soll vor einem Bundesrichter erscheinen

Der Angreifer soll heute in der Hauptstadt Washington vor einem Haftrichter erscheinen. Er soll wegen der Verwendung einer Schusswaffe bei einer Gewalttat sowie wegen tätlichen Angriffs auf einen Bundesbeamten unter Einsatz einer gefährlichen Waffe angeklagt werden. Weitere Anklagepunkte dürften später folgen. Unklar ist weiter das genaue Motiv des Täters.

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