Politik | Ausland
18.07.2018

Donald Trump auf Ausreden-Irrfahrt

Berater drängen auf Schadensbegrenzung. Der Präsident aber liefert verquere Erklärungen und neue Entgleisungen

John Kelly muss geahnt haben, dass sein Chef auch im Krisen-Modus immer er selbst bleibt, sprich: unberechenbar. Donald Trump hatte sich davon überzeugen lassen, die größten Scherben zusammenzufegen. Vizepräsident Mike Pence und Außenminister Mike Pompeo, so war zu erfahren, hatten sich ordentlich ins Zeug gelegt. Schließlich reichten die Einschätzungen von Trumps Auftritt an der Seite von Wladimir Putin von unterwürfig bis landesverräterisch.

Der US-Präsident setzte also gerade dazu an, eine Erklärung zu verlesen. Er wollte seine als skandalös bezeichnet Pro-Putin-Haltung in der Frage russischer Manipulationen bei der US-Wahl 2016 mit einem „Versprecher“ erklären. Da ging im Weißen Haus plötzlich das Licht aus. Der Stabschef hatte persönlich auf den Lichtschalter gedrückt. Unabsichtlich, wie es später hieß.

Aber für einen Moment saß Trump im Dunkeln. Was zur Substanz seines Vortrags passen sollte, den US-Beobachter als den „dümmsten Rückzieher aller Zeiten“ charakterisierten. In Kurzform: In Helsinki hatte Trump die Erkenntnisse der eigenen Geheimdienste beiseite gewischt und sich die Unschuldsbeteuerung Putins zu eigen gemacht. Der hatte kategorisch bestritten, dass vom Kreml gelenkte Cyber-Schergen die US-Wahl zugunsten Trumps beeinflussen wollten; obwohl genau deshalb just zwölf Agenten des russischen Militär-Geheimdienstes GRU in den USA wegen Verschwörung angeklagt wurden. Er könne sich NICHT vorstellen, dass Russland so etwas getan habe, apportierte Trump artig wie ein Schoßhund den von Putin übrig gelassenen Knochen. Im Lichte des gewaltigen Protests, den das zu Hause auslöste, ließ sich Trump notgedrungen von seinem Redenschreiber Stephen Miller eine kleine Wortklauberei basteln, um die Wogen zu glätten. Tatsächlich, so sagte Trump mit erkennbarer Widerwilligkeit 24 Stunden nach Anrichten des Schlamassels, habe er ausdrücken wollen, er habe es sich NICHT vorstellen können, dass Russland NICHT in den Wahlprozess eingegriffen hat. Mit dieser „doppelten Verneinung“ und dem Bekenntnis, dass er „volles Vertrauen“ in die Arbeit seiner Geheimdienste besitze, wollte der Präsident die XXL-groß gewordene Kuh vom Eis bugsieren, erreichte aber durch eigenes Verschulden das Gegenteil.

Ablenkungsmanöver

Denn Trump setzte, als das Licht längst wieder an war, hinzu, dass es „auch andere Leute“ gewesen sein könnten, die sich in die Wahlen eingemischt haben: „Es gibt viele Leute da draußen.“

Prompt heulten die Demokraten auf und warfen Trump einen „verlogenen Versuch der Schadensbegrenzung“ vor. Ihr Tenor: In Wahrheit sei der Präsident weiterhin näher bei Putin als bei den eigenen Behörden.

Trump focht das nicht an. In einem Twitter-Gewitter warf er den Medien Irreführung vor. Viele Leute „am oberen Ende der Intelligenzskala“ hätten den Auftritt in Helsinki „geliebt“. Dagegen war aus Diplomaten-Kreisen in Washington zu hören, dass Trumps „verkorkste Selbstkorrektur“ in der eigenen Regierung „Kopfschütteln“ und „Resignation“ ausgelöst hat.

Vor allem Verteidigungsminister James Mattis, der sich eine zenbuddistische Zurückhaltung auferlegt hat, was Trump angeht, sei fassungslos. Auslöser: Trump hatte in einem Interview mit seinem Haus-Sender Fox News den Beistandspakt in der NATO ins grotesk Lächerliche gezogen.

Der Moderator wollte wissen, warum im Konfliktfall sein Sohn als Soldat das 2017 in die NATO aufgenommene Montenegro verteidigen solle. Trumps Antwort löste in NATO-Zirkeln Entsetzen aus: „Montenegro ist ein kleines Land mit sehr starken Menschen“, sagte der Präsident, „sie sind sehr aggressive Menschen, sie könnten aggressiv werden.“ Und plötzlich - „Gratulation“ - sei man „im Dritten Weltkrieg.“