Donald jr. mit neuer Partnerin Kimberley Guilfoyle

 

© REUTERS/CARLOS BARRIA

Politik Ausland
12/30/2020

Die Rächer des Enterbten: Trumps Kinder haben politische Pläne

Mit der Kampagne gegen Wahlbetrug bereitet der Präsident den politischen Boden für seine Kinder auf.

von Konrad Kramar

„Betrug, Diebstahl, Kommunisten überall“ – Donald Trumps tägliches Twitter-Geplärr ist seit der Wahl noch schriller geworden. Wer das übertönen will, muss schon ordentlich in die Tasten greifen. Präsidentensohn Donald Jr. schafft das mit Bravour und überwindet dabei mühelos alle politischen Schamgrenzen. Den „totalen Krieg“ zu fordern, da schwingt auch in den Ohren vieler Amerikaner Nazi-Propagandaminister Joseph Goebbels mit. Doch genau das tat der 42-Jährige via Twitter: Nur so ließe sich all der Betrug, all das Lügen bekämpfen, „das schon viel zu lange anhält“.

Begeisterter Schütze

Der begeisterte Schütze Donald Jr., posiert nicht nur in Sozialen Medien mit automatischen Waffen, er feuert auch politisch gerne Salven gegen Widersacher ab. Da geht es dann nicht mehr nur um die gestohlenen Wahlen, sondern um das ganze System und die eigene Partei, die Republikaner. Die hätten ja schon lange „kein Rückgrat“ mehr, lässt Donald Jr. den etablierten Republikanern ausrichten: Ihre Partei, „die gibt es nicht mehr – und wer nicht bereit ist, mit uns zu kämpfen, kann gehen“.

In der Partei das Sagen

Solche Kampfansagen mögen übertrieben und läppisch wirken, sie sind es nicht, sondern eine offene Herausforderung. Denn Vater Donald Trump hat trotz seiner Niederlage bei den Wahlen die Republikaner weitgehend im Griff. Dass man im Kongress sein Veto beim Militärbudget überstimmte, war wohl ein patriotischer Akt als einer des Protests gegen Trump.

Der Mythos von der gestohlenen Wahl

Wichtigste Waffe ist die Parole von der gestohlenen Wahl. Bis hinauf zum Höchstgericht ist der Präsident mit seinen Klagen gescheitert, die Partei aber hält an der Legende fest, wie Umfragen von US-Medien zeigen. 60 Prozent der republikanischen Wähler sind sich zumindest nicht sicher, dass Joe Biden tatsächlich gewonnen hat. Noch schlimmer sieht es bei den Abgeordneten im US-Kongress aus: Nur 29 Republikaner sind von Bidens Sieg überzeugt, mehr als 200 dagegen geben an, dass der Ausgang der Wahl unklar sei.

Da mögen die Gerichte gesprochen und prominente Republikaner Trump öffentlich ermahnt haben, klein beizugeben; der Präsident bleibt bei seiner Version der Wahl – und der Großteil der Partei und seiner Wähler mit ihm.

Eine „gestohlene Wahl“ und eine „feige, rückgratlose Partei“: Die Stimmungsmacher für ein politisches Comeback sind angerichtet.

Dynastie-Denken

Doch bei den nächsten Präsidentenwahlen 2024 ist Trump 78. Zeit also, Nachfolger in Stellung zu bringen.

Bei den Trumps wird da, wie bei vielen US-Präsidentenfamilien, dynastisch gedacht. Also darf sich Donald Jr. in Stellung bringen: Mit einem Image, das perfekt für das Trump-Stammwählerpublikum gestrickt ist. Donald Jr. gibt gerne den „Redneck“, also den Biedermann im Karohemd, der auf große Autos und Gewehre steht und den die Welt da draußen, jenseits von Amerika, nur so weit interessiert, als dass sie gefälligst vor ihm zu kuschen hat.

Sexy American Girl

Auch die dazu passende Partnerin hat Donald Jr. bereits gefunden. Nach der Trennung von seiner Frau Vanessa, mit der er fünf Kinder hat, lebt er mit der ehemaligen Moderatorin des Trump-freundlichen Nachrichtensenders Fox News, Kimberly Guilfoyle, zusammen. Die gibt sich als das schlichte, sexy American Girl von nebenan und plaudert offenherzig über ihr Liebesleben mit Donald Jr.. Das soll zwar Führungskräften bei Fox News und Trump-Geldgebern auf die Nerven gehen, kommt aber bei den überwiegend männlichen Trump-Stammwählern gut an. Die hatten sich ja schon am nicht gerade politisch korrekten Gerede des Vaters über den Umgang mit Frauen nicht gestoßen.

Posiert gerne mit Gewehren

Politische Korrektheit, die kümmert Donald Jr. grundsätzlich wenig, nicht nur, was Frauenthemen betrifft. Der leidenschaftliche Jäger posiert gerne mit Waffen und drückt sie auch seinen Kindern in die Hand – und nicht nur denen. Für Aufregung sorgte ein Foto auf Instagram, das Donald Jr. mit dem Sohn seiner Schwester Ivanka zeigt, dem er gerade ein Gewehr vorführt. Was den rustikalen Fans von Donald Jr. gefiel, kam bei Ivankas eher urbanem Instagram-Publikum gar nicht gut an.

Senatoren-Amt angepeilt

Nicht gerade förderlich für das Image der Präsidententochter. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Jared Kushner hat sie unter den Trump-Sprösslingen die politisch prominenteste Rolle übernommen. Die beiden galten als engste Berater Trumps im Weißen Haus und außerdem als politisch bestens vernetzt. Weit entfernt vom Cowboy-Image des Bruders gibt sich das Paar weltmännisch und war über Jahre in der versnobten New Yorker High Society bestens etabliert.

Auch Ivanka plant ihre eigene politische Karriere. Derzeit verdichten sich Gerüchte über einen Senatorenposten in Florida, wo Vater Donald seinen Zweitwohnsitz hat. Auch der Kauf eines exklusiven Grundstücks bei Miami wird bereits kolportiert. Die Trumps also haben offensichtlich nicht vor, das politische Spielfeld kampflos zu räumen – und der Mythos von der „gestohlenen Wahl“ wird ihnen dabei noch von Nutzen sein.

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