Politik | Ausland
07.04.2017

Die Herrschaft der Assad-Familie in Syrien

Nach einem Staatsstreich 1970 wurde Hafez al-Assad, der Vater des heutigen Präsidenten, mehr oder weniger Alleinherrscher. Zehntausende politische Gegner verschwanden seither in Gefängnissen.

Syrien wird seit Jahrzehnten von der Assad-Familie regiert. 1963 putschte sich die säkular-nationalistische Baath-Partei mit Hilfe von Offizieren an die Macht.

Zu den führenden Köpfen gehörte der damals 33 Jahre alte Hafez al-Assad, der Vater des heutigen Präsidenten Bashar al-Assad. Nach einem weiteren Staatsstreich 1970 wurde er mehr oder weniger Alleinherrscher.

Ein Jahr später ließ er sich zum Präsidenten wählen. Hafez al-Assad regierte das Land mit eiserner Faust und setzte massive Gewalt ein, wenn er seine Herrschaft in Gefahr sah. So ließ er 1982 einen Aufstand von Islamisten in der Stadt Hama niederschießen. Tausende starben, manche sprechen von Zehntausenden.

Zehntausende politische Gegner verschwunden

Unter Hafez entwickelte sich Syrien zu einem Staat, in dem die Geheimdienste allgegenwärtig sind. Zehntausende politische Gegner verschwanden in Gefängnissen. Berühmt-berüchtigt sind die sogenannten Shabiha, regierungsnahe Schlägertrupps.

Nach Hafez' Tod im Jahr2000 ging die Macht an seinen Sohn Bashar, ursprünglich ein Augenarzt, über. Während des "Damaszener Frühlings" keimte unter Oppositionellen kurz Hoffnung auf mehr Freiheit auf, gegen die die Regierung jedoch schnell wieder vorging.2011 griffen die Aufstände in der arabischen Welt auch auf Syrien über und entwickelten sich dort zu einem blutigen Bürgerkrieg.

Die Assad-Familie gehört der religiösen Minderheit der Alawiten an, einer Nebenlinie des schiitischen Islam. Sie hat ihre Zentren an Syriens Küste.

Die Alawiten waren lange unterdrückt. Viele schlossen sich der Armee an, die Aufstiegsmöglichkeiten bot. Bis heute nehmen Alawiten im Staat und im Militär Schlüsselpositionen ein.

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Der syrische Krieg und die vergebliche Suche nach Frieden

März 2011: Eine Demonstration in der Hauptstadt Damaskus setzt eine Protestwelle gegen die Regierung von Präsident Bashar al-Assad in Gang. Die Regierung reagiert mit Waffengewalt.

August 2013: Mehr als 1400 Menschen werden durch den Einsatz von Chemiewaffen getötet. Der UNO-Sicherheitsrat fordert Damaskus zur Vernichtung der Waffen auf. Syrien beginnt danach mit der Zerstörung seiner Produktionsstätten.

September 2014: Die USA und Verbündete bombardieren erstmals Stellungen der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in Nordostsyrien.

Jänner 2015: Nach monatelangen Gefechten mit der Terrormiliz befreien kurdische Kämpfer die nordsyrische Stadt Kobane. Es folgen weitere Niederlagen des IS gegen Kurden im Nordosten Syriens.

September 2015: Assads Verbündeter Russland beginnt Luftangriffe in Syrien. Sie richten sich auch gegen IS-Stellungen, vor allem aber gegen gemäßigtere Gegner des Regimes.

November 2015: In Wien einigen sich die Teilnehmer einer Syrien-Konferenz, darunter der Iran und Russland, auf einen Friedensfahrplan, der eine Übergangsregierung vorsieht.

Jänner 2016: In Genf beginnen die Friedensgespräche. Sie werden nach der dritten Runde im April auf Eis gelegt.

Februar 2016: Die USA, Russland und wichtige Regionalmächte handeln in München eine Waffenruhe für Syrien aus, die jedoch vor allem in der nordsyrischen Großstadt Aleppo immer wieder gebrochen wird.

März 2016: Russlands Präsident Wladimir Putin befiehlt einen Teilabzug der russischen Soldaten aus Syrien. Syrische Regierungstruppen erobern die historische Oasenstadt Palmyra vom IS zurück.

September 2016: Die USA und Russland einigen sich nach langwierigen Verhandlungen erneut auf einen Plan zur Durchsetzung der Waffenruhe sowie für eine politische Lösung des Konflikts. Doch die Regierung in Damaskus erklärt die Waffenruhe nach einer Woche für beendet und fliegt wieder heftige Luftangriffe - vor allem auf das umkämpfte Aleppo. Der Ton zwischen Moskau und Washington wird wieder schärfer.

Oktober 2016: Auch Syrien-Gespräche in der Schweiz bringen keinen Durchbruch. Nach dem Ende einer von Russland ausgerufenen dreitägigen Waffenruhe gehen die Kämpfe in Aleppo weiter.

November 2016: Der syrischen Regierung gelingt im Kampf um Aleppo ein entscheidender Schlag gegen die Rebellen. Die Armee und ihre Verbündeten nehmen nach heftigen Kämpfen und Luftangriffen den kompletten Norden der Rebellengebiete Aleppos ein. Aktivisten sprechen von der "schwersten Niederlage der Rebellen, seitdem sie Aleppo 2012 eingenommen haben".

Dezember 2016: Regierungstruppen nehmen die Altstadt von Aleppo ein und belagern die letzten von Rebellen gehaltenen Viertel. Zu Zehntausenden fliehen Zivilisten aus dem umkämpften Ostteil der Stadt. IS-Truppen marschieren unterdessen wieder auf die antike Stadt Palmyra zu.

Dezember 2016: Eine weitere Waffenruhe tritt Ende des Monats in Kraft. Russland und die Türkei haben sie zwischen Regierung und Oppositionsgruppen ausgehandelt. Aufständische werfen den Regierungstruppen später permanente Verstöße dagegen vor.

Jänner 2017: Nach der Eroberung Aleppos durch die syrische Armee zieht Russland seine ersten Truppen ab. Am 23. Jänner kommen Vertreter der Regierung und der Opposition aus Betreiben Russlands und der Türkei zu Verhandlungen in der kasachischen Hauptstadt Astana. Die Gespräche bleiben aber ohne greifbares Ergebnis.

Februar 2017: Erneut beginnen Gespräche über eine politische Lösung für Syrien in Genf. Es nehmen unter anderem Vertreter von syrischer Regierung und Opposition teil - wenn auch zuweilen nicht in direktem Kontakt. Das jüngste Treffen Ende März geht ohne greifbare Ergebnisse zu Ende.

März 2017: Anfang des Monats vertrieben syrische Regierungskräfte den IS zum zweiten Mal aus Palmyra.

März 2017: Eine Gruppe von US-Marines wird in die Nähe der IS-Hochburg Raqqa (Al-Rakka) entsandt, um die Offensive zur Rückeroberung der Stadt mit Artilleriefeuer zu unterstützen.

April 2017: In der nordsyrischen Stadt Khan Sheikhoun (Chan Scheichun) kommen nach einem Luftangriff der Regierung Aktivisten zufolge mindestens 86 Menschen durch Einwirkung von Giftgas ums Leben. Die Opposition und westliche Regierungen werfen der Regierung in Damaskus vor, dafür verantwortlich zu sein. Russland spricht von der Bombardierung eines Chemiewaffendepots der Rebellen.

April 2017: Als Reaktion auf einen mutmaßlichen Giftgasangriff greifen die USA einen Luftwaffenstützpunkt der syrischen Armee von Kriegsschiffen im Mittelmeer aus mit mehreren Dutzend Raketen des Typs Tomahawk an. US-Präsident Donald Trump spricht von einem Akt der Verteidigung nationaler Sicherheitsinteressen.