Deutschland schnürt Reformpaket: Bis zu 600 Euro Steuerentlastung pro Jahr
Zusammenfassung
- Union und SPD haben sich auf ein Reformpaket mit Steuerentlastungen, Bürokratieabbau und Maßnahmen zur Stärkung von Wettbewerb und Unternehmen verständigt.
- Geplant sind unter anderem Entlastungen von bis zu 600 Euro pro Haushalt, Erleichterungen bei befristeten Einstellungen und eine Einkommensteuerreform ab 1. Jänner 2027 vor allem für kleine und mittlere Einkommen.
- Das Paket ist politisch bedeutsam für die Koalition, die nach monatelangen Verhandlungen und internen Konflikten auf einen Modernisierungsschub und bessere Ausgangsbedingungen vor wichtigen Landtagswahlen setzt.
Die Spitzen von Union und SPD in Deutschland haben sich im Koalitionsausschuss auf eine Reihe von Reformen verständigt. Das Paket soll für mehr Wettbewerb, weniger Bürokratie und steuerliche Entlastungen in Deutschland sorgen.
Die Regierung lege einen „ganzen Katalog von bedeutenden Reformen“ vor, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz am Donnerstag nach einem Treffen der Koalitionsspitzen in Berlin am Vortag. Das Ziel sei klar: „Wir wollen Deutschland wieder flott kriegen.“ Konkret sorge man für mehr Beweglichkeit der Unternehmen, den Erhalt des Sozialstaats und die Entlastung von Arbeitnehmern und Firmen, „indem wir die Steuern senken und die Bürokratie zurückbauen“.
Das Paket enthalte Steuerentlastungen von bis zu 600 Euro pro Haushalt. Befristete Einstellungen würden erleichtert, telefonische Krankschreibungen abgeschafft. „Ich kann heute sagen, es war ein guter Tag gestern und es wird ein guter Tag für Deutschland heute“, erklärte der Kanzler. Nach der Gesundheitsreform zeige die von ihm geführte Koalition aus CDU, CSU und SPD, dass sie „die Kraft und den Willen“ habe, Deutschland in die Zukunft zu führen.
Die Koalitionspartner haben seit Monaten an einem großen Reformpaket gearbeitet.
Weitgehende Einigkeit bei Pensionsreform
Erste Schritte waren bereits vorher erfolgt. Das Sparpaket für die gesetzliche Krankenversicherung ist bereits im parlamentarischen Verfahren. Bei der Pensionsreform sind sich Union und SPD einig, dass die Vorschläge einer dafür eingesetzten Kommission mit Politikern und Experten eins zu eins umgesetzt werden sollen. Es wird erwartet, dass dafür am Donnerstag ein Zeitplan vorgelegt wird.
Dickster Brocken Einkommensteuer
Schon vor Beginn der Sitzung im Kanzleramt hieß es, dass über etwa 30 Reformmaßnahmen bereits Einigkeit bestehe. Der dickste Brocken in den Verhandlungen war die Reform der Einkommensteuer. Die Koalition will mit Wirkung 1. Jänner 2027 vor allem kleine und mittlere Einkommen entlasten. Entscheidend ist die Frage der Gegenfinanzierung: Je höher die Entlastungen ausfallen, desto mehr kostet die Reform.
Die Sozialdemokraten (SPD) hatte sich für einen höheren Spitzensteuersatz und eine höhere Erbschaftsteuer eingesetzt, was die konservative Union aber ablehnte. Im Gespräch waren auch eine Anhebung der Reichensteuer, eine Mehrwertsteuererhöhung, Subventionskürzungen oder Einsparungen im Haushalt.
Ist es der „große Sprung nach vorn“?
Keine Probleme gab es dagegen schon in den Vorbereitungen beim Thema Bürokratieabbau. Die Koalition wird dazu am Donnerstag aller Wahrscheinlichkeit nach eine ganze Reihe von Maßnahmen präsentieren.
„Meine Erwartung ist, dass wir wirklich einen großen Sprung nach vorn machen in der Modernisierung unseres Landes“, hatte Merz kurz vor der Spitzenrunde zum Gesamtpaket gesagt. Als Ziel nannte er, „dass wir alles tun, damit private Haushalte konsumieren können, aber auch die Industrie investieren kann“. Er betonte aber auch, dass es den „einen großen Big Bang“ nicht geben werde. Er hatte auch in den vergangenen Wochen schon mehrfach betont, dass der Reformprozess auch nach diesem Sommer weitergehen werde.
Kriegt die Koalition die Kurve?
Das Paket hat für das schwarz-rote Regierungsbündnis große Bedeutung. Kurz nach Ostern gab es schon mal einen Anlauf, ein größeres Paket zu schnüren. Ein ganzes Wochenende verhandelten Union und SPD in der Villa Borsig an einem Berliner See - und versanken schließlich im Streit.
Danach rumpelte es heftig in der Koalition, die Umfragewerte der Regierungsparteien gingen weiter in den Keller. Das Reformpaket wird mit darüber entscheiden, ob die Regierung kurz vor den wichtigen Landtagswahlen in Ostdeutschland noch die Kurve kriegt.
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