Anhaltende Hitze bedroht Schifffahrt: Jetzt trocknet auch der Rhein aus
Niedrigwasser am Rhein in Köln
Im Juni und Juli war es in Westeuropa so heiß wie nie zuvor in den beiden Sommermonaten. Die Durchschnittstemperatur in der Region betrug in dem Zeitraum 21,62 Grad, wie der Klimawandeldienst des EU-Programms Copernicus in Bonn mitteilte. Damit lag sie 2,79 Grad über dem langjährigen Juni-Mittel von 1991 bis 2020. Rekorde gab es auch bei den Wassertemperaturen in den Weltmeeren.
Der Wasserstand der Flüsse lag in großen Teilen der trockenen Regionen deutlich unter dem langjährigen Mittel und erreichte örtlich sogar außergewöhnlich niedrige Werte. Besonders betroffen waren demnach die Seine, der Rhein und die Donau. Was den Rhein betrifft, so dürfte der Fluss in Kürze nicht mehr druchgängig befahrbar sein.
Die Folge ist eine Zweiteilung des längsten Flusses in Deutschland. Zum einen gebe es zwischen den Nordseehäfen Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen und der Region Köln noch Schiffsverkehr über den Rhein und das westdeutsche Kanalgebiet. „Und es gibt weiter südlich Schiffsverkehr an den Nebenflüssen Neckar, Mosel, Main, Main-Donau-Kanal“, sagte Jens Schwanen, Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) der Rheinischen Post. Und: „Wegen ausbleibender Niederschläge wird im Laufe der Woche an dem für Schifffahrt und Wirtschaft wichtigen Pegel Kaub erstmals ein nur noch einstelliger Wert prognostiziert.“
Die Messstelle des Rhein-Pegelstandes in Kaub gilt als Referenzwert für die Schifffahrt. Kaub liegt in der Mitte zwischen Main und Koblenz.
Auch bei Bingen: Zu wenig Wasser
Weil die Fahrrinne in diesem Abschnitt ohnehin relativ flach ist, sieht der BDB die dort erwarteten Pegelwerte mit besonderer Sorge. „Die gewerbliche Schifffahrt wird bei derart niedrigen Wasserständen in der Region keinen Gütertransport mehr durchführen können. Gleiches gilt für die Tagesausflugs- und Kreuzfahrtschifffahrt“, sagte Schwanen.
Der BDB-Geschäftsführer begrüßte weitere geplante Krisensitzungen mit dem deutschen Bundesverkehrsministerium. Optionen für den verstärkten Einsatz von Straße und Schiene würden an diesem Montag erörtert, sagte Schwanen. Er befürworte zudem eine Aufschiebung von Baumaßnahmen, um zumindest derartige Einschränkungen zu vermeiden. „Direkt am folgenden Mittwoch werden die anstehenden Bauarbeiten bei Straße, Schiene und Wasserstraße auf den Prüfstand gestellt.“
Die extrem niedrigen Pegelstände – die auch andere große deutsche Flüsse betreffen – stellen die Binnenschifffahrt vor große Probleme. Schiffe können deutlich weniger Ladung transportieren, was die Transportkosten erhöht und vor allem Industriebranchen belastet, die auf diese Transporte angewiesen sind.
Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (47, CDU) hatte zuletzt in der BILD-Zeitung eine Aussetzung des Sonntags- und Feiertagsfahrverbots für Lkw ins Spiel gebracht, um wichtige Güter zeitweilig vermehrt über die Straße transportieren zu können. Neben Nordrhein-Westfalenhaben bisher Niedersachsen sowie Rheinland-Pfalz und das Saarland das Sonn- und Feiertagsfahrverbot vorübergehend gelockert.
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