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05.09.2017

Schulz' Jugendsünden: Waschpulver ins Freibad

SPD-Kandidat Martin Schulz wurde von Youtubern befragt - und gestand zumindest eine Jugendsünde.

Nachdem sich vor rund drei Wochen Kanzlerin Angela Merkel den Fragen der Youtube-Gemeinde gestellt hatte, war nun auch SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz am Zug. Am Dienstag stand er vier Youtube-Stars Rede und Antwort. Neben „MrWissen2go“ und „ItsColeslaw“, die beide schon Merkel interviewten, versuchten diesmal auch Nihan Sen sowie „MarcelScorpion“ dem SPD-Chef in etwas amikalerem Rahmen mitunter auch Privates zu entlocken.

Dass die Youtube-Gemeinde im Rahmen der Bundestagswahl einen nicht zu unterschätzenden Faktor darstellen dürfte, dafür spricht allein die Reichweite der einzelnen Interviewer. Die Fangemeinde der auf Beauty und Entertainment spezialisierten Youtuberin Nihan Sen etwa beläuft sich auf mehr als 780.000 Abonnenten.

Das einstündige Tête-à-Tête ging dann erstaunlich souverän über die Bühne. Dabei kamen Themen verschiedenster Art zur Sprache, die sich als eine Mischung aus Politik und Persönlichem präsentierten. Dementsprechend ungezwungen war auch Schulz' Auftritt, dem bekanntermaßen nicht allzu starre Sendungsformate eher in die Hände spielen als seiner Kontrahentin, der Bundeskanzlerin. So kam es, dass sich der Sozialdemokrat auch dazu hinreißen ließ, von der zweitschlimmsten seiner Jugendsünden zu erzählen – die schlimmste wollte er nicht preisgeben. So habe er einmal als Jugendlicher „Waschpulver ins Freibad geschüttet“, nachdem er über den Zaun geklettert sei, sodass sogar die Polizei anrücken habe müssen.

Nur Spaß umfasste das Gespräch jedoch nicht: Von Migration und Xenophobie über die EU-Beitrittsverhandlungen der Türkei oder der sozialen Situation Deutschlands, bis hin zu Zukunftsthemen wie Klimawandel und Digitalisierung, wurde eine breite Palette an Themen angeschnitten. Der SPD-Chef zeigte sich dabei zuversichtlich, die nach wie vor große Zahl an Unentschlossenen für sich gewinnen zu können, um so den anhaltend großen Abstand zu Merkel doch noch aufzuholen. Umfragen gewinnen sei eine Sache, sagte Schulz, er aber wolle Kanzler werden.