Papst Franziskus wurde in Abu Dhabi mit militärischen Ehren empfangen

© EPA/VATICAN MEDIA / HANDOUT

Politik Ausland
02/04/2019

Der Papst auf Tuchfühlung mit den Scheichs

Franziskus reiste als erstes Kirchenoberhaupt auf die Arabische Halbinsel, um den inter-religiösen Dialog anzukurbeln.

von Walter Friedl

Pferde begleiteten den Wagen (bewusst ein kleiner), mit dem Papst Franziskus zum pompösen Präsidentenpalast mit den markanten 70 Kuppeln fuhr. Salutschüsse vom Boden aus und eine Fliegerstaffel in der Luft, die den Himmel mit gelb-weißen Rauchstreifen dekorierten (die Farben des Vatikan), rundeten am Montag den feierlichen Auftakt des Besuchs des Oberhaupts der katholischen Kirche in Abu Dhabi ab. Und die zweitägige Visite darf getrost das Prädikat „historisch“ tragen: Denn erstmals überhaupt kommt ein Pontifex Maximus auf die Arabische Halbinsel.

"Leuchtturm der Toleranz"

Dem Kronprinzen Mohammed bin Said al Nahjan – dem starken Mann in Abu Dhabi und in den gesamten Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) – geht es vor allem um eines: Er will sein Land der Weltöffentlichkeit als eines der Offenheit präsentieren. Es sei „ein Leuchtturm der Toleranz, der Zurückhaltung und des friedlichen Zusammenlebens“, sagte der ehrgeizige 57-Jährige zu Beginn des päpstlichen Besuches.

Streitfall Jemen

Tatsächlich können die knapp eine Million Katholiken in den VAE (meist Arbeitsmigranten aus den Philippinen) ihren Glauben in insgesamt acht Kirchen praktizieren – was in Saudi-Arabien etwa verboten ist. Ein Übertritt vom Islam zum Christentum ist aber auch in den VAE verboten. Zudem werden die Emirate wegen der Menschenrechtssituation immer wieder an den Pranger gestellt – etwa von Amnesty International. Und auch die aktive Rolle der VAE im blutigen Konflikt im Jemen stößt auf heftige Kritik: Der Sunniten-Allianz, der die Emirate im Kampf gegen die dortigen schiitischen Houthi-Rebellen angehören, werden sogar Kriegsverbrechen vorgeworfen.

Speziell im Hinblick auf die Situation im Jemen, die die UNO als die schlimmste humanitäre Krise weltweit bezeichnet, wurde daher die Rede von Franziskus mit Spannung erwartet. Halten wollte er sie am Montag im Rahmen eines inter-religiösen Treffens. Organisiert wurde dieses vom Muslimischen Ältestenrat mit Sitz in Abu Dhabi. Daran nahmen 700 hochkarätige Vertreter der verschiedenen Religionen teil.

Und das Kirchenoberhaupt wurde konkret: „Die Brüderlichkeit verlangt von uns die Verpflichtung, jegliche Form der Billigung des Wortes Krieg zurückzuweisen.“ Die Religionen müssten „einen aktiven Beitrag zur Entmilitarisierung des menschlichen Herzens leisten“.  Denn „Krieg schafft nichts als Elend, Waffen schaffen nichts als Tod“, sagte Franziskus am Montag  im Rahmen eines interreligiösen Treffens.

 

130.000 Gläubige

Am Dienstag wird der Papst eine Messe im größten Stadion der Region feiern. 40.000 Menschen werden in dem Oval sein. Für die erwarteten weiteren 90.000 Gläubigen, die auch aus den Nachbarstaaten anreisten, wird die Liturgie auf dem Platz vor der Sporteinrichtung auf Videowänden zu sehen und hören sein. Damit alle Arbeitsmigranten, die dem Gottesdienst beiwohnen wollen, dies auch können, haben die Behörden der VAE den Dienstag kurzerhand zu einem Feiertag erklärt.

Für den Pontifex steht vor allem der Brückenschlag zu den Muslimen im Vordergrund. Zumal die katholische Kirche in diesem Zusammenhang heuer ein besonderes Jubiläum feiert: Im August jährt es sich nämlich zum 800. Mal, dass Franz von Assisi in Ägypten mit dem dortigen Sultan Malik al-Kamil zusammentraf. Der frühe Friedensgipfel fand inmitten der blutigen Kreuzzüge statt.

Glitzerfassade

Dass Franziskus mit Armen, Kranken oder Häftlingen, kurz: mit den Ausgestoßenen der Gesellschaft zusammenkommt, was er ansonsten auch auf Reisen gerne tut, war in diesem Fall nicht vorgesehen. Das passt nicht zur Glitzerfassade der Emirate.

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