Politik | Ausland
27.10.2018

Der Fall Khashoggi: Erdogans Trumpf gegen die Saudis

Die beiden Staaten verbindet eine lange, schwelende Rivalität an einer ganzen Reihe von Schauplätzen.

So wie Ankara derzeit häppchenweise Informationen über den Mord am Journalisten Jamal Khashoggi rausrückt, wirkt es, als habe die türkische Führung durchaus ihren Spaß daran, Saudi-Arabien zum Narren zu halten. Denn die beiden Staaten verbindet eine lange, schwelende Rivalität an einer ganzen Reihe von Schauplätzen quer durch den Nahen Osten bis an das Horn von Afrika.

Katar als Partner Ankaras

Es war im Juni des Vorjahres, als die Rivalität zwischen Ankara und Riad vor der Eskalation stand. Nachdem Saudi-Arabien mit den Vereinigten Arabischen Emiraten (UAE), Bahrain und Ägypten die Blockade Katars verhängt hatte, dauerte es gerade einmal zwei Tage, bis die Antwort aus Ankara kam: Die Türkei schickte Soldaten. Zuvor schon waren Schiffsladungen mit Alltagsgütern auf den Weg geschickt worden, nachdem alle Landgrenzen zu Katar blockiert waren. Die Forderung der Blockadestaaten um Saudi-Arabien nach einem sofortigen Abzug der Türken aus Katar wurde von Ankara klar zurückgewiesen.

Seit 2015 unterhalten die Armeen der Türkei und Katars enge Beziehungen. Heute sind geschätzte 3000 türkische Soldaten in Katar stationiert. Für das kleine Emirat mit seinen 300.000 Einwohnern ist die Präsenz der türkischen Einheiten in der Region ein zentraler Sicherheitsfaktor. Katar hält im Gegenzug Beteiligungen an türkischen Rüstungsbetrieben. Während der Lira-Krise in diesem Sommer investierte das Emirat zudem 15 Milliarden Dollar in der Türkei.

Im Gegenzug wiederum sind es türkische Baufirmen, die die Infrastruktur für Katars Prestige-Projekt, die Fußball-WM 2022, bauen.

Stellvertreterkonflikte

Mehr als an Stadien zu bauen, wirft Saudi Arabien der Türkei vor, eine Neuversion des Osmanischen Reichs errichten zu wollen. Aufgeschaukelt hatte sich der Konflikt in Syrien, wo sowohl die Saudis als auch Katar und die Türkei aktiv die Opposition unterstützt hatten. Dabei zogen die drei allerdings alles andere als an einem Strang.

Rückendeckung für Muslimbrüder

Im Zuge des Arabischen Frühlings hatten die Türkei und Katar in Ägypten, Tunesien und Libyen aktiv die Muslimbrüder oder ihnen nahe Gruppen unterstützt. So auch in Syrien. Saudi Arabien wiederum unterstützte diverse Kräfte – außer die Muslimbrüder, die die Legitimität des saudischen Königshauses nicht anerkennen.

In Tunesien sind die Muslimbrüder heute aber marginalisiert, in Ägypten wurden sie durch einen Militärputsch gestürzt. Militärmachthaber al-Sisi gilt als Riad-treu. In Syrien verhinderte die Rivalität zwischen Saudis und Katar sowie den Türken letztlich die Schaffung einer geeinten militärischen Opposition und begünstigte Rivalitäten wie auch Radikalisierung.

Dabei strahlt der Konflikt zwischen den beiden Blöcken bis in das Bürgerkriegsland Somalia. Die Türkei und Katar stützen dort die Regierung in Mogadischu und haben massiv in Infrastruktur und Häfen investiert. Die UAE wiederum haben sich in Häfen in den abtrünnigen somalischen Regionen Somaliland und Puntland eingekauft.