Ha Vinh Tho- am Dienstag, 19.30 Uhr,
mit Claudia Stöckl (Ö3) im Wiener Gartenbau-Kino.

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Bhutan
09/06/2016

Das Land, in dem Glück an erster Stelle steht

Ha Vinh Tho, der „Glücksminister“ des Himalayastaats Bhutan im Interview.

von Armin Arbeiter

In Bhutan steht das Glück an erster Stelle – sogar vor dem technischen Fortschritt. Als 1979 der damalige König Jigme Singye Wangchuck von einem Journalisten nach dem Bruttoinlandsprodukt seines Landes gefragt wurde, entgegnete er, dass er sich einer wirtschaftlichen Entwicklung verpflichtet fühle, die auch die buddhistischen Werte des Landes vertrete. Daraufhin gründete der König eine Kommission für das „Bruttonationalglück“, um in regelmäßigen Abständen die Zufriedenheit der Bevölkerung zu messen. Der KURIER hat Ha Vinh Tho, den „Glücksminister“ des Himalayastaats, über sein Land und seine Definition von Glück befragt.

KURIER: Wie misst man Glück professionell?
Ha Vinh Tho: Wir haben in Bhutan verschiedene Institutionen, die sich mit dem Glück befassen. Es gibt bei uns eine Entwicklungsphilosophie, wonach wir eine Balance zwischen Glück und technischem Fortschritt erreichen möchten. Alle drei Jahre finden Umfragen statt, dafür interviewen wir 7000 Menschen. Die Gespräche finden persönlich statt und wenn man bedenkt, dass wir 750.000 Einwohner haben, ist das schon eine große Zahl an Interviews. Dabei gehen wir nach ausgewählten Indikatoren vor: Wir haben Bereiche wie Einkommen, Erziehung, aber auch Zukunftshoffnungen oder das soziale Wohlgefühl. Natürlich kann man Glück nicht zu 100 Prozent messen, aber ich denke, dass wir doch ziemlich nahe herankommen.

Wie viel technischen Fortschritt benötigt ein Land, um glücklich zu sein? Immerhin ist Bhutan ein sehr armes Land.
Es ist bei uns mehr Infrastruktur nötig, nur wollen wir zugunsten der Natur den Fortschritt langsam einführen. Wir haben zum Beispiel Wasserkraftwerke, die die Natur nicht schädigen und exportieren mittlerweile einiges an Strom nach Indien. Natürlich muss noch viel weitergehen, aber dabei wollen wir behutsam vorgehen und sowohl die Bevölkerung als auch die Natur nicht überstrapazieren. Zu schnelle Modernisierung kann das Gleichgewicht rasch aus der Balance bringen.

Was wäre für Sie ein Muss an technischen Hilfsmitteln?
Ich könnte es vorzüglich in einer einsamen Hütte aushalten, wenn ich Solarstrom und Internet hätte. Es ist mir wichtig, mich mit all den interessanten Menschen, die ich kennengelernt habe, auszutauschen. Eventuell noch ein paar Küchengeräte, dann wäre es genug.

Sie sprechen viel von Glück, haben aber zum Beispiel das Rauchen in Bhutan verboten. Zwingen Sie ihre Bürger zum Glück?
Nein, Glück darf nicht erzwungen werden. Aber Rauchen ist nun einmal eine Droge. So wie in Österreich Haschisch verboten ist, verbieten wir den Import von Tabak, da er nichts mit unserer Kultur zu tun hat. Alkohol ist aber erlaubt – den bereiten wir seit Jahrhunderten zu.

Was ist Glück für Sie?
Es gibt zwei Arten von Glück. Einerseits die Hedonia, das sind die eigenen Freuden, wie ein schöner Spaziergang in den Bergen oder das Verliebtsein. Dann gibt es Eudaimonie – das steht für ein erfülltes, ein gutes Leben, ein dauerhaftes Glück. Ich glaube, dass man Glück damit erreichen kann, wenn man Dinge tut, die man für gut und sinnvoll hält, ein gutes Verhältnis zu seinen Mitmenschen führt und mit der Natur im Reinen ist. Dann entsteht für mich Glück.