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Politik Ausland
03/03/2021

"Das ist verrückt!": Texas hebt alle Corona-Maßnahmen auf

Der 29-Millionen-Einwohner-Staat - natürlich republikanisch regiert - stellt sich gegen die Bundeslinie und hebt alle Restriktionen auf. Für die einen Grund zum Jubeln, für die anderen kompletter Irrsinn.

"Jetzt ist die Zeit, Texas 100 Prozent zu öffnen." Der republikanische Gouverneur von Texas, Greg Abbott, sieht die Zeit der Einschränkungen vorbei. Angesichts der fortschreitenden Impfkampagne sei es nun Zeit für Lockerungen. "Das muss ein Ende haben", sagt er – ab Mittwoch gebe es keine Maskenpflicht mehr, die Kapazitätsgrenzen seien aufgehoben.

Texas wendet sich damit gegen die von Präsident Joe Biden vorgegebene Linie. Die Regierung dort führen die Republikaner, der Schritt hat damit auch politischen Hintergrund. Denn die Zahlen allein geben Öffnungsschritte nicht her: Von den 29 Millionen Texanern sind gerade mal sieben Prozent geimpft, zuletzt stiegen sie Infektionszahlen auch wieder. „Das ist verrückt“, so der Kommentar von Gilberto Hinojosa, Chef der texanischen Demokraten. 43.000 Tote hat der Bundesstaat bisher zu beklagen.

„Ein Schlag ins Gesicht“

„Das ist ein Schlag ins Gesicht für die Arbeiter, speziell die an der Corona-Frontlinie, die ihre Leben riskieren“, ärgert sich auch Emily Timm von der Gewerkschaft Workers Defense Action Fund. Auch die Bürgermeister mehrere Großstädte, darunter die Metropole Austin, stemmen sich gegen die Lockerung. "Wir als Staat sollten von Daten und Wissenschaft geleitet sein. Und die besagt, dass wir weiter Masken tragen sollen“, sagt Austins Bürgermeister Steve Adler.

Der Schwenk des texanischen Gouverneurs kommt nach einem anderen Desaster – vor Kurzem hatte der Bundesstaat wegen massiver Schneestürme unter einer noch nie da gewesenen Energiekrise gelitten. Das staatliche Missmanagement wurde angeprangert – für manche Beobachter ist das der Grund für die schnellen Lockerungen: Gouverneur Abbott wolle von dem katastrophalen Versagen ablenken, zudem wolle er sich die extrem rechte Wählerschaft zurückholen, die sich wegen der strengen Pandemie-Maßnahmen vergangenen Sommer verprellt fühlte, mutmaßen die Demokraten.

In den kommenden Wochen stehen zudem einige potenzielle Superspreader-Events in Texas an. In Corpus Christi und Rio Grande Valley, beide am Meer gelegen, werden etwa im Frühling Tausende Party-Studenten erwartet. „Wir werden am 4. Juli und am Memorial Day wieder massive Steigerungsraten sehen“, prognostiziert Demokraten-Chef Hinojosa.

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