Was hinter Damaskus’ Alkoholverbot steckt

In Damaskus wird der Alkohol verboten. Die Stadtbevölkerung protestiert gegen die Einschränkung ihrer Rechte.
Die Damaszener protestieren gegen das Alkoholverbot der HTS-Regierung

Von Timo Buchhaus

Damaskus' kulturelles Leben ist so vielfältig wie seine Einwohner: Sunniten, Alawiten, Christen, Drusen, gläubige und säkulare Bevölkerungsgruppen leben hier auf engem Raum miteinander. Genau wie Tabak und Marihuana hat hier auch der Alkohol eine lange Geschichte. Er wird als Kulturgut geschätzt und etwa als Arak – ein traditioneller Anisschnaps – genossen.

In Damaskus wird Alkohol nun aus den Regalen und von den Karten genommen. Das hat die islamistische HTS von Interimspräsident Ahmed al–Sharaa, die die Stadtregierung stellt, beschlossen. Die Einwohner der Stadt protestierten heftig dagegen.

Innenpolitischer Kampf

Die HTS-Regierung will damit laut eigener Aussage die „öffentliche Moral“ fördern. Eine Prohibition – wie in den USA der 1920er – gibt es noch nicht, dafür ein Verkaufsverbot im Umkreis von Moscheen oder öffentlichen Gebäuden – in Damaskus gibt es davon Tausende.

SYRIA-LIFESTYLE-ALCOHOL

Barbesitzer haben drei Monate Zeit den Betrieb umzustellen.

Nach einem öffentlichen Aufschrei gewährte man zumindest den christlichen Bezirken in der Stadt eine Ausnahmeregelung. Kritiker befürchten in der Regelung einen Angriff auf den Lebensstil säkularer Muslime.

Die neuen Regelungen stehen im Kontext innenpolitischer Spannungen. Einerseits will die Führung gute Beziehungen zum Westen, der die Sanktionen aufhob, nachdem Assads Regime fiel. Andererseits gibt es starke fundamentalistische Kräfte im Land: Neben HTS selbst, die an vielen Orten Syriens begonnen hat, Frauenrechte einzuschränken, sind das übrig gebliebene Islamisten aus Assads Machtapparat. Ihnen gestattete Assad Zugeständnisse, etwa im Bildungsbereich. Forderungen nach einer restriktiveren Auslegung des Islams, die ihnen Assad nicht gewährt hatte, könnten unter der neuen Führung umgesetzt werden.

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