Schüsse bei Anti-Rassismus-Demo in Dallas: Fünf Polizisten getötet

Heckenschützen haben insgesamt elf Polizisten getroffen, fünf davon tödlich. Mehrere Festnahmen, ein verschanzter Verdächtiger tot.

  Bei den Protesten kam es Donnerstag Nacht zur Schießerei.          

Was wir wissen

  • Am Donnerstag fanden unter dem Motto "Black Lives Matter" US-weit Kundgebungen gegen Polizeigewalt gegen afroamerikanische Bürger statt.
  • Bei der Demo in Dallas, US-Bundesstaat Texas, tötete ein Heckenschütze fünf Polizisten, sechs weitere wurden verletzt.
  • Der 25-jährige Täter wurde schließlich von einer Bombe der Polizei getötet, die sie mittels eines Roboters zu ihm transportierte.
  • Mehrere Verdächtige wurden festgenommen, laut aktuellsten Informationen hatten sie nichts mit der Tat zu tun.
  • Präsident Obama verkürzt seine Europa-Reise aufgrund dieser Vorfälle.

"Das Ende ist nah!"

Ein Heckenschütze hat während einer Protestaktion gegen Polizeigewalt in der US-Metropole Dallas am Donnerstagabend (Ortszeit) fünf Beamte erschossen. Es war laut CNN der folgenschwerste Angriff auf US-Polizisten seit dem 11. September 2001.

Der Verdächtige, der sich nach der Tat in einem Parkhaus verschanzt hatte, wurde von der Polizei mittels einer Bombe getötet, die sie mit einem Roboter zum Verdächtigen gebracht hatte.  Er hatte damit gedroht, mehrere Bomben in der Stadt versteckt zu haben und schrie immer wieder "Das Ende ist nah!". Laut Medienberichten handelt es sich bei dem Schützen um einen 25-Jährigen Texaner namens Micah Johnson, ein Armee-Reservist und Afghanistan-Veteran. Johnson war CNN zufolge in Dallas mit einem Gewehr und einer Pistole bewaffnet. Außerdem soll er gepanzerte Schutzkleidung getragen haben.

Die Polizei fand nach eigenen Angaben in der Wohnung des Schützen jede Menge Waffen und paramilitärisches Material, auch zum Bombenbau. Bei ihm zuhause seien auch Schutzwesten, Munition, Gewehre und ein Handbuch für den bewaffneten Kampf gefunden worden. Außerdem seien afro-nationalistische Schriften aufgetaucht.

Laut Polizeiangaben hat der Verdächtige gegenüber Beamten auch erklärt, auf weiße Polizisten abgezielt zu haben. “Er sagte er sei aufgebracht wegen der jüngsten Schießereien, er sei gegen Weiße aufgebracht. Der Verdächtige sagte, er wolle Weiße töten, insbesondere weiße Polizisten", sagte der Polizeichef von Dallas bei einer Pressekonferenz.

Polizeichef: "Er sagte, dass er mehr von uns töten wird"

David Brown Foto: AP/Tony Gutierrez Polizeichef David Brown Er gab an, "überall" in dem Parkhaus und in der Innenstadt Bomben gelegt zu haben, wie Polizeichef David Brown Freitag Morgen erklärte. In der Nacht lieferte er sich immer wieder Schusswechsel mit der Polizei. Der Verdächtige "hat unseren Vermittlern gesagt, dass das Ende kommt und dass er mehr von uns verletzen und töten wird, also Polizeibeamte", sagte Brown. Medienberichte, wonach er sich selbst getötet haben soll, wurde seitens der Polizei vorerst nicht bestätigt.

Verdächtiger war in Afghanistan

Die Los Angeles Times und der Sender CBS berichteten, Johnson habe keine kriminelle Vergangenheit, auch gebe es keine bekannten Verbindungen zu terroristischen Gruppen. Es heißt, er habe bei seiner Mutter in Mesquite gelebt, das grenzt unmittelbar an Dallas. Der Mann sei als Maurer ausgebildet worden.

Wie das US-Verteidigungsministerium mitteilte, war Johnson ein aus Afghanistan zurückgekehrter Reservist der US-Armee. Demnach war er von November 2013 bis Juli 2014 am Hindukusch im Einsatz.

Demo "Black Lives Matter" gegen Polizeigewalt

US-CRIME-POLICE-SHOOTING Foto: APA/AFP/LAURA BUCKMAN Protestkundgebung in Dallas, vor den Schüssen Mehrere hundert Menschen protestierten am Donnerstag im gesamten Land, so auch in der texanischen Metropole Dallas, gegen die Polizeigewalt gegen Afroamerikaner - erst am Dienstag und Mittwoch waren zwei Schwarze bei Polizeieinsätzen in Minnesota und Louisiana getötet worden. Die Fälle sorgten landesweit für Empörung.

Gegen Ende der Protestkundgebung eröffneten Heckenschützen das Feuer und töteten fünf Polizisten. Sechs weitere wurden nach Polizeiangaben verletzt, zwei davon schwer, auch ein Zivilist wurde getroffen. Das Motiv war zunächst unklar. Nach Angaben der Polizei von Dallas hatten die Täter ihren Angriff sorgfältig vorbereitet und setzten Scharfschützengewehre ein. Zum Teil hätten sie aus einer erhöhten Position heraus geschossen.

Dallas Police respond after shots were fired at a … Foto: AP/Smiley N. Pool Bisher sollen drei Personen festgenommen worden sein, darunter eine Frau. Eine Person stellte sich laut Dallas Daily News freiwillig. Ein Verdächtiger sei nach einer Schießerei mit Spezialeinsatzkräften gestellt worden, erklärte die Polizei. In der Nähe wurde demnach auch ein verdächtiges Paket gefunden.

Obama: "Es handelt sich nicht um Einzelfälle"

Präsident Barack Obama äußerte sich entsetzt. "Es handelt sich nicht um Einzelfälle", sagte er in Warschau, wo er an einem NATO-Gipfeltreffen teilnimmt. Die Tat erfülle ihn mit Abscheu. Er sprach von einer gezielten Attacke auf Polizisten. Obama sagte den Behörden in der texanischen Stadt seine vollste Unterstützung zu. Über die jüngsten Entwicklungen in Dallas lasse er sich laufend unterrichten, sagte sein Sprecher.

Video zeigt Hinrichtung eines Polizisten

Bürgermeister Mike Rawlings forderte die Bewohner der Stadt auf, sich zumindest in der Früh vom Tatort fernzuhalten. Weite Bereiche der Innenstadt, wo sich viele Firmensitze, Gerichtsgebäude und Restaurants befinden, waren abgesperrt. Nach den Schüssen auf die Polizisten war Panik ausgebrochen. "Wir dachten, die schießen auf uns. Es war das totale Chaos." Ein Augenzeuge filmte aus einem Hotel heraus einen der Schützen. Als sich ein Polizist dem Mann genähert habe, habe dieser den Beamten regelrecht hingerichtet, sagte Ismael Jesus, dessen Aufnahmen von dem US-Sender CNN veröffentlicht wurden.

Hubschrauber waren im Einsatz

US-FIVE-POLICE-OFFICERS-KILLED-DURING-ANTI-POLICE- Foto: APA/AFP/GETTY IMAGES/Ron Jenkins Die US-Luftfahrtbehörde FAA richtete eine Flugverbotszone ein. Zahlreiche Polizeihubschrauber waren im Einsatz. Im Ballungsraum von Dallas und der Nachbarstadt Fort Worth leben mehr als sieben Millionen Menschen.

Angespannte Lage - immer wieder Gewalt

Wegen Polizeigewalt gegen Schwarze in Städten wie Ferguson, Baltimore oder New York kommt es in den USA seit zwei Jahren immer wieder zu Protesten. Besonders groß ist die Empörung, wenn beteiligte Beamte in Prozessen freigesprochen werden oder niemand angeklagt wird. "Wir leben in einer rassistischen Gesellschaft, in der die Menschenleben von Schwarzen keine Rolle spielen", sagte der Demonstrant Thomas Michaels in der Stadt St. Paul in Minnesota.

Jüngster Vorfall am Mittwoch

A man shows newspapers as people take part in a pr Foto: REUTERS/EDUARDO MUNOZ In Falcon Heights (Minnesota) wurde am Mittwoch der 32-jährige Philando Castile bei einer Fahrzeugkontrolle getötet. Ein Polizist hatte mehrfach auf ihn geschossen. Der Gouverneur von Minnesota, Mark Dayton, sagte, das gewaltsame Vorgehen der Polizisten gegen Castile sei "bei weitem übertrieben" gewesen. Präsident Obama erklärte, die Vorfälle in Louisiana und Minnesota seien "symptomatisch für die größeren Herausforderungen in unserem Justizsystem, die Rassenungleichheiten". Zugleich sprach er der Mehrheit der US-Polizisten aber "Respekt" und "Anerkennung" aus.

Wahlkampf

Das Thema dürfte auch im Wahlkampf eine Rolle spielen. So erklärte die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton bereits am Mittwoch, Vorfälle wie in Louisiana beschädigten das Vertrauensverhältnis zwischen den Bürgern und der Polizei. Viele Amerikaner hätten den Eindruck, sie würden wegen ihrer Hautfarbe weniger wertgeschätzt als andere. Nach einer Zählung der Washington Post sind in diesem Jahr mindestens 509 Menschen von der Polizei erschossen worden, unter ihnen 123 Schwarze und 238 Weiße.

Chronologie

Tödliche Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA

In der US-Stadt Dallas fielen bei einem Protestmarsch gegen Polizeigewalt tödliche Schüsse auf Beamte. Zuvor waren kurz nacheinander zwei Schwarze von Polizisten erschossen worden. Das brutale Vorgehen weißer US-Polizisten gegen Schwarze sorgt seit Jahren für Schlagzeilen. Fälle aus jüngerer Zeit:

Juli 2016: In Falcon Heights (Minnesota) stirbt der 32-jährige Philando Castile im Krankenhaus, nachdem ein Polizist bei einer Fahrzeugkontrolle mehrfach auf ihn geschossen hatte. Nur einen Tag zuvor hatten zwei Beamte in Baton Rouge (Louisiana) den 37-jährigen Alton Sterling auf einem Parkplatz zu Boden gezwungen und ihn aus nächster Nähe erschossen.

Mai 2016: Am Steuer eines gestohlenen Autos wird eine junge Afroamerikanerin in San Francisco von einer Polizeikugel tödlich getroffen. Auf Druck des Bürgermeisters nimmt der Polizeichef seinen Hut.

Dezember 2015: In Chicago erschießen Polizisten eine fünffache Mutter und einen Studenten. Beide sind schwarz. Der 19-Jährige hatte seinen Vater mit einem Baseballschläger gedroht, die Nachbarin wird nach Polizeiangaben aus Versehen getroffen.

Juli 2015: Ein Polizist erschießt in Cincinnati (Ohio) bei einer Verkehrskontrolle einen unbewaffneten Schwarzen. Sein Wagen hatte vorne kein Nummernschild.

April 2015: Der Afroamerikaner Freddie Gray stirbt in Baltimore (Maryland) an den Folgen einer Rückenverletzung. Er war in Polizeigewahrsam misshandelt worden. Es kommt zu schweren Krawallen. Zwei von sechs Polizisten, die angeklagt wurden, wurden bisher freigesprochen.

April 2015: In North Charleston (South Carolina) erschießt ein Polizist einen flüchtenden, unbewaffneten Schwarzen von hinten. Der auf einem Video festgehaltene Fall sorgt international für Aufsehen.

März 2015: Tödliche Schüsse auf einen unbewaffneten jungen Schwarzen lösen in Madison (Wisconsin) Proteste aus. Angeblich schoss der Polizist in Notwehr.

Dezember 2014: Ein vierfacher schwarzer Familienvater wird in Phoenix (Arizona) nach einer Polizeikontrolle erschossen, weil er seine Hand nicht aus der Hosentasche nehmen wollte. Darin waren Tabletten und keine Waffe. Es kommt zu einer landesweiten Protestwelle.

August 2014: Der unbewaffnete schwarze Teenager Michael Brown wird in Ferguson bei St. Louis (Missouri) von einem Polizisten erschossen. Der Vorfall löst schwere Unruhen aus. Später tritt der Polizeichef von Ferguson zurück - nach einem Bericht des Justizministeriums über weit verbreiteten Rassismus bei der Polizei. Mittlerweile ist dort ein Schwarzer Polizeichef.

(APA, red / sho) Erstellt am
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