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Politik Ausland
01/06/2020

Cyberangriff auf IT-Systeme des Außenministeriums geht weiter

Das Problem wurde rasch erkannt, aber nicht gelöst. Ob Daten – und wenn ja, welche Daten – gestohlen wurden, bleibt geheim.

von Susanne Bobek

Im Außenamt am Wiener Minoritenplatz gab man sich auch am Tag drei nach dem Datenangriff äußerst zugeknöpft. „Aus taktischen Gründen“ wurde nur verraten, dass der Angriff, der am Samstag um 23 Uhr entdeckt wurde, auch am Montag noch weiterlief und wohl noch mehrere Tage nicht gestoppt werden kann.

Wegen der rasenden Geschwindigkeit der Digitalisierung sind sichere IT-Systeme eine Illusion. Hackerangriffe stehen auf der Tagesordnung. Weder das Pentagon noch der deutsche Bundestag waren gut genug dagegen geschützt. Cyber-Banditen, egal ob von den Russen oder den Chinesen gesteuert, fanden bisher immer irgendwo ein Schlupfloch, um in die Netze einzudringen.

Der „schwerwiegende Angriff“ auf die IT-Systeme des Außenministeriums dauert an. „Es könnte noch mehrere Tage dauern,“ sagt Außenamtssprecher Peter Guschelbauer. Spezialisten des Innenministeriums sind in die „technischen Gegenmaßnahmen“ eingebunden. Aufgrund der Schwere und der Art des Angriffs liege die Vermutung nahe, dass ein „staatlicher Akteur“ dahinter stecke. Aber solange man nicht weiß, welche Daten abgeflossen sind oder verändert wurden, erübrigt sich jede Spekulation.

Angriff auf andere EU-Länder

Einen ähnlichen Angriff gab es vor einiger Zeit in Belgien. Auch dort war das Außenministerium Ziel der Angreifer. Auch andere EU-Staaten wurden angegriffen. Umgekehrt war es den Belgiern gelungen, eine Cyberattacke gegen Amaq, die Presse- und Propagandazelle der Terrorgruppe „Islamischer Staat“, durchzuführen. Nach dem Cyberangriff im November war der IS nicht mehr im Internet aktiv, musste viel Zeit und Geld opfern, um seine Seiten wieder zu aktivieren. Seit Estland 2007 einer großen Cyberattacke zum Opfer fiel, wissen alle, wie angreifbar die digitale Welt ist. Damals waren Banken, Behörden, Polizei und Regierung tagelang offline.

„Theoretisch genügen ein paar intelligente Burschen mit einem Internetanschluss, um immensen Schaden anzurichten“, sagt Artur Suzik, der ehemalige Leiter eines Cyber-Abwehrzentrums der NATO.

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