Es waren russische Hacker: Außenministerium in Wien bestellt Botschafter ein
Hinter vorgehaltener Hand war es im österreichischen Außenministerium schon vor sechs Jahren zu hören: Damals, zum Jahreswechsel 2019/2020, als das Haus der österreichischen Diplomatie in Wien wochenlangen Cyberangriffen ausgesetzt und teilweise lahmgelegt war, hatte man gleich russische Akteure im Verdacht.
Offiziell ausgesprochen und klar den Schuldigen benannt hat man dies allerdings erst – am Dienstag.
Dahinter steckte „Turla“, eine der berüchtigtsten Cyberspionage-Gruppierungen des russischen Nachrichtendienstes FSB. Sie wird als Einheit höchstwahrscheinlich dem ebenso berüchtigten „Center 16“ zugeschrieben. Jüngster Sabotageakte von „Turla“: Ihre Hacker sollen gegen die Wasserversorgung und den Energiesektor in Polen vorgegangen sein.
Die EU hat nun erstmals eine Reißleine gegen die staatlich unterstützen russischen Cyberkriminellen gezogen. „Wir verstecken uns nicht hinter diplomatischen Floskeln, sondern benennen die Verantwortlichen und reagieren“, hieß es am Dienstag in einem Statement von Außenministerin Beate Meinl-Reisinger. Zusammen mit den anderen Außenministern der EU verabschiedete die Europäische Union erstmals Sanktionen wegen Cyberangriffen gegen neun russische Einzelpersonen und vier Unternehmen.
Russischen Botschafter einbestellt
Zudem bestellte Außenministerin Meinl-Reisinger gestern den russischen Botschafter ein. „Wir machen dem russischen Botschafter in Österreich unmissverständlich klar: Cyberangriffe auf Österreich sind inakzeptabel“, sagte sie.
Auch in Deutschland, Frankreich und anderen EU-Ländern wurden den diplomatischen Vertreter Russlands kommuniziert, dass die EU künftig härter reagieren werde.
„Turla“ – was so viel bedeutet wie Schlange – hat in den vergangenen 20 Jahren in über 50 Ländern zugeschlagen, meist in Osteuropa, besonders in der Ukraine, aber auch in Frankreich war die Cybergruppe höchst aktiv. Opfer in verschiedensten Branchen wurden kompromittiert, darunter Regierungsbehörden, Botschaften, Militär, Bildungs- und Forschungseinrichtungen, Pharma-Unternehmen, aber auch Privatpersonen.
Die Angreifer infizieren ihre Opfer sowohl mit gezielten Spear-Phishing-E-Mails als auch mit sogenannten Watering-Hole-Angriffen. Watering Holes sind Webseiten, die häufig von potenziellen Opfern besucht werden. Diese Webseiten werden von den Angreifern im Voraus kompromittiert und mit Schadcodes versehen.
Meinl-Reisinger: „Cyberangriffe bedrohen unsere Sicherheit: Wenn Zahlungssysteme ausfallen, Bahnsysteme oder Krankenhäuser angegriffen werden, betrifft das jeden und jede Einzelne. Europa erlebt immer mehr solcher Attacken, und einer der Hauptakteure ist Russland.“
In Frankreich hat „Turla“ zuletzt ein Forschungsinstitut angegriffen, das an sensiblen Technologien für die Verteidigungsindustrie arbeitet. Das habe, wie die Regierung bestätigte, zum „Abfluss einer beträchtlichen Datenmenge“ geführt.
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