FILE PHOTO: Vaccination campaign against COVID-19 in Bierset

© REUTERS / YVES HERMAN

Politik Ausland
06/29/2021

Muss Israel fast eine Million Impfdosen wegwerfen?

1,4 Millionen Impfdosen laufen mit Ende Juli ab. Findet sich kein Käufer, landen zumindest 800.000 davon im Müll. 600.000 Dosen hofft man, noch verimpfen zu können.

von Josef Siffert

Käufer gesucht: Israel sucht dringend Käufer für zumindest 800.000 Impfdosen des Biontech/Pfizer-Impfstoffes. Ende Juli laufen in Summe 1,4 Millionen Impfdosen ab. 600.000 Dosen hofft man noch rechtzeitig verimpfen zu können. 300.000 Jugendliche im Alter zwischen 12 und 15 Jahren sollen damit vollimmunisiert werden.

Drei Kaufinteressenten soll es bereits geben, Gespräche seien am Laufen, schreibt die Tageszeitung Haaretz ohne weitere Details zu nennen. Israel könnte auch mit der Option leben, die Impfdosen zu tauschen. Sprich: Israel würde die Vakzine jetzt liefern und zu einem späteren Zeitpunkt zurückfordern.

Mitte Juni erst platzte ein Tauschgeschäft mit der Palästinensischen Autonomiebehörde. Eine Million Dosen hätte Israel liefern wollen, 100.000 Dosen sind auch tatsächlich ins Westjordanland geschickt worden. Doch der Deal wurde von der Autonomiebehörde abgesagt. Die Impfdosen entsprächen nicht den Vorgaben, so ein Sprecher mit Verweis auf deren baldiges Ablaufdatum.

Der Zeitpunkt die Impfdosen veräußern zu wollen, ist an sich ein günstiger. Durch den rasanten, weltweiten Vormarsch der Delta-Variante, versuchen viele Länder das Impftempo zu steigern bzw. den Abstand zwischen erster und zweiter Impfung zu verkürzen – auch Österreich.

Entwicklung "besorgniserregend"

9,3 Millionen Einwohner wohnen in dem Mittelmeerstaat, 10,7 Millionen Impfdosen wurden bereits in die Oberarme der Israelis gespritzt. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist bereits voll immunisiert (57%). Nichts desto trotz steigen die Neuinfektionen seit rund einer Woche rasant an – der Delta-Variante ist diese Entwicklung geschuldet. Rund 90 Prozent der neuen Fälle gehen auf die zuerst in Indien entdeckte Variante zurück.

Von gestern auf heute wurden landesweit 283 neue Fälle gemeldet. Dies ist die höchste Zahl seit April. Die meisten der Infizierten sind Kinder.

Dabei hat Mitte Juni noch alles so gut ausgesehen: Die Neuinfektionen bewegten sich nur noch im einstelligen Bereich, die Corona-Maßnahmen wurden weitgehend gelockert, die Masken fallen gelassen. Viele Israelis sahen die Corona-Pandemie schon beinah als Relikt der Vergangenheit an.

Die steigende Zahl an Infizierten ist wohl überwiegend auf Menschen zurückzuführen, die infiziert aus dem Ausland zurückkommen und sich nicht an die Quarantäne-Auflagen halten. "Die Einhaltung der Quarantäne ist unsere Achillesferse", sagte der Corona-Beauftragte Nachman Asch dem israelischen Fernsehen. "Quarantäne-Brecher sind das Problem von uns allen - auf diese Weise breitet sich die Krankheit im Moment aus."

Epidemiologe Hajo Zeeb nannte die Entwicklung "besorgniserregend" – weil trotz der hohen Impfquote "mit einem sehr gut wirksamen Impfstoff wieder Ausbrüche stattfinden.“ Vergangenen Freitag führte die Regierung schließlich die Maskenpflicht in geschlossenen Räumen wieder ein. Ministerpräsident Naftali Bennett warnte vor einem "neuen Ausbruch" des Coronavirus.

Heute bekräftige der neue Ministerpräsident einmal mehr, sich impfen zu lassen. Vor allem an Jugendliche richtete sich sein Appell. Israel befinde sich in einem "Wettlauf gegen die Zeit". Denn gerne würde Bennett an seinem Credo "Impfungen statt Lockdowns, Masken statt Beschränkungen" festhalten.

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