Alarmstufe Rot auch in Prag, doch härte Maßnahmen werden abgelehnt

© EPA/MARTIN DIVISEK

Politik Ausland
11/17/2021

Corona-Hotspot Tschechien – Soldaten helfen in Spitälern

Mit 22.479 Neuinfektionen in 24 Stunden und einer Sieben-Tage-Inzidenz von 813 legt unser Nachbar neue Rekordwerte vor.

von Susanne Bobek

Die Tschechen tragen nicht gerne Masken, jedenfalls lassen die meisten die Nase frei und verwenden die Maske als Kinnschutz.

„Es gibt Fälle, dass in einem Fußballstadion, in dem 15.000 Zuschauer sind, fast keiner eine Maske trägt. Die Kontrollen am Eingang sind mangelhaft. Jedem dürfte klar sein, dass dies nicht ideal ist und sich daraus nichts Gutes ergeben kann“, sagte der Epidemiologe Rastislav Madar am Sonntag zur besten Sendezeit im tschechischen Fernsehen.

Es hilft nichts: Die  Corona-Neuinfektionszahlen explodieren. Tschechien hat 10,69 Millionen Einwohner und eine Sieben-Tage-Inzidenz von 813. Am Mittwoch meldete das Gesundheitsministerium in Prag 22.479 neue bestätigte Coronafälle innerhalb von 24 Stunden. Der bisherige Höchststand lag bei 17.778 Fällen am 6. Jänner.

In den Krankenhäusern werden aktuell mehr als 4.400 Corona-Patienten behandelt, von denen sich mehr als 660 in einem ernsten Zustand befanden. Am stärksten betroffen sind derzeit die östlichen Verwaltungsregionen Mährisch-Schlesien und Olomouc (Olmütz).

Erstmals seit Monaten müssen daher auch wieder Soldaten in den überlasteten Krankenhäusern und Altersheimen Hilfe leisten. Sie sollen unter anderem als Hilfskräfte im Pflegedienst eingesetzt werden. Bis zu 900 Militärangehörigen werden in diesen Einsatz geschickt.
Viele Krankenhäuser verschieben planbare Operationen, darunter die Unikliniken in Brünn (Brno) und Pilsen (Plzen).

Schlechte Impfquote

Nur knapp 6,2 Millionen der 10,7 Millionen Einwohner des Landes sind vollständig geimpft.

Die Regierung will am Donnerstag über weitere Verschärfungen der Corona-Maßnahmen beraten. Als eine Option wird über eine 2- G-Regel (genesen, geimpft) für Gastronomie- und Beherbergungsbetriebe nachgedacht. Derzeit genügt dort auch ein negatives Testergebnis. Seit Montag genügt dafür allerdings nicht mehr ein Antigen-Test, sondern nur noch ein PCR-Test.  Und an den Unis müssen Studierende in Gruppen ab 50 Teilnehmern während der Vorlesungen Mundschutz tragen.

Schüler nicht getestet

In Tschechien gibt es keine Schultestungen wie in Österreich. Erst am 22. und am 29. November sollen nichtgeimpfte Schüler in ganz Tschechien getestet werden. Ob aber in Zukunft auch strenger kontrolliert werden wird, erscheint vielen Experten  äußerst fraglich.

Das Kabinett unter Ministerpräsident Andrej Babis ist nach seiner Niederlage bei der Parlamentswahl Anfang Oktober nur noch geschäftsführend bis zur Ernennung einer neuen Regierung im Amt.

Über die 2-G-Regel gab es kein Übereinkommen. Hingegen waren sich der geschäftsführende Gesundheitsminister Adam Vojtech (parteilos) und das AntiCovid-Team darin einig, dass die Impfungen, insbesondere die Booster-Impfungen bei gefährdeten Bevölkerungsgruppen, gefördert werden sollen.
Gesundheitsminister Adam Vojtech: „Mobile Impfteams fahren nun vor allem in soziale Einrichtungen. Wir wollen die Impfung mit der dritten Dosis möglichst beschleunigen. Ihre Verabreichung nach sechs Monaten bei Risiko-Gruppen halten wir für sehr wichtig.

Auch Ausländer, die in Tschechien mit einem Daueraufenthaltsrecht leben, dürfen sich nun gratis impfen lassen.

Für Deutschland macht es wenig Unterschied: Österreich, Tschechien und Ungarn gelten als Hochrisikogebiete. Wer nicht geimpft oder genesen ist, muss bei der Rückkehr aus diesen Ländern nach Deutschland in Quarantäne. Ungeimpfte Berufspendler aus Tschechien müssen in Deutschland bei Kontrollen nachweisen, dass sie zweimal pro Woche getestet werden. Sie brauchen außerdem eine Bescheinigung des Arbeitgebers, dass sie in Deutschland arbeiten. Ungeimpfte Tschechen, die aus anderen Gründen im sogenannten kleinen Grenzverkehr, also für höchstens 24 Stunden, nach Deutschland reisen, müssen einen aktuellen Testnachweis dabeihaben. Geimpfte und Genesene mit Nachweis sind für Tagesausflüge von der Testpflicht ausgenommen.

Einreise nach Österreich

Nach Österreich einreisende Tschechen, die nicht geimpft sind, müssen   (oder müssten) einen negativen PCR-Test mitführen, der nicht älter als 72 Stunden sein darf, heißt es auf der Homepage des Außenministeriums. Kontrolliert wird allerdings nur stichprobenartig.

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