Scott Morrison.

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Politik Ausland
12/20/2019

Waldbrände in Australien: Premier empört mit Geheimurlaub

Scott Morrison entrüstet viele Landsleute mit einer Privatreise nach Hawaii, während Feuerwehrleute im Einsatz starben.

Der australische Premierminister Scott Morrison hat mit seiner Abwesenheit während der verheerenden Buschbrände in seinem Heimatland scharfe Kritik ausgelöst. Der Regierungschef von der Liberal Party machte ausgerechnet Familienurlaub auf Hawaii. Diesen hat er mittlerweile abgebrochen.

Sollten sich die von den Bränden Betroffenen durch seine Reise angegriffen fühlen, bedaure er dies "zutiefst", erklärte Morrison am Freitag.

Am Donnerstag waren die zwei Feuerwehrmänner Geoffrey Keaton und Andrew O'Dwyer im Kampf gegen die seit Wochen wütenden Buschbrände ums Leben gekommen. Nach ihrem Tod werde er so schnell wie möglich zurückkehren, fügte Morrison hinzu.

Beim Einsatz der Männer in Buxton rund hundert Kilometer südwestlich der Metropole Sydney war ihr Feuerwehrauto gegen einen Baum gekracht. Drei weitere Feuerwehrleute wurden bei dem Unfall verletzt.

Urlaubsort zunächst geheim

Morrisons Abwesenheit war heftig kritisiert worden. Der Urlaub löste Proteste und wütende Kommentare auf Twitter unter dem Hashtag #WhereIsScomo ("Wo ist Scott Morrison?") aus. Der Druck auf den Premier erhöhte sich noch, als dessen Büro sich zunächst weigerte, seinen Aufenthaltsort preiszugeben.

"Wir sehen einen absoluten Mangel an Führungsstärke dieser Regierung, und es ist eine Schande", sagte Leighton Drury, Vorsitzender einer Feuerwehrgewerkschaft. "Wo zum Teufel sind Sie?", fragte er an Morrison gewandt.

Die Behörden hatten wegen der Brände am Donnerstag einen sieben Tage langen Ausnahmezustand in New South Wales ausgerufen. In dem Bundesstaat toben seit Wochen rund hundert Buschbrände, von denen bisher nur rund die Hälfte unter Kontrolle gebracht werden konnte.

Bis zu 49,8 Grad

Zugleich herrscht in diesem Dezember in Australien eine Rekordhitze. Man verzeichnete am Dienstag einen landesweiten Rekord von 40,9 Grad Celsius, am Mittwoch gleich einen weiteren von 41,9 Grad. Dies sind die Durchschnittswerte der landesweiten Höchsttemperaturen. Die bisherige Höchstmarke lag davor bei 40,3 Grad und wurde im Jänner 2013 gemessen. Im Bundesstaat New South Wales wurde es bis zu 45 Grad heiß, in der Millionenstadt Sydney bis zu 36 Grad. Der heißeste Ort in Australien war diese Woche Eucla mit einem Spitzenwert von 49,8 Grad.

Im Clinch mit Klima-Aktivisten

In seinem Heimatland steht Premier Morrison schon länger in der Kritik, weil Australien am dort weit verbreiteten Kohlebergbau festhält. Der Premier sagte auch schon öfter, es gebe "keinen glaubhaften Beweis" für den Zusammenhang zwischen der Klimakrise und den Bränden in seinem Land. Von Klima-Aktivisten erntete er dafür heftige Kritik.

Anfang November ließ Morrison international mit seinem Vorstoß aufhorchen, bestimmte Klimaproteste verbieten zu lassen, weil sie der Bergbauindustrie schaden würden. Sein Aufruf folgte der Festnahme etlicher Demonstranten bei Protesten gegen eine internationale Bergbaukonferenz in Melbourne.

Morrison bezeichnete die Aktivisten damals als "Anarchisten" und warf ihnen vor, Unternehmen schaden zu wollen. Seine Regierung suche nach Mechanismen, mit deren Hilfe man "dieses maßlose und egoistische Vorgehen" der Demonstranten verbieten könne, das die Lebensgrundlage vieler Australier gefährde.

Brände seit Wochen

Große Landstriche inklusive Sydney leiden seit Wochen unter giftigen Rauchschwaden. Auch andere Teile Australiens werden von weitflächigen Bränden heimgesucht. Mit den jetzigen Opfern der Feuerwehr kamen bisher landesweit mindestens acht Menschen durch die Feuer ums Leben.

Mehr als 800 Häuser wurden zerstört und eine Gesamtfläche von mindestens drei Millionen Hektar niedergebrannt. Zum Vergleich: Niederösterreich ist knapp zwei Millionen Hektar groß.

Hinweis: In einer früheren Version hieß es, in Australien hätten vergangene Woche durchschnittliche Temperaturen von 40,9 Grad (Dienstag) und 41,9 Grad (Mittwoch) geherrscht. Richtig ist natürlich, dass es sich um den Durchschnitt der gemessenen Tageshöchstwerte handelt. Wir bedauern.

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