Blaise Compaore

© REUTERS/LUCAS JACKSON

Afrika
11/01/2014

Burkina Faso: Präsident weggeputscht

Nun kämpfen zwei Militärchefs um die Macht im westafrikanischen Land.

Unter den Militärs im westafrikanischen Staat Burkina Faso ist offenbar ein Machtkampf um das Amt des Übergangspräsidenten entbrannt: Der Vizechef der Präsidentengarde, Oberst Isaac Zida, beanspruchte am Samstag den Posten des Interimsstaatschefs für sich und stellte sich damit gegen Militärchef Honore Traore.

Zida sagte in einer von einem privaten Fernsehsender übertragenen Ansprache, er werde als Übergangsstaatschef die "staatliche Kontinuität" wahren und für einen "ruhigen demokratischen Übergang" sorgen. Eine zuvor von Traore abgegebene Erklärung, wonach dieser das Präsidentenamt übernehme, wies Zida als "unwirksam" zurück. Er fordere den westafrikanischen Staatenbund ECOWAS und die internationale Gemeinschaft auf, seine neue Führung anzuerkennen.

Zuvor hatte ein Anrainer von Schüssen in der Nähe des Präsidentenpalastes in Ouagadougou berichtet.

Zida erklärte auch, dass der zurückgetretene Präsident Blaise Compaore "an einem sicheren Ort" sei. Die "Sicherheit" und das "Wohlergehen" Compaores seien gewährleistet.

Rücktritt nach 27 Jahren

Infolge von Massenprotesten gegen eine Verfassungsänderung zugunsten von Langzeit-Machthaber Compaore mit Toten hatte am Donnerstagabend die Armee die Macht in Burkina Faso übernommen. Compaore gab am Freitag nach 27 Jahren im Amt seinen Rücktritt bekannt. Anschließend erklärte Militärchef Traore, er übernehme "gemäß der Verfassung" mit sofortiger Wirkung das Amt des Staatschefs; Traore ist wegen seiner Nähe zu Compaore in der Bevölkerung jedoch wenig populär.

Eine Gruppe junger Offiziere um Zida, erklärt daraufhin die Verfassung für "aufgehoben". In einer Mitteilung kündigten die Gruppe die Bildung eines Übergangsgremiums an, dass die "schnellstmögliche" Wiederherstellung der Ordnung organisieren solle. In einer weiteren von Zida unterzeichneten Erklärung wurde zudem die Schließung der Landesgrenzen angekündigt.

Noch vor den militärinternen Machtstreitigkeiten hatten USA und EU einen friedlichen und demokratischen Machtwechsel in Burkina Faso gefordert. "Wir verurteilen entschieden jeden Versuch der Machtergreifung auf einem nicht verfassungsmäßigen Weg", teilte die US-Regierung am Freitag mit. Der diplomatische Dienst der EU erklärte, dass es gelte, die Verfassung des Landes zu respektieren.

Blaise Compaore

Massendemonstrationen, ein verwüstetes Parlament, Gebäude der Regierungspartei in Flammen: Fast drei Jahrzehnte nach seinem blutigen Putsch an die Macht regierte Burkina Fasos nunmehriger Ex-Präsident Blaise Compaore über ein Land in Aufruhr. Die Wut richtete sich gegen Compaores Absicht, seine Amtszeit mit einer abermaligen Verfassungsänderung zu verlängern. Der 63-Jährige war mit seinem weitreichenden Einfluss im fragilen Westafrika kaum noch wegzudenken. Aber viele seiner Landsleute wünschten sich nach 27 Jahren einen Wechsel an der Staatsspitze.

Geboren am 3. Februar 1951 in der Hauptstadt Ougadougou gehört Compaore zur Volksgruppe der Mossi, der größten Volksgruppe des westafrikanischen Landes. Er machte Karriere bei den Streitkräften und unterstützte eine Reihe von Putschen, an deren Ende er 1987 selbst in den Präsidentenpalast einzog. Dafür musste er in seinem letzten, dritten Putsch Thomas Sankara, seinen Freund aus Kindertagen und politischen Weggefährten, entmachten. Sankara, der bis heute populäre Vater der "demokratischen Volksrevolution", wurde Mitte Oktober 1987 getötet.

Compaore wurde mit 36 Jahren Staatschef und wendete sich gegen die marxistisch inspirierte Bewegung Sankaras. Oppositionelle wurden verfolgt und getötet. Am Ende seiner "Berichtigungskampagne" hängte der im Volksmund "schöner Blaise" gerufene Compaore die Uniform an den Nagel und führte 1991 eine Mehrparteiendemokratie ein. Im selben Jahr ging er als Sieger aus den von der Opposition boykottierten Wahlen hervor. Bei seiner Wiederwahl in den Jahren 1998, 2005 und 2010 erreichte Compaore jedes Mal den dubiosen Wert von mehr als 80 Prozent der Stimmen.

Verdacht

Compaore betätigte sich auf dem internationalen Parkett und besserte nicht nur bei der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich sein Image auf. Zugleich vermuteten ihn die Vereinten Nationen hinter dem Schmuggelgeschäft mit Waffen und Diamanten in Westafrika. Zu Compaores guten Kontakten zählten Libyens langjähriger Machthaber Muammar al-Gaddafi und Liberias Präsident Charles Taylor, der 2012 wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt wurde.

Compaore soll mitverantwortlich gewesen sein, als 2002 ein Konflikt in der benachbarten Elfenbeinküste eskalierte. Dennoch empfahl er sich dort fünf Jahre später als erfolgreicher Vermittler bei den Friedensverhandlungen. In den Konflikten in Guinea und Togo spielte Compaore eine ähnliche Rolle. Er war auch Partner der französischen Regierung beim Versuch, in Mali wieder Stabilität herzustellen und die Islamisten in der Sahel-Zone zu schwächen.

Turbulente Jahre

Doch im eigenen Land machte er sich weiter Feinde. Im Dezember 1998 wurden der Journalist Norbert Zongo und drei Begleiter tot in einem ausgebrannten Auto aufgefunden. Zongo recherchierte damals zu einem Mordfall, in den Compaores Bruder verwickelt gewesen sein soll. Infolge der resultierenden Staatskrise wurde die Verfassung abgeändert. Die Amtszeit des Präsidenten wurde von sieben auf fünf Jahre gekürzt, bei maximal einer Wiederwahl. Dennoch kandidierte der Machthaber 2005 erneut, weil das neue Gesetz nicht rückwirkend auf bisherige Amtszeiten angerechnet wurde. 2011 überstand Compaore eine Meuterei der Armee, auch wenn er zwischenzeitlich aus der Hauptstadt fliehen musste.

Im Herbst 2015 wäre auch die zweite fünfjährige Amtszeit Compaores nach der Verfassungsänderung vorbei gewesen. Doch schon im Juli sagte er dem Magazin "Jeune Afrique", er habe keine Lust, "dem Verfall meines Landes zuzusehen, während ich mich ausruhe oder die Welt bereise".

Von den 17 Millionen Menschen in Burkina Faso waren 60 Prozent noch nicht einmal geboren, als Compaore erstmals Präsident wurde. Viele Burkiner wollten jemand anderes an der Spitze ihres Landes sehen.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.