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Politik Ausland
12/22/2020

Briten in der Krise: „Gerade jetzt sind viele Witze im Umlauf“

Der britische Botschafter Leigh Turner über Brexit, Corona, schwere Zeiten – und wie seine Landsleute mit all dem umgehen

KURIER: Herr Botschafter, wie verbringen Sie heuer Weihnachten?

Leigh Turner:

Auch für mich wie für Millionen von Europäern läuft es heuer anders als geplant. Ich wollte am 23. nach Hause fliegen, kann aber nicht, weil ja die britischen und die österreichischen Behörden die Regeln verschärfen mussten. Meine 92-jährige Mutter ist zum Glück mit ihrem Ein-Personen-Haushalt an den meines Bruders angekoppelt und kann so mit ihm und seiner Familie Weihnachten feiern. Die anderen Söhne werden heuer leider nicht dabei sein.

Es gibt viel Kritik, zu Hause und auch international, am Umgang der britischen Regierung mit der Pandemie. Es sind überall die gleichen schweren Entscheidungen zu treffen, zwischen den gesundheitlichen Gefahren der Pandemie und dem Wunsch der Menschen, ein halbwegs normales Leben zu führen. Großbritannien hatte jetzt wegen der neuen Corona-Variante schwerwiegende Entscheidungen zu treffen. Doch es hat keinen Sinn , die Länder und die Arbeit ihrer Regierungen zu vergleichen. Das ist kein Wettbewerb, sondern eine gemeinsame Herausforderung. Der leitende englische Gesundheitsbeamte Chris Witty hat die Situation, wie ich finde, sehr treffend beschrieben: Die Lage sei schwierig, aber nicht vergleichbar mit jener im März und April. Jetzt hätten wir ein viel besseres Verständnis von der Krankheit, wir hätten bessere Möglichkeiten zur Behandlung und vor allem hätten wir endlich eine Impfung. In Großbritannien werden ja schon seit Tagen Hunderttausende geimpft, ohne große Probleme.

Gibt es diese oft beschriebene typische Art der Briten, mit Krisen umzugehen?

Wir begegnen Schwierigkeiten gerne mit Humor, das hat bei uns Tradition. Dieser Humor ist oft schwarz und kann auch durchaus Galgenhumor sein. Gerade jetzt sind viele Witze im Umlauf. Ich sehe aber keine besondere Krisenstimmung in Großbritannien. Die Briten sind gewohnt, durch schwere Zeiten zu gehen.

Was ist Ihre größte Sorge in Bezug auf den Brexit und die Zukunft des Landes außerhalb der EU? Meine größte Sorge war, dass wir die EU ohne einen Deal verlassen. Es gibt einen Deal, einen, der den 11.000 Briten, die in Österreich leben, garantiert, dass sie ihre Rechte als Bürger behalten. Von den 4,5 Millionen EU-Bürgern, die in Großbritannien leben, haben sich inzwischen 4,2 Millionen registrieren lassen. Das heißt, diese Menschen wollen in Großbritannien bleiben. Und ich kann nur betonen, dass sie bei uns willkommen sind.

Was sagen Sie einem Österreicher, der meint, dass Großbritannien ohnehin nie richtig zu Europa gehört hat? Großbritannien war immer europäisch und wird es immer sein. Ich war in der Schatzkammer in der Wiener Hofburg. Dort kann man erleben, wie eng verzahnt und verbunden Europa immer war – und Großbritannien war, ist und bleibt Teil davon.

Welche Rolle spielte Großbritannien als EU-Mitglied? Großbritannien war in so vielen Fragen ein wichtiger Motor der Europäischen Union. Ohne Großbritannien hätte es keine Erweiterung gegeben, keine Agrarreformen und keine Reform des EU-Budgets. Es wäre auch der Binnenmarkt nicht gegründet worden.

Mein Land hat immer entscheidende Mitarbeit in der Union geleistet, und es wird in Europa auch in weiterer Zukunft wichtige Mitarbeit leisten.

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