Politik | Ausland
23.08.2017

Brigadier Feichtinger: "Die US-Generäle wissen, was sie zu tun haben"

Die US-Streitkräfte befinden sich in Afghanistan im längsten Konflikt ihrer Geschichte – und werden ihn noch lange weiterführen.

Fast 16 Jahre dauert der Afghanistan-Krieg der USA bereits – damit ist er der längste Einsatz den die US-Streitkräfte jemals bestreiten mussten.

Seit 2001 haben die Amerikaner etwa 1000 Milliarden Dollar für diesen Krieg ausgegeben, dazu 65 Milliarden für die Ausbildung der Afghanischen Armee und 120 Milliarden für den Wiederaufbau des Landes. Hatte der frühere US-Präsident George W. Bush 2003 noch erklärt, die Mission sei erfüllt, stockte sein Nachfolger Barack Obama das Kontingent der US-Streitkräfte zeitweise auf 100.000 Mann auf. Doch auch diese konnten keinen nachhaltigen Frieden sichern – im Gegenteil. Heute halten die Taliban 40 Prozent des Landes, die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) breitet sich rasch aus. Was können die 4000 Einsatzkräfte, die US-Präsident Trump Berichten zufolge nach Afghanistan schicken möchte, ausrichten?

"Diese 4000 neuen Soldaten können natürlich nie die Ziele von damals erreichen, also kann die Zielsetzung nicht identisch sein. Es wird spannend zu sehen, wo diese neuen Truppen eingesetzt werden. Will man primär den IS bekämpfen? Wird man wieder Spezialeinsatzkräfte in Pakistan stationieren?", sagt Brigadier Walter Feichtinger von der Akademie für Landesverteidigung zum KURIER und fährt fort: "Dieser Einsatz hat drei Dimensionen: Erstens muss das politische System des Landes gestärkt werden, zweitens ist der Kampf gegen den Terror ein wichtiges Ziel und drittens wollen die USA ihren eigenen Fuß im Land halten – das ist die geopolitische Komponente".

Geopolitisch wichtig

Trump betonte, dass er auf "Nation Building" verzichten werde und sich auf die "Bekämpfung des Terrors" konzentrieren werde. Feichtinger ist davon überzeugt, dass im Hintergrund andere Pläne verfolgt werden: "Die Generäle, die Trump beraten, wissen, was sie zu tun haben und werden auch die anderen Dimensionen berücksichtigen. Trump kann gerne davon reden, den Terror zu bekämpfen, deswegen werden die USA Afghanistan aus geopolitischer Sicht nicht aus den Augen verlieren dürfen", analysiert der Sicherheitsexperte.

Ihre großen Fehler hätten die USA beim Aufbau des politischen Systems gemacht: "Das Problem war, dass die politischen Strukturen nicht genügend gestärkt wurden und es dadurch der gesamten Gesellschaft schlecht ging. Beispielsweise schadete die augenscheinlich dubiose Wiederwahl Karzais (Präsident von 2001-2014, Anm.) dem Ansehen der Politik in der Bevölkerung. Das nutzten die Taliban aus, um sich als gute Alternative zu profilieren", sagt Feichtinger.

Armee "gut ausgebildet"

Den Aufbau der Afghanischen Armee durch die NATO-Truppen sieht Feichtinger weniger skeptisch als andere: "Die Ausbildung der Polizei und der Sicherheitskräfte war relativ erfolgreich. Man kann das nicht mit westlichen Standpunkten vergleichen und natürlich gab es dort Korruption und Misswirtschaft, aber grundsätzlich war der Aufbau nicht schlecht. Durch das mangelnde Vertrauen der Bevölkerung wurde natürlich viel zunichte gemacht".