Margarete Schramböck beim Ministerrat vergangene Woche.

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Politik Ausland
12/11/2018

Brexit: Schramböck auf London-Werbetour

Wirtschaftsministerin preist in Großbritannien Austria - und stößt auf großes Interesse.

von Ulrike Botzenhart

Der Saal in der österreichischen Botschaft in London ist Montagmittag zum Bersten voll. Britische Unternehmer aus vielen Bereichen der Wirtschaft wollen hören, was die aus Wien angereiste Wirtschaftsministerin ihnen anbieten kann. Für viele Wirtschaftskapitäne im Raum geht es nicht nur um Investitionen in einem EU-Land, sondern um ein Standbein in der Europäischen Union für die Zeit nach dem Brexit.

Einer bringt es gegenüber dem KURIER auf den Punkt: „Egal, ob wir das wollen oder nicht. Egal, ob und wann das Parlament darüber abstimmt: Wir verlassen die Europäische Union. Und dafür müssen wir uns rüsten.“ Steve Carter, Mitbegründer und Manager von Hawk-Eye Innovations, hofft hingegen noch immer auf den Verbleib in der EU: „Wer weiß, vielleicht gibt es doch noch ein zweites Referendum? Und dann geht es vielleicht auch zugunsten Europas aus“, sagt der Südengländer. Er zählt zur Minderheit im Raum. Es sind eher die Österreicher, die sich noch immer nicht mit dem Gedanken anfreunden konnten, dass die Briten bald den Club verlassen werden.

„Beste Lösung finden“

Margarete Schramböck gehört offenbar zu den Realistinnen, Österreich sei auch für den Brexit vorbereitet. „Ich persönlich bedauere die Entscheidung Großbritanniens, die EU zu verlassen, sehr“, sagt sie in ihrem knallroten Blazer und blickt in die Menge, „aber da es passiert, müssen wir nach vorne schauen und die beste Lösung für die neue Lage finden.“ Und da die Wirtschaftsministerin bis vor einem Jahr selbst als A1-Chefin in der Praxis verankert war, weiß sie, worauf es ankommt. Punkt für Punkt zählt sie Standortvorteile Österreichs auf und wirbt für das Land und die Unternehmen.

Bürokratische Hürden abgebaut

„Unsere Regierung, die seit einem Jahr im Amt ist, hat einen starken Fokus auf die Wirtschaft. Wir stehen für weniger Bürokratie – denn die ist ein Fehler“, betont Schramböck – wohl wissend, dass es eben auch die behäbige Bürokratie der EU ist, die manch Briten für den Brexit stimmen ließ. In Österreich würden bürokratische Hürden abgebaut, Unternehmensgründungen erleichtert. „Dabei lernen wir von guten Beispielen in Großbritannien.“

Sie preist das neue Gesetz, das eine raschere Abwicklung von großen Infrastrukturprojekten ab 1. Jänner 2019 ermöglicht, und die Flexibilisierung der Arbeitszeit. „Die Arbeitswelt hat sich geändert, deshalb können bei uns im Bedarfsfall Menschen zwölf Stunden am Tag arbeiten – aber im Durchschnitt bleibt die Arbeitszeit gleich.“ Die Tirolerin berichtet von einer ab 2020 geplanten Steuerreform und der zweithöchsten Förderung von Forschung und Entwicklung in der EU: „Nur Schweden ist da besser als wir.“

Rot-weiß-rote Erfolge

Schramböck wirbt auch für Erfolgsunternehmen wie Doppelmayr , Siemens oder Strabag, die Milliarden-Geschäfte in Großbritannien an Land ziehen konnten. „Und der erste elektronische Jaguar wird von Magna in der Steiermark gebaut.“ 11.000 Jobs hängen in Österreich an britischen Unternehmen, und 20.000 Österreicher arbeiten in Großbritannien.

Die britischen Unternehmensvertreter hören aufmerksam zu und stellen danach auch eine Reihe von Fragen, die ehrliches Interesse vermuten lassen. Der Außenwirtschaftschef in London, Christian Kesberg, und der Chef der Austrian Business Agency, René Siegl, stehen parat, um aus der Brexit-Misere das Bestmögliche für Österreich zu machen. Auf Wetten, wie es in Großbritannien dieser Tage weitergeht, will sich aber keiner einlassen.

 

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