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Politik Ausland
10/14/2021

Norwegen: Fünf Menschen mit Pfeil und Bogen getötet

Die Polizei konnte den Täter festnehmen. Zu seinem Motiv ist noch nichts bekannt.

Im südnorwegischen Kongsberg, rund 80 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Oslo, hat ein Bogenschütze am Mittwochabend mehrere Menschen getötet und verletzt. Die Gewalttat forderte fünf Tote und zwei Verletzte. Bei einem der Verletzten handelte sich um einen Polizisten, der aber zum Tatzeitpunkt nicht im Dienst war.

Der mutmaßliche Täter konnte gefasst werden. Bei ihm handle es sich um einen 37-jährigen Dänen, der in Kongsberg lebe, teilte die Polizei mit. 

 

Die Polizei geht davon aus, dass er allein gehandelt hat. Solange das Motiv des Täters unklar ist, ermittelt die Polizei wegen Terrorverdachts. Der mutmaßliche Täter ist bereit, mit der Polizei zusammenzuarbeiten, wie sein Anwalt am Donnerstag der Presse erklärte. Er habe demnach in einem Verhör in der Nacht Angaben zur Tat gemacht.

Der Mann war bereits zuvor im Fokus der Polizei. Es gab Hinweise auf eine Radikalisierung des 37-jährigen Dänen, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag. Die Hinweise deuteten an, dass der Verdächtige zum Islam konvertiert sei. 

Mehrere Orte

Die Angriffe ereigneten sich nach Angaben der Polizei an mehreren Orten in der Stadt. Der Täter habe sich über ein größeres Gebiet hinweg bewegt, teilten die Ermittler mit. Das Zentrum der Stadt wurde weiträumig abgeriegelt.

Der Polizei sei um 18.13 Uhr von mehreren Personen gemeldet worden, dass sich ein Bewaffneter durch die Stadt bewege und mit Pfeil und Bogen auf Menschen schieße, sagte der zuständige Polizeichef Øyvind Aas. Mehrere Medien berichteten von einem Supermarkt als einem Ort des Geschehens. Der Angreifer konnte nach Polizeiangaben rund eine halbe Stunde nach dem ersten Notruf festgenommen werden.

"Grausame und brutale Tat"

Der Vorfall ereignete sich am Vorabend des Regierungsantritts des neuen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre. Der Sozialdemokrat zeigte sich schockiert. "Das, was wir heute Abend aus Kongsberg hören mussten, zeugt davon, dass eine grausame und brutale Tat begangen worden ist", sagte er am späten Abend der Nachrichtenagentur NTB.

Auch die scheidende Regierungschefin Erna Solberg brachte ihre Anteilnahme zum Ausdruck. "Unsere Gedanken gehen zuallererst an die Betroffenen und ihre Angehörigen", sagte sie am späten Mittwochabend auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in Oslo. Sie wird am Donnerstag nach ihrer Wahlniederlage vor einem Monat von Støre an der Regierungsspitze abgelöst. Auswirkungen auf den Regierungswechsel habe die Tat nicht, sagte Solberg.

Der Regierungschef im benachbarten Schweden, Stefan Löfven, schrieb auf Twitter, seine Gedanken seien bei den Opfern und ihren Angehörigen. Es handle sich um einen "furchtbaren Angriff".

Gebranntes Volk

Der Vorfall weckt schlimme Erinnerungen: Vor gut zehn Jahren erlebte Norwegen den schwersten Terroranschlag seiner modernen Geschichte. Am 22. Juli 2011 zündete der Rechtsterrorist Anders Behring Breivik zunächst im Osloer Regierungsviertel eine in einem Transporter versteckte Bombe und tötete dabei acht Menschen. Danach fuhr er zur etwa 30 Kilometer entfernten Insel Utøya, wo er sich als Polizist ausgab und das Feuer auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des jährlichen Sommerlagers der Jugendorganisation der sozialdemokratischen Arbeiterpartei eröffnete.

69 Menschen, vor allem Jugendliche und junge Erwachsene, kamen auf Utøya ums Leben. Breivik nannte rechtsextreme und islamfeindliche Motive für seine Taten. Er wurde im August 2012 zu der damaligen Höchststrafe von 21 Jahren mit einer Mindesthaftzeit von zehn Jahren verurteilt.

Hinweis: Der Artikel wird laufend aktualisiert.

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