Politik | Ausland
09.11.2017

Polizeischule Berlin: Keine Disziplin und unterwandert von Clans?

Kriminelle arabische Clans unterwandern angeblich die Polizei, Auszubildende verhalten sich respektlos und lernunwillig - die Polizeispitze weist die Vorwürfe zurück.

Kein Respekt, Kontakt zu Kriminellen, mangelnde Deutschkenntnisse, Gewaltandrohungen - seit Tagen steht die Ausbildungsstätte für den mittleren Dienst der Berliner Polizei in der Kritik. Ausgelöst durch die WhatsApp-Sprachnachricht eines Ausbildners an der Akademie in Berlin-Spandau, die der Tageszeitung Welt vorliegt und so ihren Weg in die Öffentlichkeit fand. Er kritisierte darin speziell das Verhalten einer Gruppe Polizeischülern mit Migrationshintergrund.

Dem nicht genug tauchten noch weitere Vorwürfe in Form anonymer Briefe auf, etwa dass Clanmitglieder arabischer Großfamilien in den Behörden unterkämen. Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt dementierte dies gestern und schloss die Unterwanderung durch Clans aus. "Die Behauptung ist definitiv falsch“, sagte er am Mittwoch in einer Sondersitzung des Innenausschusses im Abgeordnetenhaus. "Niemand, der sich hier beschwert, kann etwas belegen."

Gewerkschafter sieht "deutliche Hinweise"

Zuvor sprach der oberste Polizeigewerkschafter Bodo Pfalzgraf im ZDF-Morgenmagazin an, dass es deutliche Hinweise auf einen solchen strategischen Ansatz gibt. "Die haben natürlich ein ganz vitales Interesse daran, genau zu wissen, wo und wie Staat funktioniert, wie Polizei tickt, wann Durchsuchungen stattfinden." Dazu versuchten sie, "bestimmte Familienangehörige von Straftaten frei zu halten", um sie dann im öffentlichen Dienst unterbringen zu können. Hier müsse man genau aufpassen, forderte der Gerwerkschafter. Andererseits dürfe aber auch niemand nur wegen seines Namens von öffentlichen Ämtern ausgeschlossen werden.

Die Missstände in der Ausbildung bezeichnete er als "Einzelfälle", denen man aber nachgehen müsse. "Die Wahrheit muss auf den Tisch", sagte er und betonte: "Zu weit über 90 Prozent läuft die Ausbildung reibungslos." Pfalzgraf sprach sich dafür aus, die Einstellungskriterien für die Polizei zu überprüfen. Die Vorwürfe gegen die Polizeiakademie sollten nicht von dieser selbst, sondern von einer "Taskforce" aufgeklärt werden.

Aufgeklärt wurde mittlerweile auch, wer der Absender der Sprachnachricht an der Spandauer Akademie ist. Der Betroffene halte dort einzelne Unterrichtseinheiten ab und berichtete auch im Gespräch mit dem Polizeipräsidenten von den Vorfällen, meldetet der Tagesspiegel. Der Ausbildner bestätigte disziplinarloses Verhalten der Polizeischüler, dass sie anderen mit Gewalt drohten, konnte er im Gespräch aber nicht mehr bestätigen. Für den Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow, stellt sich nun die Frage, warum die Kritik offenbar nur anonym ablaufe und warum Ausbilder dies nicht thematisierten.