Blick auf die Gedächtniskirche

© EPA/RAINER JENSEN

Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche
12/20/2016

Berliner Gedächtniskirche: Eigentlich eine Oase der Ruhe

Der Anschlag von Berlin fand direkt vor dem Mahnmal für den Frieden statt - ein besonderer Ort mitten in Berlin.

von Karl Oberascher

Feuerzangenbowle, Heidelbeerpunsch, ein Lavagrill, Rostbratwürste und Sauerkraut, dazu ein kleines Karussell, und Dutzende kleine Ständchen – insgesamt 170 an der Zahl - , die von Weihnachtskitsch bis handgefertigte Handwerkskunst aus ganz Deutschland alles verkaufen, was zur Adventstimmung dazugehört.

Das war der Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche.

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Seit Ende November trafen sich hier, im Zentrum des Berliner Westens, jeden Abend Tausende Berliner und Touristen aus der ganzen Welt. Sie machten auf ihren Shoppingtouren durch Berlins größte Einkaufsstraße, dem Kudamm, Halt – oder schauten auf dem Weg zum nahegelegenen Berliner Zoo auf ein Heißgetränk vorbei.

Daran ist am Tag nach dem Anschlag nicht mehr zu denken. Noch immer ist die Polizei mit einem Großaufgebot vor Ort. Der Platz vor der Gedächtniskirche ist komplett abgeriegelt, weiße Plastikplanen schirmen den Tatort vor Schaulustigen ab.

Dort, wo sonst auch in den frühen Morgenstunden schon geschäftiges Treiben herrscht, Lieferanten Waren anliefern und die letzten Putzkolonnen ihre Arbeit verrichten, sieht man heute nur vereinzelt Reporter auf den TV-Bildern. Sie haben sich vor dem Bikini Berlin, ein frisch renoviertes Einkaufszentrum aus den 50ern, aufgestellt, um den besten Blick auf die Gedächtniskirche zu erhaschen.

Mahnmal für den Frieden

Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche ist es denn auch, die diesen Platz inmitten des Einkaufsstraßen-Wahnsinns zu einem besonderen Ort macht. Zerbombt während des Zweiten Weltkriegs, wurde sie nicht – wie noch während des Kriegs von den Nazis versprochen wieder aufgebaut - , sondern als Ruine erhalten. Nur der 71 Meter hohe Hauptturm sollte, bautechnisch gesichert, erhalten bleiben und als Mahnmal für den Frieden dienen.

Egon Eiermann entwarf Ende der 50er-Jahre dann den Neubau der Kirche. Ein 53 Meter hoher Glockenturm und eine oktogonales Kirchenschiff - von den Berlinern Lippenstift und Puderdose genannt - sollten den Hauptturm der alten Kirche ergänzen.
Sein Entwurf sorgt mit 20.000 Glasfenstern für ein einzigartiges Lichtspiel und lässt die Kirche in einem intensiven Blau erstrahlen – inmitten des Einkaufstrubels am geschäftigen Kudamm ist sie so bis heute eine Oase der Ruhe.

Hoffentlich auch heute – um 18.00 Uhr findet hier ein Gottesdienst zum Gedenken an die Opfer des gestrigen Anschlags statt.