© REUTERS/ANNEGRET HILSE

Deutschland
01/30/2020

Berlinale mit braunen Flecken: NS-Vorwürfe gegen ersten Festivalleiter

Früherer Berlinale-Leiter Alfred Bauer soll Funktionär in NS-Filmbranche gewesen sein. Der nach ihm benannte Preis wird ausgesetzt.

Knapp drei Wochen vor Beginn eines der größten Filmfestivals der Welt, muss sich die Berlinale bisher unbekannten Vorwürfen stellen: Wie die deutsche Wochenzeitung "Die Zeit" bei Recherchen im Berliner Landesarchiv herausfand, war Alfred Bauer, der das Festival erstmals von 1951 bis 1976 leitete, offenbar ein hochrangiger Beamter in der NS-Reichsfilmintendanz. Bauer soll ab 1942 den Einsatz von Schauspielern, Regisseuren und anderen Filmschaffenden überwacht und sogar mitentschieden haben, welche Filmschaffenden vom Fronteinsatz freigestellt wurden und wer in die Rüstungsindustrie musste.

Zudem soll er laut "Zeit" Mitglied in zahlreichen nationalsozialistischen Organisationen gewesen sein, etwa der NSDAP, der SA und dem Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund. Die Zeitung zitiert auch die GAU-Leitung Mainfranken, die Bauer als "eifrigen SA-Mann" bewertet. Bauer selbst versuchte nach dem Krieg seine Spuren systematisch zu verwischen, behauptete noch vor dem Krieg auf den Organisationen ausgestiegen zu sein - dafür fand man aber keine Belege.

Mit den Veröffentlichungen konfrontiert, reagierte die Festivalleitung schnell: In dem Artikel würden "Quellen zitiert, die die Rolle von Alfred Bauer, dem ersten Leiter der Internationalen Filmfestspiele Berlin, in der nationalsozialistischen Filmpolitik neu beleuchten", teilten die Internationalen Filmfestspiele mit. Die herausgehobene Position Alfred Bauers im Nationalsozialismus sei dem Festival bislang nicht bekannt gewesen. Und: "Wir begrüßen die Recherche und die Veröffentlichung in der 'Zeit' und greifen die neue Informationslage auf, um die Festivalgeschichte mit externer fachwissenschaftlicher Unterstützung aufzuarbeiten."

Als ersten Schritt werde man die Verleihung des Alfred-Bauer-Preises aussetzen: Mit ihm wurden Werke ausgezeichnet, die neue Perspektiven in der Filmkunst eröffnen. Zu den Preisträgern gehören: Baz Luhrmann, Zhang Yimou, Andres Veiel und Nora Fingscheidt.

 

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