Politik | Ausland
04.07.2018

Belgien will Abtreibung aus dem Strafgesetzbuch streichen

Frauen sollen nicht mehr in einem "Notzustand" sein müssen, um Abtreibung durchführen zu lassen.

Die belgischen Abgeordneten haben sich am Dienstagabend auf einen Kompromiss bei der zukünftigen Gesetzgebung zur Abtreibung geeinigt, meldet Kathpress. Der Schwangerschaftsabbruch werde aus dem Strafgesetzbuch gestrichen, stattdessen komme ein eigenständiges Gesetz zu dem Thema, berichten verschiedene belgische Medien. Zudem soll die Frau nicht mehr in einem "Notzustand" sein müssen, um eine Abtreibung durchführen zu lassen.

In Belgien werden im Jahr durchschnittlich 20.000 bis 30.000 Abtreibungen vorgenommen. Es bleibt laut dem Kompromiss dabei, dass belgische Frauen in den ersten zwölf Wochen die Schwangerschaft abbrechen können. Ebenfalls soll es weiterhin eine verpflichtende sechstägige Bedenkzeit geben. Diese sechs Tage kommen zu den ersten zwölf Wochen hinzu. Einige Politiker waren dafür eingetreten, die Abtreibung bis zur 18. Woche zu erlauben und die Bedenkzeit auf zwei Tage zu verkürzen. Am Mittwoch wird das Thema noch einmal im Rechtsausschuss des Parlaments besprochen.

Die belgischen Bischöfe hatten Mitte Juni erklärt, die Streichung des Abtreibungsparagrafen aus dem Strafgesetzbuch werde eine "große symbolische Bedeutung" haben. Das gesellschaftliche Urteil über Abtreibung werde sich damit grundlegend ändern, mit "äußerst ernsten Konsequenzen", hieß es in einer Mitteilung der Belgischen Bischofskonferenz. Die Menschenwürde und die körperliche Integrität jeder Person seien in Gefahr; Abtreibung sei nie ein "normaler" medizinischer Eingriff, und es gebe dabei "immer Verlierer".