Aschermittwoch in Bayern: Schlagabtausch mit Bier und Salz auf den Brezen
Die Dreiländerhalle in Passau wurde zur "linksgrünen Verbotszone" erklärt, dann legte der bayerischer Ministerpräsident Markus Söder auch schon los: Die Grünen sollten "erst mal was Ordentliches arbeiten", bevor sie ihn beleidigen dürften. Die "rote Heidi, die sozialistische Tiktok-Tante, die Rosa Luxemburg für Arme", also Linke-Chefin Heidi Reichinnek, solle lieber einen DDR-Trabi statt eines bayerischen Audis fahren. Und den verurteilten AfD-Abgeordneten Daniel Halemba nannte er "braunes Zigaretten-Bürschla".
Die Sticheleien Söders waren wie gewohnt rau. Doch musste sich der CSU-Chef heuer mehr zurückhalten als sonst. Das Feindbild Berlin, in den letzten Jahren war es die verhasste Ampelregierung, fehlte dem selbstbestimmten Bayern diesmal; die Schwesternpartei CDU stellt den Kanzler. Und wiewohl Friedrich Merz und Söder in der Vergangenheit nicht immer friedlich waren, aktuell ist die CSU mit drei Ministern in der Bundesregierung vertreten.
Gegen Koalitionspartner
Doch es wäre nicht Söder, würde er deswegen den Seitenhieb aussparen: Für Vizekanzler und SPD-Chef Lars Klingbeil gab es Dankesworte, dass die SPD die Bürgergeld-Reform mittrage. "Bei dem bin ich sowieso immer nachsichtiger, er ist Bayern-Fan. Wenn ich aus der Ecke von Hannover kommen würde, wär’ das auch verständlich!" Die jüngste Debatte über die vereiste, CDU-regierte Bundeshauptstadt kommentierte Söder so: In Bayern gebe es mehr Salz auf den Brezen als Streusalz in Berlin. Dort hätten die NGOs geklagt, "damit die Leute sich die Haxen brechen". Eine Spitze gegen Berlins Bürgermeister Kai Wegner, der beim Stromausfall Tennis spielen gewesen ist, verkniff er sich.
Seit 1953, unter CSU-Chef Franz Josef Strauß, ist der Politische Aschermittwoch für die Partei Pflichtprogramm. 4.000 Menschen waren in Passau zu Gast – es war einer der letzten großen Auftritte Söders, bevor Bayern am 8. März Gemeinde- und Landkreiswahlen abhält. In landesweiten Umfragen führt die CSU zwar ungeschlagen, doch liegt unter der 40-Prozent-Marke; dahinter folgt die AfD mit bis zu 19 Prozent – mehr als bei der letzten Landtagswahl 2023 (14,6 Prozent). Söder nutzte die Rede auch fürs Profil schärfen: Höhere Steuern und Abgaben, etwa auf Sprit, werde es keine geben. Stattdessen die Forderung nach "Leistung, Leistung, Leistung" und einer Stunde mehr Arbeit pro Woche – "12 Minuten pro Tag Mehrarbeit sind für die Work-Life-Balance doch verkraftbar".
Inhaltlich sprach er sich Söder auch für strengere Regelungen beim Wehrdienst aus. "Wir brauchen mehr Soldatinnen und Soldaten, um NATO und Landesgrenze zu schützen. Und deswegen braucht es eine Dienst- und Wehrpflicht, und zwar eine richtige", sagte Söder. Wer Deutschland liebe, sei auch für die Bundeswehr.
Die Grünen attestierten dem CSU-Chef bei ihrer eigenen Veranstaltung Eigennutz. "Markus Söder arbeitet weiterhin nur für Markus Söder und das leider in Vollzeit", sagte die Landtags-Fraktionschefin der Grünen in Bayern, Katharina Schulze, in Landshut. Manchmal habe man das Gefühl, auf der Tagesordnung des Kabinetts im Landtag stünden immer genau zwei Punkte: "Erstens: Nützt es was dem Maggus? Und zweitens: Was gibt es danach zu essen?"
Grüne kritisieren mit Sissi
Bundestags-Fraktionschef Katharina Dröge kritisierte ihrerseits das Frauenbild von Bundeskanzler Merz: "Leider haben wir da einen Bundeskanzler, dessen Frauenbild irgendwo zwischen "Sissi" und "Dinner for One" oder kurz nach der Einführung der Spülmaschine stehengeblieben ist." Und sie setzte hinzu: "Wenn er solche Sprüche über Frauen reißt, dann erinnert er mich immer ein bisschen an das Windows 95 der deutschen Politik – ein Betriebssystem, für das es kein Update mehr gibt und das man aus Sicherheitsgründen besser nicht mehr ausspielen sollte."
Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger, stellvertretender bayerischer Ministerpräsident und Koalitionspartner der CSU, nutzte den Aschermittwoch, um seine Partei als Freiheitspartei darzustellen. "Ich will selber entscheiden können, ob ich mit Holz, Gas oder Wärmepumpe heize. Ich will selber entscheiden können, wie ich mich in diesem Land bewege und aufhalte. Wir brauchen nicht immer mehr Bevormundung", sagte er in Deggendorf. "Wir stehen nicht für den Nanny-Staat, der uns im Detail sagt, was wir zu tun haben."
Seine Kritik richtete sich vor allem an die Verantwortlichen in Berlin und Brüssel. Seitenhiebe gegen die CSU sparte er sich weitgehend.
AfD: Vorwürfe sind Medienkampagne
Mehr Verteidigung als Angriff bot Markus Frohnmaier, der Spitzenkandidat der AfD bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg. In Anspielung auf die Vorwürfe der Vetternwirtschaft in seiner Partei sagte er, es handle sich um eine Medienkampagne gegen die AfD. Es gebe nur ein wirkliches Kriterium, nämlich ob jemand die individuelle Eignung mitbringe oder nicht. "Und das tut es in ganz, ganz vielen dieser Fälle."
Der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki richtete sich vor allem gegen die AfD und appellierte an deren Wählerschaft: "Es ist keine Schande, mal blau zu werden. Blau zu bleiben, ist aber eine Tragödie und Ausweis menschlicher Inkompetenz."
Der Münchner Bund für Geistesfreiheit kritisierte die Veranstaltungen. Laute Blasmusik und "magere Witzchen" würden abgeliefert, obwohl es sich beim Aschermittwoch um einen sogenannten stillen Tag handle, an dem für öffentliche Unterhaltsveranstaltungen klare Einschränkungen gelten.
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