© REUTERS/MATIAS BAGLIETTO

Politik Ausland
02/22/2021

Aufregung in Argentinien: Polit- und Medien-Elite sollte zuerst geimpft werden

Der Gesundheitsminister wurde vom Präsidenten zum Rücktritt gezwungen.

von Tobias Käufer

Für Argentiniens Präsidenten Alberto Fernandez ist es eine Peinlichkeit: Sein Gesundheitsminister Ginés González García hat insgesamt rund 3.000 Corona-Impfdosen gehortet, um der Regierung nahe stehende Personen wie Gewerkschaftsführer Hugo Moyano oder regierungsnahe Journalisten wie Horacio Verbitsky bevorzugt zu impfen. Der Medienmann machte bei dem Spiel allerdings nicht mit und berichtete über seine Einladung zur VIP-Impfung. Der Skandal zieht inzwischen immer weitere Kreise.

Präsident Fernandez weiß um die Außenwirkung dieses Skandals. Denn im Land kommen die Impfungen nur schleppend voran – und die regierungsnahe Elite denkt erst einmal nur sich selbst. Angesichts dieses Glaubwürdigkeitsproblems opferte der Präsident seinen Minister: „Auf Ihren ausdrücklichen Wunsch reiche ich meinen Rücktritt ein“, schrieb Ginés González García in einem offenen Brief an den Staatschef. Das klingt nicht nach Reue.

Mit mehr als 51.000 Covid-Toten gehört Argentinien neben Mexiko und Brasilien zu den am härtesten getroffenen lateinamerikanischen Ländern. Trotz eines Lockdowns über Monate, der die Wirtschaft zum Absturz brachte. Die Folge: Die Armutsrate stieg auf 44 Prozent.

Der Skandal kommt zur politischen Unzeit, denn die linksgerichtete Regierung muss sich ohnehin von der Opposition den Vorwurf gefallen lassen, die Justiz massiv beeinflussen zu wollen, um Korruptionsermittlungen gegen die langjährige Präsidentin und amtierende Vize-Präsidentin Cristina Kirchner zu unterlaufen.

Impfskandal in Peru

Auch in Peru kocht die Volksseele. Im als „Vaccine-Gate“ bezeichneten Skandal hatte unter anderem Ex-Präsident Martin Vizcarra eingeräumt, dass er und seine Familie bereits vor Wochen mit ersten Impfdosen des chinesischen Herstellers Sinopharm immunisiert worden seien. Anschließend vergab seine damalige Regierung den Vertrag an den Hersteller.

Im Rahmen weiterer Untersuchungen kam ans Licht, dass sich auch andere Politiker, Diplomaten und ranghohe Beamte weit vor dem offiziellen Impfstart hatten immunisieren lassen. Besonders pikant: Unter den heimlich Geimpften befand sich auch der vom Papst entsandte Nuntius in Peru, Erzbischof Nicola Girasoli. Der räumte daraufhin in einem Schreiben ein, er sei von einer Universität zu einer frühzeitigen Impfung eingeladen worden, weil er ein Berater für ethische Angelegenheiten gewesen sei.

Perus Bischofskonferenz tobt: Der Impfskandal offenbare das Antlitz eines Monsters namens Korruption.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.