Politik | Ausland
27.06.2017

Arabischer Informationskampf

Al Arabiya. Der saudische Sender sollte Al Jazeera Konkurrenz machen.

Neben der diplomatischen Krise zwischen Katar und anderen Staaten der arabischen Halbinsel tobt seit Jahren ein regelrechter Medienkrieg, den Al Jazeera seit jeher dominiert. In nächster Zeit könnten sich diese Verhältnisse ändern – der Sender ist mittlerweile in Saudi-Arabien verboten. Dafür wittert ein Konkurrent seine Chance: Al Arabiya, 2003 als Konterpart zu Al Jazeera gegründet, kann nun aus dem Windschatten treten.

Damals suchte die saudische Königsfamilie ein Mittel gegen den ungeliebten Al Jazeera, dessen Berichterstattung äußerst kritisch gegen deren Führungsstil war. In Dubai, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), startete das Projekt den Kampf um die Informationshoheit in der Region.

Die ideologische Nähe der Berichterstattung Al Arabiyas zum saudischen Königshaus ist offensichtlich. Als Teil des Konzerns Middle East Broadcasting Center (MBC), der zur Hälfte vom saudischen Prinzen Abdul Aziz bin Fahd geleitet wird, ist der Sender den Weisungen aus Riad unterworfen.

Journalisten, die nicht wie gewünscht berichteten, wurden umgehend gekündigt. Etwa die Reporterin Courtney C. Radsch, nachdem sie über Sicherheitsprobleme bei der VAE-Fluglinie Emirates berichtet hatte. Trotzdem konnte der Sender auf investigativer Basis bereits Erfolge erzielen, unter anderem als er 2012 E-Mails von Syriens Präsidenten Bashar al-Assad veröffentlichte.

Dem Emirat Abu Dhabi wiederum gehört zu Hälfte des Senders Sky News Arabiya, erklärt Philip Seib, Journalimus-Professor in Kalifornien. "Al Arabiya und Sky News Arabiya bieten Nachrichten an, die konservativer und mehr im Mainstream sind als das Angebot von Al Jazeera", meint er.

Auch der Sender aus Katar wird häufig dafür kritisiert, die Außenpolitik seines Landes zu stark mitzutragen (s.o.). Die Informationshoheit wird in dieser Region also nicht die größtmögliche Medienfreiheit beinhalten.