Politik | Ausland
21.06.2017

Anschlag in Brüssel vereitelt: Mutmaßlicher Attentäter erschossen

Der mutmaßliche Attentäter ist laut Behörden tot. Es gab keine weiteren Opfer am Zentral-Bahnhof der belgischen Hauptstadt. Am Bahnhof der Stadt Namur im Süden des Landes wurde ein verdächtiges Paket entdeckt.

In Brüssel haben Sicherheitskräfte einen Bombenanschlag am Zentral-Bahnhof vereitelt. Kurz nach einer kleineren Explosion schossen Soldaten am Dienstagabend dort einen mutmaßlichen Selbstmordattentäter nieder, wie die belgische Staatsanwaltschaft mitteilte. Nachdem ein Bombenräumkommando die Umgebung gesichert hatte, wurde der Tod des Mannes festgestellt.

Weitere Menschen kamen nicht zu Schaden. Die Behörden gehen von einem Anschlagversuch aus. Die Identität des Mannes war zunächst unklar. Laut Augenzeugen soll er "Allahu akbar" (Gott ist groß) gesagt haben. Der etwa 30-Jährige habe das nicht laut gerufen, sondern eher gemurmelt, sagte der Bahnhofsmanager Jean-Michel Michel, der unmittelbar daneben stand, der Deutschen Presse-Agentur.

Mann identifiziert

Beim Attentäter soll es sich laut der Zeitung De Tijd um einen 37-jährigen Mann aus der Brüsseler Gemeinde Molenbeek handeln. Aus Molenbeek kamen auch die Attentäter der Anschläge vom März 2016. Laut dem flämischen TV-Sender VRT soll der 37-Jährige eine mit Nägeln versehene Bombe bei sich gehabt haben, um durch die Explosion möglichst viele Menschen zu verletzen.

Die Nachrichtenagentur Belga berichtete, der Mann sei, nachdem er niedergeschossen worden war, zunächst lange im Bahnhof auf dem Boden gelegen. Sprengstoff-Experten wollten demnach überprüfen, ob er womöglich noch eine Bombe am Körper trage. Zuvor war der Verdacht geäußert worden, dass der Mann einen Sprengstoffgürtel umgeschnallt habe.

"Wir betrachten dies als einen Terroranschlag"

"Wir betrachten dies als einen Terroranschlag", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Die Explosion ereignete sich am Abend gegen 20.30 Uhr in einem Untergrundbereich des Bahnhofes in der Innenstadt, der mit Touristen und heimkehrenden Pendlern gefüllt war. Augenzeugen zufolge schrie der Mann und sprach über Jihadisten. Dann habe er sein Gepäck zur Explosion gebracht.

Auch von einer zweiten Explosion war die Rede. Dann seien Schüsse gefallen. Im Zentralbahnhof und an den Bahnsteigen war nach der Explosion Panik ausgebrochen. Viele Menschen seien nach einem Knall am Bahnhof schnell in Restaurants und andere Gebäude gelaufen. Die Polizei evakuierte das Gebiet um den Bahnhof Gare Central und die Straßen um den nahe gelegenen Grand Place in der Brüsseler Altstadt. Die Gegend ist bei Touristen beliebt. In angrenzenden Stadtteilen war Sirenengeheul zu hören.

Bahnhof wieder offen

Der Zentralbahnhof in Brüssel ist wieder für den Verkehr freigegeben worden. Wie die Bahngesellschaft SNCB Mittwochfrüh mitteilte, können Züge wieder in der Station halten. Der Bahnhof war am Dienstagabend komplett gesperrt worden. Die belgischen Behörden ordneten am Mittwoch eine verstärkte Präsenz von Sicherheitskräften in Bahnhöfen und U-Bahn-Stationen an. Die Terrorwarnstufe soll vorerst aber nicht weiter angehoben werden. Sie war bereits vor dem Anschlag am Dienstagabend auf dem zweithöchsten Niveau.

Der Bürgermeister von Brüssel, Philippe Close, schrieb im Kurzbotschaftendienst Twitter, das Zentrum der Stadt sei "ruhig". Belgiens Premierminister Charles Michel lobte den "Mut" der Sicherheitskräfte. Michel kam mit seinen Sicherheitsberatern zusammen und verfolgte die Entwicklungen vom Krisenzentrum aus. Für Mittwochvormittag wurde ein Treffen des Nationalen Sicherheitsrats einberufen.

Verdächtiges Paket in Namur

Nach dem vereitelten Terroranschlag ist Mittwochfrüh ein verdächtiges Paket vor dem Bahnhof von Namur im Süden des Landes entdeckt wurden. Wie die Polizei auf Twitter mitteilte, wurde der Bahnverkehr gestoppt und eine Sicherheitszone abgesteckt.

Verkehr und Fußgänger wurden von dort ferngehalten und Bürger aufgefordert, sich an die Anweisungen der Polizei zu halten. Mehr war zunächst nicht bekannt.

"Professionell reagiert"

Belgiens Ministerpräsident Charles Michel am Mittwoch den Soldaten gedankt, die den mutmaßlichen Attentäter niedergeschossen hatten. In einer potenziell gefährlichen Situation hätten sie schnell und professionell reagiert, sagte Michel in Brüssel.

Michel bekräftigte, dass die Sicherheitsbehörden die Terroralarmstufe trotz des als Terrortat gewerteten Zwischenfalls zunächst nicht anheben werden. Es gilt weiter Stufe drei von vier. Das bedeute, dass es keine Hinweise auf einen unmittelbar bevorstehenden Terrorakt gebe, sagte Michel. Er mahnte seine Landsleute, sich nicht einschüchtern zu lassen und ihre Freiheit im Alltag und ihren Lebensstil zu bewahren.

Tödliche Anschläge im März 2016

Brüssel ist in erhöhter Alarmbereitschaft, nachdem die Spur der Attentäter von Paris, die im November 2015 130 Menschen töteten, in die belgische Hauptstadt führte. Im März 2016 verübten islamische Extremisten, die Verbindungen zu der Pariser Gruppe hatten, zwei Bombenanschläge in Brüssel und töteten dabei 32 Menschen. Am Donnerstag und Freitag findet in Brüssel der EU-Gipfel statt.