Folter ist auf dem Vormarsch, berichtet Amnesty in einem neuen Bericht.

© ANSA/Ettore Ferrari

Amnesty-Bericht
05/13/2014

141 Staaten lassen foltern

Auspeitschen, Schlafentzug, Vergewaltigung - auch in anscheinend demokratischen Staaten wird gefoltert.

Isolation, SchlĂ€ge, Tritte, Elektroschocks, Schlafentzug oder Vergewaltigung - die alptraumhafte Liste von Foltermethoden ist RealitĂ€t fĂŒr Inhaftierte auf der ganzen Welt. DemĂŒtigungen und das Rasieren der BĂ€rte von muslimischen MĂ€nnern zĂ€hlen zu den "leichteren" Methoden, die Amnesty International im aktuellen Folter-Bericht aufzĂ€hlt.

Seit 30 Jahren gilt die Anti-Folter-Konvention der UN, doch auch in einem Großteil jener LĂ€nder, die das Abkommen ratifiziert haben, wird weiterhin gefoltert. Besonders erschreckend liest sich im Amnesty-Jahresbericht: Die Methoden werden zunehmend brutaler.

Ausgesetzt sind der Folter Menschen aus allen Schichten, besonders gefĂ€hrdet sind jedoch Frauen, Kinder, Schwule, Lesben oder Minderheiten. Außerdem sei Folter nicht auf autoritĂ€re und diktatorische Regime beschrĂ€nkt: Zwar wĂŒrden viele Staaten das absolute Folterverbot ernst nehmen, dennoch seien "auf allen Kontinenten Regierungen jeglicher politischer Couleur an diesem extremen Verfall der Menschlichkeit beteiligt", so Amnesty am Dienstag.

Angst vor Misshandlungen

Eine gemeinsam mit dem Bericht veröffentlichte, weltweite Umfrage kommt zu dem besorgniserregenden Ergebnis, dass fast die HĂ€lfte der Menschheit (44 Prozent) noch immer in Angst vor schrecklichen Misshandlungen lebt. In den vergangenen fĂŒnf Jahren hat die Organisation nach eigenen Angaben ĂŒber FĂ€lle von Folter und anderen Formen der Misshandlung in 141 LĂ€ndern berichtet. Die Dunkelziffer liegt aber vermutlich viel höher, da dies nur die FĂ€lle sind, die der Organisation bekannt wurden.

Amnesty International startet nun eine eine Stopp-Folter-Kampagne. Denn fĂŒr die Menschenrechtsorganisation ist Folter nicht nur "weiterhin existent, sie ist sogar auf dem Vormarsch", wie es im Folterbericht heißt. Insbesondere werden Mitglieder darin aufgerufen, sich gegen Folter in folgenden fĂŒnf LĂ€ndern einzusetzen: Marokko, Usbekistan, Nigeria, Mexiko und Philippinen.

"Politisches Versagen"

Der Folterbericht macht vor allem "gewaltiges politisches Versagen - genĂ€hrt von einer zerstörerischen Haltung, die schlicht leugnet, dass Folter existiert", fĂŒr den Anstieg von Folter verantwortlich. Anstatt sich um "wirksame Maßnahmen zum Schutz ihrer Bevölkerung vor Folterern zu kĂŒmmern", wĂŒrden Regierungen Voraussetzungen fĂŒr deren Zunahme schaffen. "Dieses weit verbreitete und hinterhĂ€ltige Vorgehen beweist, dass ein globales Folterverbot nicht ausreicht", konstatiert die Menschenrechtsorganisation.

Eines der grĂ¶ĂŸten Probleme sei außerdem Straffreiheit, denn Folter bleibe in der Regel "ungesĂŒhnt". Laut der Umfrage, fĂŒr die zwischen Dezember 2013 und April 2014 ĂŒber 21.000 Personen in 21 LĂ€ndern (Österreich war nicht darunter) befragt wurden, sprechen sich 82 Prozent fĂŒr klare Gesetze gegen Folter aus. Etwas mehr als ein Drittel (36 Prozent) findet ĂŒbrigens, dass Folter in manchen FĂ€llen gerechtfertigt ist, wenn sie zum Schutze der Bevölkerung dient.

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