Politik | Ausland
10.03.2018

Afrikas liebste Girlieband für neues Frauenbild

Die "Yegna Girls" sind Vorbild für Millionen von Mädchen. Sie stehen für Frauenrechte und wollen Mädchen dazu motivieren, an sich zu glauben. Der Name "Äthiopische Spice Girls" passt ihnen aber gar nicht.

"Als ich das erste Mal diese Phrase gehört habe, machte mich das wirklich traurig. Nicht weil ich die Spice Girls nicht mag, sondern weil das, was wir machen, so viel mehr ist als Singen – ich sehe mich als Botschafterin oder Lehrerin", antwortete Yegna-Mitglied Zebiba Grima im KURIER-Interview auf die Frage, ob die Bezeichnung "Äthiopische Spice Girls" ihnen recht sei. Inspiriert sei sie durch das Wissen, "ein Teil von etwas zu sein, das die Sicht der Gesellschaft auf Mädchen verändert".

"An Potenzial von Mädchen glauben"

Frauen in Äthiopien sind mit unzähligen Problemen konfrontiert. Die Gleichberechtigungsdebatten drehen sich aber nicht etwa um eine gegenderte Hymne. Es geht um ganz grundlegende Dinge: Schulzugang für Mädchen, Arbeitsplätze für Frauen, keine häusliche Gewalt. Yegna ist Äthiopiens erste Girl-Band, die auf diese Defizite aufmerksam macht. Die fünfköpfige Band, in westlichen Medien gerne als "äthiopische Spice Girls" bezeichnet, engagiert sich für Frauenrechte. Ihre Themen: Kinderehe, sexuelle Belästigung, Gewalt, Bildung und Migration. Ihr Ziel: Mädchen dazu motivieren, "zu überdenken, was es heißt, heutzutage ein Mädchen in Äthiopien zu sein". Aber die Band will nicht nur die weibliche Bevölkerung ansprechen. Auf ihrer Facebook-Seite ist zu lesen: "Yegna bedeutet ,unser’ und ist dazu konzipiert, Männer und Jungs gleichermaßen anzusprechen – wir wollen, dass sie an das Potenzial von Mädchen glauben, genauso wie Mädchen daran glauben sollten."

Im Jahr 2017 geriet das Projekt in finanzielle Notlage. Das britische Department für internationale Entwicklung strich die Finanzierung der Non-Profit-Organisation "Girl Effect", die Yegna betreut. Es gäbe "effektivere Wege, britische Hilfe zu investieren", sagte das Departement. Andere Wege und Sponsoren verschafften Abhilfe. Trotz des Rückschlags ist Girl Effect weiterhin von seinen Projekten überzeugt. "Wir sind eine Marke, die von Äthiopiern für Äthiopier entworfen wurde", zitierte The Guardian Gayathri Butler, zuständige Leiterin von Girl Effect für Äthiopien. Yegna singen ihre Texte auf Amharisch, der Amtssprache Äthiopiens. Der Bezug zur Tradition und der Sprache ist sehr wichtig für den Erfolg der Band. Laut einer 2017 durchgeführten Studie von Girl Effect habe Yegna bereits rund neun Millionen Menschen mit ihrer Botschaft erreicht. Zwei von drei der befragten Mädchen in den Regionen Addis und Amhara, wo die Band eine eigene Radiosendung hat, seien durch Yegna selbstbewusster geworden.

"Sei ein Krieger! Du bist Vorreiter!"

Fast ein Fünftel der äthiopischen Mädchen heiratet vor dem 15. Geburtstag. In der Region Amhara heiraten 45 Prozent der Mädchen als Minderjährige (unter 18). Damit hat die Region die höchste Kinderehen-Rate des Landes. Um die Situation zu verbessern, bedient sich Yegna verschiedener Kanäle. Neben ihrer Pop-Musik und ihrem YouTube-Kanal produziert die Band eine Radio Talkshow sowie Radio Drama-Sendungen, bei welchen sie komplexe Themen diskutiert bzw. mit Hilfe von fiktiven Geschichten thematisiert. Die Songtexte werden zudem von "Gender Teams" überarbeitet, um sicherzustellen, dass sie "aussagekräftig sind, ohne dabei moralpredigend zu sein", betonte Butler im Interview mit The Guardian.

In ihren Liedern will die Band mit Sätzen wie "Sei ein Krieger! Du bist ein Vorreiter!", motivieren. Für die 14-jährige Bilen und ihre Schwester ist Yegna ein Vorbild: "Yegna hat uns das Motto "Yes we can!" gelehrt.", erklärt sie. Durch ihre Fans erhalten die Yegna-Girls immer wieder eine "Inspirationsspritze", erzählt Zebiba Grima im KURIER-Interview. Zukünftig soll Yegna in ganz Äthiopien tätig sein, um noch mehr Mädchen zu erreichen.

( Veronika Ebner)