Politik | Ausland
21.12.2017

77 Prozent der Österreicher wollen in der EU bleiben

Wenig Vertrauen in die Europäische Union – und doch will die große Mehrheit nicht austreten.

Umfrage. In Österreich erreicht die Zustimmung zur Europäischen Union fast Rekordwerte:77 Prozent der Österreicher wollen nach einer aktuellen Studie der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE) in der EU bleiben. Das sind beachtliche 17 Prozentpunkte mehr als noch vor einem Jahr. Eine vor zwei Tagen veröffentliche Umfrage der EU-Kommission aber ermittelte genau das Gegenteil: Laut Eurobarometer haben 55 Prozent der Österreicher kein Vertrauen in die EU. Im Jahresvergleich war das Vertrauen sogar um drei Prozentpunkte gesunken.

Wie passen diese beiden Ergebnisse zusammen?

"Die Vertrauenswerte sind niedrig, aber das muss man in Zusammenhang mit dem generellen Vertrauen in die Politik sehen", erklärt Paul Schmidt, Leiter des ÖGfE im Gespräch mit dem KURIER die Diskrepanz. "Die Vertrauenswerte in die nationale Politik sind noch niedriger, und am niedrigesten sind jene in die nationalen Parteien."

Teil der EU-Familie

Andererseits gehe die hohe Zustimmung zum Verbleib nicht darauf zurück, "dass man die Performance der EU als so besonders gut einschätzt", meint Schmidt. Vielmehr erkläre sich dies angesichts der instabilen Entwicklungen im internationalen Umfeld: Brexit, Trump, Russland, die Türkei, die Migration. "Da will man lieber Teil einer großen Familie sein", sagt der ÖGfE-Chef.

Klar erkennbar wurde dies besonders nach der Brexit-Abstimmung im Sommer des Vorjahres. Nigel Farage, Chef der EU-feindlichen britischen UKIP-Partei, hatte damals prophezeit: "Die Österreicher werden die Nächsten sein." Das Gegenteil trat ein. Seit der Abstimmung der Briten für einen EU-Austritt sind hierzulande die Zustimmungswerte für die EU kontinuierlich gestiegen.