Politik | Ausland
22.06.2018

„52,73 Prozent“: Erdoğans Gegner fürchten Wahlbetrug

Massive Fälschungen zugunsten des türkischen Präsidenten sind laut Experten allerdings kaum möglich.

Die Meldung schreckte am Freitag die Gegner von Präsident Recep Tayyip Erdoğan in der Türkei auf: Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu, ein Sprachrohr des Präsidenten, soll eine Grafik vorbereitet haben, nach der Erdoğan die Präsidentenwahl mit 52,73 Prozent der Stimmen gewonnen hat – dabei findet der Urnengang erst an diesem Sonntag statt.

Laut Anadolu war die Grafik nur ein Test, doch sie verstärkte den Verdacht, dass es bei der Wahl möglicherweise nicht mit rechten Dingen zugehen wird.

Schon nach dem Verfassungsreferendum über die Einführung des Präsidialsystems im vergangenen Jahr, das Erdoğan knapp für sich entschied, wurden Klagen über angebliche Unregelmäßigkeiten zugunsten der Regierung bekannt.

Diesmal gibt es Meldungen über die Festnahme einiger Wahlbeobachter. Zudem wurde einem deutschen Parlamentsabgeordneten, der für die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) die Wahlen überwachen sollte, die Einreise in die Türkei verweigert.

Opposition kontrolliert

Allerdings wären massive Fälschungen bei der Stimmabgabe oder bei der Auszählung nur schwer zu bewerkstelligen, wie erfahrene Wahlbeobachter dem KURIER sagten.

Vertreter der Oppositionsparteien sitzen in den jeweiligen Wahllokalen in den Ausschüssen, die den Tag über das Verfahren kontrollieren und am Abend die Stimmen auszählen. Die Ergebnisse werden per Handy an die jeweilige Partei geschickt.

Sollten sich dann erhebliche Abweichungen zwischen diesen Resultaten und den amtlichen Ergebnissen ergeben, würde dies mehreren Parteien auffallen.

Außerhalb der großen Städte gibt es mehr Möglichkeiten zur Wahlbeeinflussung, weil es weniger Beobachter gibt. Allerdings dürfte die Wahl am Sonntag in den Großstädten entschieden werden, nicht auf dem flachen Land.